Bundesbank: Negative Rendite für Sparer | Wirtschaft | DW | 20.08.2018
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Vermögen

Bundesbank: Negative Rendite für Sparer

Die Zinsen im Euroraum sind seit Jahren im Keller. Die spärlichen Erträge der Sparer und Anleger wurden im ersten Quartal durch die gestiegene Inflation aufgezehrt, vermerkt ein aktueller Bericht der Bundesbank.

Nach Berechnungen der Bundesbank war die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt abzüglich der Teuerung - also real - erzielte, Anfang 2018 mit minus 0,8 Prozent erstmals seit sechs Jahren negativ.

Die Notenbank berücksichtigt dabei Bargeldbestände, Ansprüche gegenüber Versicherungen sowie Anlagen in Aktien und Fonds, wie sie in ihrem Monatsbericht August ausführt, der am Montag veröffentlicht wurde.

Noch 2017 erzielten die Haushalte laut Bundesbank-Berechnungen mit ihrem Geldvermögen abzüglich Inflation eine Rendite von durchschnittlich 1,4 Prozent nach 0,9 Prozent im Jahr 2016.

Kein Verlass auf die Börse

Dass es Anfang 2018 erstmals seit Jahren wieder negative Realzinsen gibt, erklärt die Bundesbank damit, dass auch Aktien im Betrachtungszeitraum nicht mehr so viel abwarfen. Die gleichzeitig anziehende Inflation schlug somit stärker durch.

"Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen", hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt. "Ihre Altersvorsorge bauen Sie aber über mehrere Jahrzehnte auf. Das relativiert die aktuelle Zinssituation etwas."

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland lag im ersten Quartal nach Angaben der Bundesbank bei 5875 Milliarden Euro.

Warten auf die EZB

Weidmann, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Kurs der Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet, verwies in dem Interview auf die jüngsten Weichenstellungen der EZB: "Die Zinsen (werden) im Zuge der geldpolitischen Normalisierung auch wieder steigen."

Die EZB will nur noch bis Ende dieses Jahres Anleihen kaufen und hat für die zweite Jahreshälfte 2019 eine erste Zinserhöhung angedeutet.

Die Leitzins im Euro-Raum liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dagegen zog die Inflation von 0,5 Prozent im Jahr 2016 auf 1,8 Prozent im Jahr 2018 an. Im Juli dieses Jahres lag die Rate bei 2,0 Prozent.

Bundesbank-Chef Weidmann wird Vorsitzender der BIZ (picture alliance/dpa/A. Dedert)

Jens Weidmann vor der Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main

Konjunktur verliert an Schwung

Allerdings erwartet die Bundesbank, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartel etwas an Schwung verliert. "Die deutsche Wirtschaft dürfte auch im Sommer 2018 auf solidem Wachstumspfad bleiben", heißt es im Monatsbericht. "Das Expansionstempo könnte jedoch etwas geringer als im Mittel des ersten Halbjahres ausfallen." Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 0,5 Prozent.

Während der private Konsum die Konjunktur weiter am Laufen halte, dürfte die Industrie nicht nennenswert zum Wirtschaftswachstum beitragen. Zwar seien die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt, doch die Bestellungen seien zuletzt gesunken.

Zudem dürften Schwierigkeiten wegen der Umstellung auf das Abgastestverfahren WLTP die Kraftfahrzeugproduktion im Sommer spürbar beeinträchtigen. Viele Autohersteller tun sich derzeit schwer, in ausreichender Zahl Automodelle für die EU nach dem neuen Abgasstandard zertifizieren zu lassen. Ab 1. September dürfen nur noch Autos verkauft werden, die das neue, realistischere Testverfahren durchlaufen und bestanden haben.

bea/hb (dpa, rtr)