Wer ist der neue starke Mann in Burkina Faso? | Afrika | DW | 28.01.2022
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Afrika

Wer ist der neue starke Mann in Burkina Faso?

Paul-Henri Damiba hat sich in Burkina Faso an die Macht geputscht. Der Oberstleutnant mit Top-Ausbildung im Westen gehört zur Militärelite des Landes. Nun präsentiert er sich als Fachmann im Kampf gegen den Terror.

Burkina Fasos neuer Machthaber hat ohne viele Worte einen harten Ton angeschlagen. Paul-Henri Damiba verspricht, in dem Krisenstaat aufzuräumen. Der 41-jährige Oberstleutnant hat seinen früheren Chef, Präsident Roch Marc Christian Kaboré, aus dem Amt geputscht und hält ihn an einem unbekannten Ort gefangen.

Am Donnerstag (27.01.) äußerte er sich erstmals zu den Gründe für den Staatsstreich durch die Militärjunta "Bewegung für Schutz und Wiederherstellung" (MPSR): "Der Antritt der MPSR wurde durch den Lauf der Dinge in unserem Land erzwungen, das durch so viele Ereignisse und Angriffe radikaler bewaffneter Gruppen auf allen Seiten geschwächt ist. Der Ernst der Stunde hat unserer Armee eine Haltung auferlegt, die ihre Pflicht ist."

'Integrität Burkina Fasos wiederherstellen'

Er wolle - auch in Gesprächen mit Teilen des Volkes und Persönlichkeiten des scheidenden Regimes die Leitlinien für den Weg zur "Wiederherstellung der Integrität" des Landes weisen. Wann Burkina Faso zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückkehren wird, ließ er offen.

Demonstranten mit Poster des neuen Staatschefs

Einige Menschen in Burkina unterstützen den neuen Machthaber

Schon vor dem Staatsstreich hatte Damiba deutlich gemacht, dass ihm die Sicherheitspolitik der Regierung missfiel. Der Terror in Burkina Faso nimmt seit Jahren zu: Seit den ersten dschihadistischen Angriffen 2015 kamen in Burkina Faso rund 2 000 Menschen ums Leben. Rund 1,5 Millionen flüchteten in die Nachbarländer.

In dieser Situation hatte sich Damiba als Experte für die Terrorismus-Bekämpfung präsentiert. Seine Fähigkeiten unterstrich er mit einer Buchveröffentlichung im Juni 2021, in dem er die Anti-Terror-Strategien in der Sahelzone und deren Grenzen analysiert.

Vom bisherigen Präsidenten befördert

Kaboré hatte Dambia erst vor zwei Monaten befördert: Er wurde Kommandant der dritten Militärregion. Sie erstreckt sich von der Hauptstadt Ouagadougou in den Osten von Burkina Faso und umfasst einige der wichtigsten Konfliktgebiete des Landes.

Präsident Roch Marc Christian Kabore bei einer Rede (Archivbild)

Präsident Kaboré hatte Damiba gefördert

Damiba hatte da schon systematisch an seiner Karriere gebaut: Er diente schon in der Präsidentengarde von Kaboré Vorgänger Blaise Compaoré, der 2014 abtrat.

Der burkinische Oppositionspolitiker Victorien Tougouma verurteilt die Machtübernahme durch Waffengewalt. "Jedes Mal, wenn es ein Problem gibt, wird das Militär dazu angestiftet, die Macht zu übernehmen", sagt er im DW-Interview. "Ich höre, dass Damiba der starke Mann in Burkina ist. Es gibt keinen starken Mann in Burkina. Der starke Mann ist das Volk".

Junge Militärherrscher

Der neue Befehlshaber in Burkina Faso zählt zu einer Gruppe von Gleichgesinnten, die in der westafrikanischen Region als Herrscher Einfluss nehmen wollen: Oberstleutnant Mamady Doumbouya aus Guinea, auch 41 Jahre alt, der sich im September 2021 an die Macht putschte und dem zwei Jahre jüngeren Militärherrscher Assimi Goïta aus Mali.

Symbolbild I Sicherheitskräfte Burkina Faso

Burkinas Sicherheitskräfte konnten den Terror bisher nicht stoppen

Wie viele Militäroffiziere in der Sahelzone hat auch Damiba enge Beziehungen zur früheren Kolonialmacht Frankreich. Sein Hintergrund ähnelt dem vieler Mitglieder der militärischen Elite Burkina Fasos: 2015 studierte er in Paris an der Militärakademie École de guerre und machte an einer renommierten Hochschule einen Abschluss in Kriminologie.

Die Militärs, die putschen, gerade auch jetzt in Burkina Faso und Mali, hätten alle militärische Ausbildungen im Ausland durchlaufen, sagt Denis Tull von der Stiftung Wissenschaft und Politik im DW-Interview. "Nicht nur im Westen, häufig auch in anderen Staaten wie China und Russland. Man wird heute im Sahel kaum noch einen Militär im Rang eines Oberst finden, der nicht in irgendeiner Form militärische Ausbildung im Ausland erfahren hat."

Unzufriedenheit mit zivilen Regierungen

"Aber es ist keine neue Generation von militärischen Machthabern", betont Tull. Vielmehr sei die internationale Unterstützung für Militärs enorm breit und habe im Sahel auch wegen der Sicherheitskrise zugenommen. Die Soldaten fühlten sich - angesichts des massiven Engagements externer Partner - praktisch ermächtigt, bei derartigen Krisen in die politische Arena einzutreten und das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen.

Proteste gegen die schlechte Sicherheitslage in Burkina Faso (Archivbild)

Die Unzufriedenheit mit der Regierung war in den letzten Monaten gewachsen

Der tiefer liegende Grund für die vier aktuellen Putsche in Mali, Guinea und Burkina Faso in den vergangenen Monaten sei eine Vertrauenskrise in staatliche Institutionen, sagt Tull: "Der offenbare Rückhalt für die Putschisten im Volk, ist nicht so sehr ein Plädoyer für die Militärs als vielmehr eine Ablehnung der gescheiterten zivilen Regierungen, die sich unfähig gezeigt haben, multinationalen Krisen entgegen zu treten."

Doch nun müssen die Militärs beweisen, dass sie das Terrorproblem in den Griff bekommen können - und ob das gelingen wird, wird von vielen Experten bezweifelt.