Christen weltweit stärker unter Druck | Welt | DW | 21.11.2018
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Religion

Christen weltweit stärker unter Druck

Der Fall der Pakistanerin Asia Bibi hat das Thema Christenverfolgung zuletzt wieder stark in den Fokus gerückt. Kein Einzelfall: Weltweit nimmt die Verfolgung zu, wie das aktuelle "Jahrbuch Christenverfolgung" zeigt.

Irak Karakosch al-Hamdaniya Zerstörte Kirche (Getty Images/AFP/T. Coex)

Vom IS zerstörte Kirche in Karoksch al-Hamdaniya (Irak)

Neun Jahre musste die Christin Asia Bibi wegen angeblicher Gotteslästerung in pakistanischen Gefängnissen zubringen - und auch nach ihrer Freilassung kann von einem Leben in wirklicher Freiheit (noch) keine Rede sein. Weiterhin wird Asia Bibi in Pakistan von Extremisten bedroht. Aus Sicherheitsgründen muss sie sich an einem unbekannten Ort verstecken. Nach Angaben des katholischen Hilfswerks missio vom Mittwoch hat die Bundesregierung Asia Bibi und ihren nächsten Familienangehörigen nun eine Aufenthaltszusage gegeben. Das Auswärtige Amt hat dies noch nicht bestätigt. Er erklärte, dass man mit der pakistanischen Regierung und anderen Beteiligten im Gesprächen sei. 

Steigendes Phänomen

Diskriminiert, verfolgt, getötet: Christenverfolgung ist und bleibt ein weltweites Phänomen. Und nimmt dabei ganz offensichtlich auch zu. Das geht aus dem "Jahrbuch Christenverfolgung" hervor, das jedes Jahr von der Evangelischen Allianz Deutschland und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte herausgegeben wird. Am Dienstag ist die aktuelle Ausgabe erschienen. "Fest steht, dass Diskriminierung und Verfolgung von Andersdenkenden und Andersgläubigen ein globales Problem ist und in das Leben von Millionen Menschen eingreift - das gilt für Christen ebenso wie für viele andere Religionsgemeinschaften", so das Fazit.

Pakistan Unruhen wegen Freilassung Christin Blasphemie (picture-alliance/Pacific Press/R. Hussain)

Ein religiöser Hardliner demonstriert am 2. November gegen die Freilassung von Asia Bibi

Gründe dafür seien unter anderem der in vielen Ländern zunehmende fundamentalistische Islam mit Gruppierungen wie dem "Islamischen Staat" oder "Boko Haram". Länder, die früher als liberal galten, wie zum Beispiel Indonesien, würden sich stark verändern. In Pakistan, so die Autoren, sei "fundamentalistisches Gedankengut längst Mainstream". Und Saudi-Arabien würde mit seinem "Export extremistischen Gedankenguts" immer weiter an Einfluss gewinnen. Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Martin Lessenthin, betonte anlässlich der Veröffentlichung des Berichts: "Wo religiöser Extremismus die Straßen beherrscht, dort werden Fluchtursachen geschaffen." Er forderte die Bundesregierung auf, betroffene Länder beim Kampf gegen Radikalismus und Extremismus zu unterstützen.

Konkrete Zahlen nicht ermittelbar

Bewusst verzichten die Autoren des Jahrbuchs allerdings darauf, konkrete Zahlen zu nennen, wie viele Christen weltweit verfolgt werden. Auch, wenn man zwar eine generelle Tendenz zu mehr Unterdrückung von Christen bestätigen könne, sei eine Zahlennennung nicht seriös möglich. Und das obwohl immer wieder Studien und Medienberichte kursierten, in denen von konkreten Zahlen die Rede ist - die Organisation "Open Doors" etwa spricht in ihrem Bericht 2018 von 200 Millionen Christen, die "unter schwerer Verfolgung leiden". Die oft zitierte Aussage, dass rund 80 Prozent der wegen ihres Glaubens weltweit verfolgten Menschen Christen seien, entbehre jeder Grundlage, so das Jahrbuch Christenverfolgung.

Pakistan Christen-Verfolgung (Noman Michael)

Christen in Pakistan protestieren gegen Diskriminierung

Die Autoren verzichten deshalb bewusst auf solche Kennzahlen und verweisen stattdessen auf die Situation in den betroffenen Ländern: "Wie kann man wissen, wie viele Menschen in einem Gefängnis zu Tode gefoltert wurden, wenn in der Regel niemand weiß, wie viele Menschen überhaupt dort gefangen gehalten werden und wie viele Opfer über Monate oder sogar Jahre einfach 'verschwinden'", so der Einwand. Dazu gäbe es Länder, wie zum Beispiel China, in denen es nicht einmal zweifelsfrei zu klären sei, wie viele Christen es überhaupt gebe. Auch deshalb könnten konkrete Zahlen zur Verfolgung kaum seriös festgestellt werden.  

Christen sind nie die einzigen Opfer

Was dagegen sicher ist: Dort wo Christen verfolgt werden, werden auch andere Gruppen verfolgt, die nicht der religiösen Mehrheit des jeweiligen Landes angehören. In der "islamischen Welt" würden zudem Frauen gegenüber Männern benachteiligt. Auch Säkulare oder schiitische Muslime werden verfolgt. Deshalb sei es schwer zu sagen, ob Christen stärker verfolgt werden als andere Gruppen. Das Jahrbuch Christenverfolgung macht zu guter Letzt auch darauf aufmerksam, dass neben den Christen auch Muslime weltweit häufig Opfer von Verfolgung werden - so etwa im buddhistisch geprägten Myanmar, wo die Verfolgung einheimischer Muslime "das Ausmaß eines Völkermordes" angenommen habe.

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