Brasilien droht mit Rückzug aus der WHO | Aktuell Amerika | DW | 25.06.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Corona-Pandemie

Brasilien droht mit Rückzug aus der WHO

Präsident Bolsonaro und sein US-Kollege Trump verfolgen eine ähnlich aggressive Rhetorik. So verwundert es wenig, dass auch Brasilien der WHO den Rücken zukehren will. Dennoch besteht ein gravierender Unterschied.

Brasilien Jair Bolsonaro (Getty Images/A. Anholete)

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält nicht viel von der WHO

Nach den USA erwägt jetzt Brasilien, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu verlassen. Präsident Jair Bolsonaro erläuterte vor Journalisten, seine Regierung analysiere gerade den WHO-Austritt der USA. "Entweder die WHO arbeitet ohne ideologische Voreingenommenheit oder wir sind auch draußen", meinte er und fügte hinzu: "Wir brauchen keine Leute von außerhalb, die uns Tipps bei der Gesundheit hier geben."

US-Präsident Donald Trump hatte vor einer Woche den Bruch seines Landes mit der WHO verkündet. Im Streit um den Umgang mit der Corona-Pandemie stellten die USA bereits Mitte April die Beitragszahlungen ein. Trump wirft der UN-Unterorganisation vor, "Missmanagement"  zu betreiben und vollkommen unter der Kontrolle Chinas zu stehen. Die Volksrepublik gilt als Herkunftsland des neuartigen Coronavirus.

Präsident Donald Trump hält seine schützende Gesichtsmaske (picture-alliance/AP Photo/A. Brandon)

US-Präsident Trump unterstellt der WHO Einseitigkeit zugunsten Chinas

Die Vereinigten Staaten waren bislang einer der größten Geldgeber der WHO. Ganz anders sieht es mit Brasilien aus. Das südamerikanische Land stoppte laut einem Bericht der Zeitung "Folha de São Paulo" bereits 2019 seine Zahlungen. Demnach schuldet Brasilien der WHO umgerechnet 33 Millionen US-Dollar.

Trump und der rechtspopulistische Bolsonaro pflegen ein enges Verhältnis. Es gibt gewisse Gemeinsamkeiten in politischer Hinsicht und was öffentliche Auftritte betrifft, weshalb Bolsonaro auch als "Tropen-Trump" bezeichnet wird.

Brasilien gilt als neues Epizentrum der Corona-Pandemie

Der brasilianische Präsident steht ebenso wie Trumo wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie massiv in der Kritik. Er bezeichnete die durch das Virus ausgelöste Lungenkrankheit in der Vergangenheit als "kleine Grippe".

Brasilien Menschen gehen auf die Straße, um die soziale Isolation zu lockern (Picture-alliance/Zumapress/E. Lustosa)

Nach Lockerung der Corona-Beschränkungen zeigen sich in der Küstenmetropole Rio de Janeiro wieder viele Menschen auf der Straße

Nach offiziellen Angaben wurden in Brasilien mittlerweile mehr als 650.000 Corona-Infektionen festgestellt. Mit über 35.000 Todesopfern, die mit COVID-19 in Verbindung gebracht werden, ist Brasilien inzwischen eines der Epizentren der Pandemie. Am Donnerstag wurde mit 1.473 Toten ein neuer Tageshöchststand registriert. Das Land verzeichnet die dritthöchste Todeszahl weltweit nach den USA und Großbritannien.

Bolsonaro drängt trotzdem darauf, dass die Bundesstaaten die Beschränkungen des öffentlichen Lebens rasch zurücknehmen, was in diesen Tagen auch passiert. Nach seiner Darstellung sind die wirtschaftlichen Schäden größer als die Gesundheitsrisiken für die Allgemeinheit. Experten im In- und Ausland kritisieren dies scharf.

Video ansehen 01:26

Brasilien: Fünf Millionen Jobs weg

Die WHO warnt die Regierungen in Lateinamerika, wo insgesamt mehr als 1,1 Millionen Infektionen ermittelt wurden, vor vorschnellen Lockerungen. Zunächst müsse die Verbreitung des Virus verlangsamt werden, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris in Genf.

se/kle (rtr, afp, dpa, kna, epd)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema

Anzeige