Der Hass auf Christen in Asien | Asien | DW | 24.04.2019
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Terror

Der Hass auf Christen in Asien

Die Verfolgung von Christen nimmt weltweit zu, genauso wie der politische Missbrauch von Religion. Nach den Anschlägen in Sri Lanka warnen Experten davor, einen Krieg zwischen den Weltreligionen auszurufen.

Es gibt nichts zu beschönigen. "Christen sind gegenwärtig die religiöse Gruppe, die in der Welt am meisten schikaniert und eingeschüchtert werden. In einigen Teilen der Welt drohen ganze religiöse Gemeinschaften zu verschwinden oder zu fliehen." Die Stellungnahme des Europäischen Parlaments zum "Jahresbericht über Menschenrechte und Demokratie in der Welt und die Politik der Europäischen Union in diesem Bereich" vom Dezember 2016 hat an Aktualität und Dramatik nichts eingebüßt - im Gegenteil.

Brandbeschleuniger Religion

Eine toxische Mischung aus staatlicher und gesellschaftlicher Verfolgung verschärft die weltweite Verfolgung von Christen, insbesondere in Asien. Nach Befragungen des US-amerikanischen MeinungsforschungsinstitutsPew Research Center, das jährlich die weltweite religiöse Landschaft untersucht, wird die Religionsfreiheit von Christen in 144 Ländern verletzt.

Als Triebkräfte für die Christenverfolgung stechen nach Aussagen des internationalen evangelikalen Hilfswerks "Open Doors" insbesondere islamische Unterdrückung, offizielle politische Anfeindung und religiös motivierter Nationalismus hervor. Während in China, Vietnam und Nordkorea Christen vom jeweiligen Regime als Staatsfeinde angesehen würden, seien in Indien und Sri Lanka nationalistische Motive für die Verfolgung ausschlaggebend.

In seinem Weltverfolgungsindex 2019 zählt "Open Doors" 50 Länder auf, in denen Christen am meisten verfolgt werden. 25 davon liegen in Asien. Sri Lanka belegt in dem Ranking bisher den 46. Platz, weit hinter Nordkorea, Indien, Pakistan, Nigeria und  Afghanistan.

Sri Lanka Negombo Zerstörte St. Sebastian Kirche nach Anschlag (Reuters/A. Perawongmetha)

Land unter Schock: Die zerstörte Kirche St. Sebastian in Negombo auf Sri Lanka

"In Asien kein neues Phänomen"

Religionsexperte Johannes Seibel vermutet, dass die jüngsten Anschläge auf Christen in Sri Lanka auf den "Import von islamistischem Terror in Zusammenarbeit mit lokalen Islamisten" zurückgehen könnten. "Dieses Muster beobachten wir in Asien in jüngster Zeit öfter", erläutert der Leiter der Kampagnen für Religionsfreiheit beim katholischen Hilfswerk Missio der DW: "In Dhaka in Bangladesch starben bei einer Geiselnahme im Juli 2016 in einem Café 28 Menschen. Und im Mai 2018 wurden in Indonesien Bombenanschläge auf Kirchen verübt."

Auch für Vijayesh Lal, Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Indien, sind gezielte Angriffe auf Christen während der Ostertage "kein neues Phänomen". In einer Stellungnahme zu den Anschlägen in Sri Lanka erinnert er daran, dass Ostern 2016 bei einer Bombenexplosion in der Nähe einer Kirche in der pakistanischen Stadt Lahore über 75 Menschen getötet wurden. Die Terrororganisation Jamaat-ul-Ahrar reklamierte das Attentat für sich.

Zum Erklärungsansatz, dass es sich bei den Anschlägen auf Sri Lanka um einen "Import von islamistischem Terror" handeln könnte, passt nach Ansicht von Missio-Sprecher Johannes Seibel die Erzählung des sogenannten Islamischen Staates, dass sich der Islam und das Christentum in einem globalen Bürgerkrieg befänden.

Im Westen nur Christen?

"Im Bewusstsein des IS wird das Christentum ganz oft mit dem Westen und insbesondere mit den USA verbunden", sagt Seibel: "Und dann können die Ideologen sagen, die USA greifen die islamische Welt an, das sind Christen, wir müssen uns wehren." Seibel warnt davor, diese Erzählung von einem vermeintlich weltweiten Kampf zwischen Christen und Muslimen oder den Weltreligionen untereinander zu übernehmen.

Johannes Seibel Sprecher von Missio (missio/Fotostudio Jünger)

Johannes Seibel vom katholischen Hilfswerk Missio: Dialog statt Kampf der Religionen

"Natürlich ist es schrecklich zu sehen, wie Christen gehasst werden und Gewalt ausgesetzt sind", sagt er. "Aber es hilft verfolgten Christen nicht, wenn wir auch in Deutschland jetzt nur darüber diskutieren, wie groß die Christenverfolgung ist und wer die meisten Verfolgten sind. Es gibt Christenverfolgung, aber das entscheidende ist dann, nach Lösungen zu suchen, um die Ursachen dieser Verfolgung zu bekämpfen". Das versuche auch das Hilfswerk Missio.

Dialog der Religionen

Zu den Lösungsansätzen zählt er interreligiösen Dialog, Einsatz für Religionsfreiheit sowie das Anprangern von politischem Missbrauch von Religionen: "Wir müssen immer wieder genau hinschauen, wo durch wen Religion missbraucht wird, und dann zum Beispiel durch interreligiösen Dialog dagegen angehen. Die guten Erfahrungen der Zusammenarbeit der katholischen Kirche und Vertretern des Islam etwa in Nigeria zeigen, dass der interreligiöse Dialog und der gemeinsame Einsatz für Religionsfreiheit sehr wichtig sind."

Auch der indische Generalsekretär der Evangelischen Allianz warnt davor, weiter an der Spirale von Hass und Gewalt zu schrauben: "Die Anschläge in Sri Lanka sind ein Beweis dafür, dass religiös motivierte Gewalt und Terrorismus zunehmen", sagt Vijayesh Lal: "Weil Hass Bosheit, Tod und Zerstörung zur Folge hat, muss er entschieden zurückgewiesen werden. Dies wird bei allen Terroranschlägen auf der Welt deutlich, sei es in Indien, Pakistan oder neulich in Christchurch in Neuseeland."

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