Britische Übersetzerin Anthea Bell ist tot | Bücher | DW | 18.10.2018
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Literatur

Britische Übersetzerin Anthea Bell ist tot

Anthea Bell hat als Übersetzerin nicht nur die "Asterix"-Reihe ins Englische adaptiert, sondern auch deutsche Literaturklassiker: von Franz Kafka, Stefan Zweig und Siegfried Lenz. Mit 82 ist sie jetzt gestorben.

Die britische Übersetzerin Anthea Bell starb am Mittwoch (17.10.2018) im Alter von 82 Jahren, wie ihr Sohn, der "Times"-Kolumnist Oliver Kamm, via Twitter mitteilte. Bell ist bekannt geworden durch ihre Adaptionen der französischen "Asterix"-Comics, die sie gemeinsam mit Derek Hockridge übersetzt hat.

Ihre humorvolle Übersetzungsarbeit wurde weltweit gefeiert, weil sie es schaffte, den speziellen Geist der Asterix-Reihe zu übertragen. Die Asterix-Comics sind für ihre witzigen Wortspiele bekannt. Im französischen Original heißt der Druide Panoramix. Sie gab dem Erfinder des Zaubertranks den Namen Getafix.

Geboren wurde Anthea Bell - die mit dem britischen Verdienstorden "Order of the British Empire" und dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde - 1936 in Suffolk, nordöstlich von London.

Ihre Leidenschaft für Wörter, Texte und Sprachen hatte sie wohl von ihrem Vater Adrian Bell geerbt, der als Kolumnist bei einer Lokalzeitung arbeitete. Er dachte sich auch das erste kryptische Kreuzworträtsel für die "Times" aus.

Als leidenschaftliche und eifrige Leserin von Zeitungen und Büchern lernte sie im Internat Französisch und Deutsch und studierte später Englisch am Somerville College in Oxford.

Erste Übersetzung: Preusslers "Der kleine Wassermann"

Bell arbeitete zunächst als Sekretärin. Nie hatte sie davon geträumt, Übersetzerin zu werden. Der Zufall brachte sie dorthin. Ihr damaliger Mann, der Herausgeber Antony Kamm, wurde seinerzeit gefragt, ob er jemanden kenne, der das deutsche Kinderbuch "Der kleine Wassermann" von Otfried Preussler übersetzten könne.

"Das war meine erste Übersetzung. Und ich arbeitete daran, während mein erstes Baby neben mir in der Trage lag", erzählte Anthea Bell der britischen Tageszeitung "Guardian" im Jahr 2013.

Es blieb nicht das einzige Kinderbuch, das sie englischen Lesern zugänglich machte. Sie übersetzte nicht nur sämtliche Bücher von Otfried Preussler, sondern auch Cornelia Funkes erfolgreiche "Tintenherz"-Trilogie.

Doch auch Literatur für Erwachse übertrug sie gekonnt vom Deutschen ins Englische, etwa Texte von W.G. Sebald, Stefan Zweig, Franz Kafka, Sigmund Freud, Julia Franck und Patrick Süskind.

Acht ihrer Übersetzungen finden sich auch im DW-Special "100 Gute Bücher", darunter Saša Stanišićs Roman "Wie der Soldat das Grammofon repariert". Er kondolierte auf Twitter und lobte ihr literarisches Talent und sprachliches Feingefühl: "Anthea übersetzte zwei meiner Bücher auf eine Weise, die ich nicht für möglich gehalten hätte."

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