Christen auf der Flucht vor dem IS | Aktuell Nahost | DW | 08.08.2015
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Aktuell Nahost

Christen auf der Flucht vor dem IS

In Zentralsyrien fliehen Hunderte Christen laut Aktivisten vor dem Terror des IS. Ihr Exodus folgt auf die Eroberung der Stadt Karjatain, bei der die Extremisten 230 Menschen verschleppten.

Geflohene syrische Christen beten in einer Kirche im Libanon (Foto: AFP)

Geflohene syrische Christen beten in einer Kirche im Libanon

Versklavung, Vergewaltigung, Ermordung - all das droht Christen in den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Aus Furcht vor dem Vormarsch der Dschihadisten verließen nun zahlreiche christliche Familien in der syrischen Provinz Homs ihre Häuser, berichtet das christlich-assyrischen Netzwerk für Menschenrechte in Syrien. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London erklärte, dass die Flüchtlinge sich überwiegend in Richtung der Provinzhauptstadt Homs sowie in Richtung von Syriens Hauptstadt Damaskus bewegten.

Aus einer Kirche verschleppt

Den Angaben zufolge hatte die IS-Miliz bei der Einnahme der Kleinstadt Karjatain auch 60 Christen in ihre Gewalt gebracht. Die Menschen, auch Frauen und Kinder, seien direkt aus einer Kirche heraus entführt worden. Ihnen sei vorgeworfen worden, mit dem syrischen Regime zu kooperieren, hieß es.

Jahrestag der internationale Luftschläge

Unterdessen meldet die US-Militärführung ein Jahr nach Beginn der internationalen Luftangriffe Erfolge gegen die IS-Terrormiliz in Syrien und im Irak. Die Dschihadisten seien durch die Bombardements deutlich zurückgedrängt worden, hieß es. Wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte, mussten die Dschihadisten an fast jeder Front Verluste hinnehmen. Anti-IS-Kräfte kontrollierten zwei Drittel der nördlichen syrischen Grenze.

USA sprechen von Erfolgen gegen den IS

Im Irak könnten die Dschihadisten in etwa 25 bis 30 Prozent der einst von ihnen beherrschten, bewohnten Gebiete nicht mehr ungehindert agieren, teilte das Pentagon mit. In Nordsyrien wurden die Dschihadisten nach Angaben des Weißen Hauses im vergangenen Jahr aus einem 17.000 Quadratkilometer großen Territorium zurückgedrängt - was etwa der Größe von Thüringen entspricht. Von der Grenze zwischen Syrien und der Türkei habe der IS noch knapp 110 Kilometer unter seiner Kontrolle - zu Hochzeiten, also vor der Vertreibung aus Kobane im Januar, waren es fast 300 Kilometer. Am 8. August 2014 hatte die US-geführte Anti-IS-Koalition aus mehr als 60 Ländern mit den Luftangriffen begonnen. Das internationale Bündnis hat nach Angaben aus Washington seither fast 6000 Einsätze gegen die IS-Terrormiliz geflogen.

"Außerordentliche Leistung der Kurden"

In der nordsyrischen Grenzregion zur Türkei sind es vor allem die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die sich dem IS am Boden entgegenstellen. Sie sind ein Ableger der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die derzeit von der türkischen Luftwaffe bombardiert wird.

Karte Nordsyrien Kurdische und IS-Gebiete (Quelle: DW)

Nordsyrien: Kurdische und IS-Gebiete

Das US-Verteidigungsministerium hob hervor, dass die syrischen Kurden eine "außerordentliche" Leistung erbracht und grenzübergreifende Kommunikationswege des IS zwischen Syrien und dem Irak sowie Syrien und der Türkei blockiert hätten.

Ein riesiges "Islamisches Kalifat"

Trotz der internationalen Luftangriffe beherrscht der IS noch immer riesige Gebiete in Syrien und im Irak, wo er ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen hat. Der Bürgerkrieg in Syrien- durch den die Dschihadisten stark geworden sind und der nach UN-Schätzungen in vier Jahren mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet hat - dauert mit unverminderter Brutalität an. Der Irak wird nach dem Sturz des ehemaligen Diktators Saddam Hussein durch die USA neben dem IS-Terror auch von sozialen Unruhen erschüttert: immer protestieren dort Tausende Menschen gegen Stromengpässe und Korruption. Beobachtern zufolge sind unter den Anführern der IS-Terrormiliz viele ehemalige Offiziere des Saddam-Regimes.

cw/ml (dpa,ape)