Brasilien küsst Kuba wach | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 27.01.2014
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Amerika

Brasilien küsst Kuba wach

Politisch sympathisieren Brasília und Havanna schon seit langem. Beim Celac-Gipfel in Havanna präsentiert sich Brasilien als wichtiger Wirtschaftspartner Kubas, der die politische Öffnung der Insel vorantreiben will.

Brasilien und Kuba eint wesentlich mehr als ihre gemeinsame Kritik an den USA. Die beiden lateinamerikanischen Länder pflegen eine ganz besondere Freundschaft. So verbessern in Brasilien kubanische Ärzte die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Und auf Kuba sichern brasilianische Agrarimporte die Ernährung vieler Einwohner. Nun bereiten sich beide Länder mit einem Megaprojekt auf ein mögliches Ende des US-Handelsembargos gegen den kommunistischen Inselstaat vor.

Brasilien sieht sich dabei als Motor der kubanischen Öffnung. Bei der Einweihung des Containerhafens Mariel in der Nähe von Havanna am Montag (27.01.2014) verbreitete Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff Aufbruchstimmung. "In dem Bau drückt sich der Wille Brasiliens aus, seine karibischen Brüder und Schwestern zu unterstützen", erklärte ein Regierungssprecher gegenüber der DW. Der Hafen sei ein wichtiger Bestandteil der Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells.

Schneller als andere Investoren

Es ist also kein Zufall, dass Kubas größtes Infrastrukturprojekt von einem brasilianischen Konzern, nämlich der Baufirma Odebrecht, errichtet wird. Auch die Finanzierung des Containerhafens liegt in brasilianischer Hand. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Economico e Social) bewilligte nach eigenen Angaben 682 Millionen US-Dollar an Krediten zur Finanzierung des insgesamt 957 Millionen US-Dollar teuren Projektes.

Dilma Rousseff mit Raul Castro in Kuba (Foto:Adalberto Roque, Pool/AP/dapd).

Alte Bekannte: Bereits im Januar 2012 besuchte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff Staatschef Raúl Castro in Kuba

"Brasilien hat großes Interesse, zum wichtigsten Wirtschaftspartner Kubas zu werden", heißt es dazu aus dem brasilianischen Außenministerium "Itamaraty". Man wolle Präsenz in einem Land zeigen, das sich zu einem Aufsteiger der Karibik entwickeln könne. "Für Brasilien bedeutet der Containerhafen die Möglichkeit, gute Geschäfte zu machen. Wir haben uns positioniert, bevor andere Länder kommen", so die Erklärung aus dem Itamaraty.

Wie stark die kapitalistisch-kommunistische Handelspartnerschaft gewachsen ist, zeigen die jüngsten Zahlen des brasilianischen Ministeriums für Entwicklung, Industrie und Außenhandel (Mindic). Danach stiegen die Exporte von Brasilien nach Kuba von 80 Millionen US-Dollar im Jahr 2003 auf 568 Millionen Dollar im Jahr 2012 an. Von Januar bis September 2013 wurden bereits Waren im Wert von rund 515 Millionen US-Dollar ausgeführt.

Kredite aus Brasília

Finanziert werden auch diese florierenden Geschäfte von der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES. Seit 1998 hat die Bank Kredite in Höhe von insgesamt 703 Millionen US-Dollar an brasilianische Unternehmen vergeben, die auf Kuba investieren. Im vergangenen Jahr rückte die brasilianische Exportförderung für Kuba mit 152 Millionen US-Dollar auf den dritten Platz vor (siehe Grafik).

Das große Engagement Brasiliens in Kuba ist nach Meinung von Experten ein strategischer Schachzug. "Der Hafen wird als Möglichkeit angesehen, amerikanischen Investoren zuvorzukommen", erklärt Oliver Stuenkel, Professor an der Hochschule "Fundação Getúlio Vargas" in Sao Paulo. In Brasilien gehe man davon aus, dass in einem "Post-Castro-Kuba" die wirtschaftliche Liberalisierung fortschreiten und als Antwort darauf das US-Embargo aufgehoben werde.

Warten auf das Ende des Embargos

Auch bei der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft GTAI setzt man langfristig auf eine Lockerung des Embargos. "Da Raúl Castro nur noch bis 2018 regieren will und somit in der kubanischen Regierung ein Führungswechsel ansteht, stehen die Zeichen mittelfristig auf Wandel", meint GTAI-Experte Peter Buerstedde. "Der Containerhafen kann erst zum Logistikknoten für die Karibik werden, wenn die USA ihr Embargo aufheben", stellt er klar.

Sonderwirtschaftszone Mariel mit Hafen (Foto: REUTERS/ Desmond Boylan).

Mit dem neuen Containerhafen Mariel soll Kubal zum Handelsknoten für Lateinamerika aufsteigen

Bei dem bevorstehenden Gipfel der Lateinamerikanischen und karibischen Staatengemeinschaft (Celac) vom 28. bis 29. Januar in Havanna stehen die Zeichen ebenfalls auf Annäherung. Denn zum ersten Mal nimmt nun an dem Treffen auch der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, teil. Insulza will die Wiederaufnahmegespräche mit Kuba fortsetzen, das 1962 auf Betreiben der USA aus der OAS ausgeschlossen worden war.

"Die Art, wie die USA mit Kuba umgehen, wird in der ganzen Region als nicht konstruktiv angesehen", erklärt Experte Oliver Stuenkel. Für ihn schickt Brasilien sich an, Venezuela als wichtigsten Wirtschaftspartner Kubas abzulösen. "Venezuela kann Kuba langfristig keine großen Hilfszahlungen mehr überweisen, weil es zunehmend mit eigenen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat", so Stuenkel.

Venezuelas Einfluss schrumpft

Lula und Castro

Männerfreundschaft: Fidel Castro und Brasiliens Ex-Präsident Lula bei Gesprächen in Havanna.

Für den Außenwirtschaftsexperten, der auch für das Global Public Policy Institute in Berlin forscht, schwächt sich damit die ideologische Konfrontation zwischen Lateinamerikas Linke und den USA ab. "Kuba hätte nie solange weitermachen können ohne Chavez", lautet seine Analyse. "Wenn die kubanische Regierung einen großen Sponsor verliert, sind größere Veränderungen eigentlich unvermeidlich", prophezeit er.

Im brasilianischen Außenministerium fühlt man sich Kuba schon seit langem auch politisch stark verbunden. "Unsere Beziehungen durchleben eine exzellente Phase. Denn hinter der Kooperation gibt es eine gemeinsame Vision", erklärte ein Sprecher gegenüber der DW: "Unsere Regierungen glauben daran, dass Wirtschaftswachstum allein nicht ausreicht. Es ist wichtig, die soziale Entwicklung voranzutreiben und die Lebensbedingungen der Bedürftigsten zu verbessern."

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