Bundesbank: Wirtschaft bleibt stabil | Wirtschaft | DW | 23.07.2018
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Konjunktur

Bundesbank: Wirtschaft bleibt stabil

Trotz des andauernden Handelsstreites mit den USA ist die Bundesbank zuversichtlich, dass die deutsche Wirtschaft ihre starke Form bestätigt: Sie warnt aber vor der wachsenden Konkurrenz aus China.

Der dortige "Schwenk zu höherwertigen Erzeugnissen" könnte deutsche Exporteure "verstärkt unter Wettbewerbsdruck setzen", heißt es im Monatsbericht der Zentralbank, der am Montag veröffentlicht wurde. Besonders im Bereich der Elektroautos erwarten die Autoren starke Konkurrenz für die deutschen Hersteller. Außerdem könnten durch die stark steigenden Löhne in China Produkte in Deutschland teurer werden.

Der mit den Löhnen steigende Konsum in China biete unterdessen eine gute Absatzchance für deutsche Exporteure. So bemühe sich Peking zwar, den steigenden Bedarf aus eigener Produktion zu decken, doch seien deutsche Produkte wie etwa Autos wegen ihrer Qualität nach wie vor stark gefragt. Den Autoherstellern kämen dabei auch die Zollsenkungen seit Juli zu gute.

Angst vor chinesischen Blasen

Peking versucht gerade, die Auswirkungen seiner staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft in den letzten Jahren zu korrigieren. Dazu gehört etwa die massiv gewachsene Verschuldung insbesondere von Staatsunternehmen, die billige Kredite nicht gewinnbringend angelegt haben. So verbietet der Staat etwa Investitionen in die von Überkapazitäten geprägten Sektoren Kohle und Stahl. Auch auf dem Immobilienmarkt geht die chinesische Führung gegen ausufernde Spekulationen vor.

Sollte Peking damit das Wirtschaftswachstum des Milliardenreichs abwürgen, hätte das massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und insbesondere Deutschland. Schließlich stellt das Land den drittwichtigsten Absatzmarkt für deutsche Produkte dar. Umgekehrt importiert Deutschland aus keinem Land mehr als aus China.

Das kleine Tal ist durchschritten

Nach der Delle zum Jahresanfang hat die Konjunktur in Deutschland aber nach Einschätzung der Bundesbank im zweiten Quartal wieder an Tempo gewonnen. "Die gesamtwirtschaftliche Leistung dürfte im Frühjahrsquartal 2018 etwas mehr Schwung gezeigt haben als noch zu Jahresbeginn", schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht.

Dämpfende Sonderfaktoren aus dem ersten Quartal wie die starke Grippewelle spielten keine Rolle mehr. Zudem sei nach dem Rückgang der Staatsausgaben im Winter eine Gegenbewegung zu erwarten. Die Industriekonjunktur sollte gestützt durch die Erholung der Exporte wieder Tritt fassen.

Ein Eckpfeiler für die Konjunktur bleibt laut Bundesbank voraussichtlich der private Konsum. Die Bundesbank verweist auf die "nach wie vor ausgezeichnete Arbeitsmarktlage" und die "kräftigen Lohnzuwächse".

Das Inflationsziel fest im Blick

Im ersten Quartal hatte sich das Wirtschaftswachstum in Europas größter Volkswirtschaft abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war lediglich um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Im letzten Quartal 2017 hatte sich die Leistung noch um 0,6 Prozent erhöht. Derzeit erwartet die Notenbank für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,0 Prozent.

In den ersten drei Monaten 2018 legte das Bruttoinlandsprodukt (GDP) in Deutschland lediglich um 0,3 Prozent zu. Ende 2017 war das Plus noch doppelt so stark gewesen. Für das Gesamtjahr prognostizierte die Bundesbank Mitte Juni ein kalenderbereinigtes Wachstum von 2,0 Prozent. Noch im Dezember hatte sie für 2018 allerdings 2,5 Prozent vorhergesagt.

"Aufgrund der nach wie vor ausgezeichneten Arbeitsmarktlage sowie der kräftigen Lohnzuwächse blieb der private Konsum voraussichtlich ein Eckpfeiler der konjunkturellen Entwicklung", schreiben die Bundesbank-Experten. Sie rechnen außerdem damit, dass die Inflation in Deutschland in den nächsten Monaten weiter bei um die zwei Prozent liegen wird. Im Juni waren die Verbraucherpreise im Schnitt um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist vergleichsweise hoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt Raten von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

dk/kle (dpa, rtr, afp)