Chile - der Impf-Champion aus Lateinamerika | Coronavirus und COVID-19 - aktuelle Nachrichten zur Pandemie | DW | 13.02.2021
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Corona-Pandemie

Chile - der Impf-Champion aus Lateinamerika

Die Massenimpfungen haben in dem Andenland erst am 3. Februar begonnen. Seither wurden aber bereits über 1,5 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Wie macht Chile das?

Chile Corona | Impfkampagne

Ältere Chilenen warten auf ihre erste Dosis der Corona-Impfung

Während vielerorts in Europa die Corona-Impfungen nur stockend anliefen, ist Chile seit der Öffnung der Impfzentren am 3. Februar durchgestartet. Innerhalb kürzester Zeit schaffte das südamerikanische Land es, täglich 150.000, 180.000, sogar 270.000 Menschen zu impfen. Die Gesamtbilanz, nachdem seit Ende Dezember bereits Impfdosen an Gesundheitspersonal verabreicht wurden und nun vor gut einer Woche die Massenimpfungen angelaufen sind: gut 1,6 Millionen geimpfte Chilenen. 

Bei einer relativ kleinen Bevölkerung von 19 Millionen Einwohnern bedeutet das, dass bereits über acht Prozent der Bevölkerung – zumindest mit einer ersten Dosis – immunisiert sind. Nur wenige Staaten wie Israel (70 Prozent), die Vereinigten Arabischen Emirate (47 Prozent), Großbritannien (20 Prozent) oder die USA (14 Prozent) haben laut der Website "Our World in Data" höhere Impfquoten – und das, nachdem die meisten schon mehrere Wochen ihre Bürger impfen. 

Der Wissenschaftler und Gründer von "Our World In Data", Max Roser, bezeichnete Chiles Resultate auf Twitter als "beeindruckend". Auch Präsident Sebastian Piñera war beim Knacken der Ein-Millionen-Marke am Dienstag sichtlich positiv gestimmt: "Ich danke den älteren Menschen, den Gemeinden, den Mitarbeitern des Gesundheitswesens, den Streitkräften, den Ordnungskräften, allen. Wir werden diese Pandemie besiegen."

Was macht Chile richtig?

Gesundheitsminister Enrique Paris sagte der spanischen Tageszeitung El País, dass das chilenische Gesundheitssystem viel Erfahrung mit großangelegten Impfkampagnen habe. Bereits seit 1978 gebe es einen nationalen, "sehr robusten" Impfplan. "In Chile wird niemand geimpft, ohne seinen Namen, seinen Personalausweis und den Impfstoff, den er erhalten soll, zu registrieren. So können wir genaue Statistiken führen."

Zudem hat der vergleichsweise wohlhabende Andenstaat frühzeitig und viel Impfstoff bestellt, unter anderem bei BioNTech/Pfizer, AstraZeneca und Johnson & Johnson. Eine wichtige Rolle spielt auch das Corona-Vakzin des chinesischen Herstellers Sinovac. Es wurde vereinbart, dass das Unternehmen zusammen mit der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile eine Impfstoff-Studie im Land durchführt - und dass Chile im Gegenzug bevorzugten Zugang zu dessen Serum CoronaVac erhält. Festgelegt wurden zunächst 60 Millionen Dosen über einen Zeitraum von drei Jahren. 

Chile Corona | Impfkampagne

Auch Chiles Präsident Sebastián Piñera erhielt an diesem Freitag die Impfung

Von den restlichen Herstellern soll Chile circa 30 Millionen weitere Impfdosen erhalten. Zugelassen und im Einsatz sind bislang BionNTech/Pfizers Vakzin und CoronaVac - letzteres ist allerdings nur für 18- bis 59-Jährige freigegeben, weil Langzeitstudien zur älteren Generation fehlen.

Ärger auf der Osterinsel

Während es grundsätzlich viel Lob für die chilenische Corona-Impfkampagne gibt, zeigten sich einzig die Bewohner der zu Chile gehörenden Osterinsel Anfang der Woche verärgert über schlechtes Kommunikationsmanagement mit dem Festland. "Sie reden nicht mit uns, sie planen nicht mit uns", so Bürgermeister Pedro Edmunds Paoa. Er bemängelte unter anderem die Priorisierung der 85- bis 90-Jährigen, da es von denen nur fünf auf der Insel mit insgesamt 5800 Einwohnern gebe. Allerdings gab es auf der über 3.500 Kilometer vom Festland entfernten Osterinsel seit Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie bislang keine einzige bestätigte COVID-19-Infektion.

Herdenimmunität bis zur Jahresmitte?

Auf ihrer Seite gibt Chiles Regierung das Ziel aus, im ersten Quartal des laufenden Jahres fünf Millionen Menschen zu impfen. Bis Ende Juni sollen 80 Prozent der Bevölkerung, also etwa 15 Millionen Menschen, erreicht werden. Schafft das Land es, das derzeitige Tempo beizubehalten, ist dieses Ziel durchaus realistisch und Chile könnte zu einem der ersten Länder mit einer Herdenimmunität gegen das Coronavirus werden. 

Heiß erwartet wäre diese - wie in so vielen anderen Ländern - in jedem Fall. Mit knapp 770.000 Infizierten und über 19.000 Toten wurde der Andenstaat stark von der Pandemie getroffen.

Video ansehen 02:25

Chile: Mittellose errichten illegale Siedlungen

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