Champions League: Paris Saint-Germain stolpert über sich selbst | Sport | DW | 06.03.2019
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Champions League

Champions League: Paris Saint-Germain stolpert über sich selbst

Einige der besten Fußballer des Planeten spielen für Paris Saint-Germain. Doch die Star-Elf von Trainer Thomas Tuchel scheitert in der Champions League auf besonders tragische Weise an Manchester United.

Neymar steht mit offenen Mund am Spielfeldrand, kann es nicht glauben. Julian Draxler hat sein Gesicht tief in eine Wolldecke vergraben, kann es nicht mehr sehen. Kylian Mbappé liegt mit geschlossenen Augen auf dem Rasen, kann es nicht mehr ändern. So sieht kollektives Entsetzen aus. Paris Saint-Germain ist aus der Champions League ausgeschieden, mal wieder. Doch dieses Mal ist es besonders tragisch.

Im eigenen Stadion und nach einem 2:0-Auswärtssieg im Hinspiel muss der französische Fußballmeister die Träume vom Gewinn der Champions League begraben. Und das schon im Achtelfinale. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel unterliegt am Mittwochabend mit 1:3 (1:2) gegen Manchester United.

Lukaku schockt PSG

Dabei sind die Engländer nicht gerade in Bestbesetzung in die französische Hauptstadt gereist. Zehn Stammspieler fehlen verletzt und gesperrt, darunter Weltmeister Paul Pogba (Gelb-Rote Karte im Hinspiel) sowie Jesse Lingard, Anthony Martial, Juan Mata und Alexis Sanchez. Das Viertelfinale scheint beschlossene Sache für Paris, kaum jemand - außer dem irgendwie immer schelmisch lachenden United-Trainer Ole Gunnar Solskjær – glaubt an ein Weiterkommen von Manchester. Bis dieses eigenartige Spiel beginnt.

Gut 47.000 Zuschauern im Pariser Prinzenpark staunen nicht schlecht, als der junge deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer eine geniale Vorlage vor den Strafraum zirkelt - leider vor den eigenen. Manchester-Stürmer Romelu Lukaku bedankt sich mit dem 1:0 für United nach 111 gespielten Sekunden. Paris antwortet mit wütenden Angriffen und kommt tatsächlich schnell durch Juan Bernat zum Ausgleich (12.). In dieser Phase spielt nur Paris (85 Prozent Ballbesitz), United findet nicht statt. Bis erneut Lukaku wie aus dem Nichts trifft: Der Belgier kann abstauben, weil PSG-Keeper Gianluigi Buffon im strömenden Regen den glitschigen Ball nicht festhalten kann (30.).

850 Millionen Euro kostete der Kader von Paris

Fußball Champions League - Thomas Tuchel (picture-alliance/PA Images/D. Klein)

Mehr als vermeidbar: Das Aus in der Champions League trifft Thomas Tuchel hart

Auch in der zweiten, allerdings schwächeren Hälfte ist Paris drückend überlegen, rennt aber weiter dem Rückstand hinterher. Beste Chancen bleiben ungenutzt. Noch sind sie weiter, das 2:0-Polster reicht, für den Moment. Bis in die Nachspielzeit sieht es nach einem Weiterkommen der Mannschaft von Thomas Tuchel aus. Doch dann wehrt Presnel Kimpembe einen Schuss des eingewechselten Portugiesen Diogo Dalot im Strafraum mit der Hand ab. Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien zögert, sieht sich den Videobeweis an und gibt dann Elfmeter. Den verwandelt Marcus Rashford eiskalt und Manchester wirft Paris aus der Königsklasse. "Ich musste nur einen kühlen Kopf bewahren. Aber genau darauf war ich vorbereitet. Ich wollte diesen Elfmeter", sagte Marcus Rashford später über den alles entscheidenden Strafstoß. "Für diese Momente leben wir."

Während eine Traube von rosa gekleideten United-Profis vor dem Block der mitgereisten Manchester-Fans ausrastet, herrscht greifbare Fassungslosigkeit bei PSG. Wieder das frühe Aus in der Königsklasse. Neu ist die Erfahrung, es wirklich selbst vergeigt zu haben. Gegen Barcelona und Madrid traf man schlicht auf bessere Teams. Gegen Manchester scheitert Paris eigentlich mehr an sich selbst. 850 Millionen Euro teuer ist der Kader von Paris und damit knapp hinter Manchester City (853 Millionen Euro) die zweitteuerste Mannschaft der Welt. Doch bislang hat sich dieses gewaltige Investment für die katarischen Klubeigner nicht ausgezahlt. Der Kauf des Pariser Klubs brachte viel Prestige, aber abgesehen von nationalen Titeln in der nicht besonders ausgeglichenen Ligue 1 bisher keinen zählbaren Erfolg. Wie schon in den vergangen Jahren scheitert Paris frühzeitig in der Champions League. Und das trotz 68 Prozent Ballbesitz und großer spielerischer Überlegenheit. Ein Spiel, das die französische Tageszeitung "L'Équipe" aus Pariser Sicht mit zwei Worten treffend zusammenfasst: "Der Albtraum".

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