CHIO Aachen: Schweden gewinnt Nationenpreis im Springreiten | Sport | DW | 18.07.2019
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Reitsport

CHIO Aachen: Schweden gewinnt Nationenpreis im Springreiten

Beim Nationenpreis im Springreiten beim CHIO Aachen müssen sich die deutschen Springreiter knapp geschlagen geben. Schweden triumphiert zum ersten Mal seit 1929. Am Ende entscheiden ein paar Hundertstelsekunden.

CHIO Aachen Pferdesport Springen - Peder Fredricson (picture-alliance/dpa/U. Anspach)

Sprung ins Glück: Peder Fredricson bleibt fehlerfrei und beschert Schweden den Sieg

"Keine Ahnung! Vielleicht die Länge einer Pferdezunge", sagte Schwedens Top-Reiter Henrik von Eckermann nach dem Nationenpreis im Springreiten beim CHIO Aachen, als er gefragt wurde, wie groß wohl der Vorsprung seiner siegreichen schwedischen Equipe auf die zweitplatzierten Deutschen war, würde man ihn in Zentimeter umrechnen. "Es war auf jeden Fall sehr knapp", gab er zu, und damit hatte der 38-Jährige recht.

Schließlich hatten zuvor nicht mehr als 14 Hundertstelsekunden den Ausschlag gegeben - und die guten Nerven von Schwedens Schlussreiter Peder Fredricson. Unter Flutlicht legte er auf dem anspruchsvollen Parcours des CHIO Aachen die zum Sieg benötigte Nullrunde hin und blieb dabei mit 79,86 Sekunden gerade noch so innerhalb der erlaubten Zeit von 80 Sekunden. Wäre die Ziellinie nur einen halben Meter weiter entfernt gewesen (eine Hundertstelsekunde entspricht laut Aachens Parcourschef Frank Rothenberger drei Zentimetern), hätte es einen Zeitfehler für Schweden und damit ein Stechen gegeben. So aber sicherte Fredricson sich und seinen drei Teamkollegen den Sieg im prestigeträchtigen Nationenpreis.

Die Schweden setzen sich in der Besetzung von Eckermann auf Toveks Mary Lou, Angelie von Essen auf Luikan, Evelina Tovek auf Dalila de la Pomme und Fredricson auf Christian K in der Endabrechnung mit insgesamt vier Strafpunkten knapp vor Deutschland (5) und Frankreich (8) durch. Die deutsche Equipe von Bundestrainer Otto Becker verpasste dadurch den vierten Sieg beim heimischen Nationenpreis in Folge. Eine solche Serie war den deutschen Springreitern zum bislang einzigen Mal in den Jahren von 1972 bis 1975 gelungen.

Deußers Zeitfehler ist einer zuviel 

Im ersten Durchgang blieb keines der Teams ohne Abwurf. Von den jeweils vier Reitern jeder Equipe werden beim Nationenpreis die drei besten gewertet, das schwächste Teammitglied liefert das Streichergebnis. Zur Halbzeit lagen mit den Niederlanden, Frankreich, Schweden, Belgien und Irland fünf Nationen mit jeweils vier Strafpunkten in Führung. Dahinter folgte die deutsche Mannschaft mit fünf Zählern. Nachdem Simone Blum, die einzige Frau in der deutschen Equipe, auf Alice fehlerfrei geblieben war, leistete sich Christian Ahlmann auf Clintrexo Z einen Abwurf, Daniel Deußer ritt mit Calisto Blue fehlerfrei aber 0,28 Sekunden zu langsam und musste einen Zeitstrafpunkt hinnehmen.

Hinterher war der 37-Jährige, der in Belgien lebt und trainiert, zum Scherzen aufgelegt. Als er gefragt wurde, wo genau er die knapp drei Zehntelsekunden verloren habe, sagte er lapidar: "Ich würde sagen, es war definitiv irgendwo zwischen dem Start und der Ziellinie." Ärgerlicherweise aus deutscher Sicht scheiterten Marcus Ehning und Funky Fred, die als viertes deutsches Paar in den Parcours gingen, erst am letzten Hindernis. So belegten die Deutschen vor dem entscheidenden Durchgang nur den sechsten Rang im Feld der acht teilnehmenden Nationen.

Fredricson hält dem Druck stand

Im zweiten Durchgang, für den einige Hindernisse um ein paar Zentimeter erhöhte wurden, gelang Blum die nächste Nullrunde, auch Ahlmann blieb ohne Abwurf. Als anschließend auch Deußer einen fehlerfreien Ritt hinlegte, war klar: Deutschland würde den Wettkampf mit fünf Fehlerpunkten beenden. Ehning verzichtete daher auf den zweiten Durchgang und schonte sein Pferd. 

Deutschland Aachen | Simone Blum auf Alice (picture-alliance/dpa/U. Anspach)

Weltmeisterin Simone Blum und ihre Stute Alice schafften zweimal eine Nullrunde

Nun galt es darauf zu hoffen, dass sich die Franzosen, Schweden und Iren weitere Abwürfe leisten würden. Frankreichs dritter Reiter, Guillaume Fourtrier, tat den Deutschen diesen Gefallen. Auch Irlands Darragh Kenny patzte, und die Iren fielen hinter Deutschland zurück. Nun kam es auf  Fredricson an, der im ersten Durchgang mit 13 Fehlerpunkten noch das schwedische Streichergebnis geliefert hatte. Doch der 47-Jährige blieb fehlerfrei und ritt für Schweden zum Sieg - ein Sieg nach 90 Jahren Pause. Es war nämlich das erste Mal seit die schwedische Equipe im Jahr 1929 beim ersten Nationenpreis des CHIO Aachen ganz vorne lag.

Ahlmann und Deußer wieder dabei 

Die beiden deutschen Top-Reiter Ahlmann und Deußer standen in Aachen erstmals seit über zwei Jahren wieder in einem deutschen Nationenpreis-Aufgebot. Beide hatten sich wegen Streitigkeiten mit dem deutschen Verband, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), in den vergangenen Jahren geweigert, die Athletenvereinbarung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu unterschreiben. Die Unterschrift ist jedoch Voraussetzung, um für Deutschland bei Nationenpreisen oder Olympischen Wettbewerben an den Start gehen zu dürfen. In der Vereinbarung steht unter anderem, dass Athleten, sollte ein Dopingvorwurf gegen sie erhoben werden, nicht vor ein ordentlich Gericht ziehen dürfen.

Deußer und Ahlmann waren in früheren Jahren beschuldigt worden, bei ihren Pferden eine nicht erlaubte medizinische Behandlung durchgeführt zu haben. Die FN war damals hart gegen die beiden Reiter vorgegangen. Erst kurz vor dem CHIO hatte man sich wieder angenähert, und Ahlmann und Deußer hatten schließlich doch unterschrieben.

Beide gelten, genau wie Blum und Vorjahressieger Ehning, auch am Sonntag beim Großen Preis zu den Favoriten auf den Sieg. Ehning hatte die wichtigste Prüfung des Aachener Turniers im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in seiner Karriere gewonnen. Ahlmann hatte sich 2014 in die Siegerliste eingetragen. 

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