Boris Becker: ″Wir haben einen Tennis-Boom in Deutschland″ | Sport | DW | 05.04.2018
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Tennis

Boris Becker: "Wir haben einen Tennis-Boom in Deutschland"

Seit August 2017 ist Boris Becker Head of Men's Tennis und schon kämpft das deutsche Davis-Cup-Team gegen Spanien um den Einzug ins Halbfinale. Es geht bergauf, sagt die Tennis-Legende im DW-Interview.

DW: Herr Becker, halten Sie es für möglich, dass Deutschland in absehbarer Zeit im Tennis - so wie damals in den 1980er Jahren - wieder ganz oben steht?

Boris Becker: Wir haben einen Tennis-Boom in Deutschland, durch Erfolge auch bei den Damen. Wir haben mit Angie Kerber und auch mit Julia Görges zwei absolute Weltklassespielerinnen. Wir haben mit Sascha [Alexander; Anm. d. Red.] Zverev einen absoluten Weltklassespieler. Warum nicht? Wir arbeiten auch sehr hart daran, dass wir gute 18- und 19-Jährige haben. Sicherlich müssen wir an König Fußball vorbei. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber es gibt genügend Platz für mehrere Sportarten - eben auch für Tennis.

Was waren das Ende der 1980er Jahre für Umstände, die dazu geführt haben, dass das deutsche Tennis so erfolgreich war?

Das war eine Reihe von Dingen, die zusammen gespielt haben. Wir hatten einen sehr guten Verband, einen sehr guten Landesverband, in dem Fall Baden, sehr gute Trainer, ein sehr gutes familiäres Umfeld, das mir die Möglichkeit gegeben hat, einfach Tennis zu spielen - und auch ein Quäntchen Glück natürlich.

Höhepunkt war wohl 1989: Sie und Steffi Graf in Wimbledon, das hat einen unheimlichen Boom ausgelöst.

Ja, vielleicht angefangen mit meinem Wimbledonsieg 1985, ich war so der erste Vorreiter. Dann hat die Gräfin aufgeholt und ihre Titel gewonnen. Dann haben wir erstmals überhaupt gemeinsam, an einem Tag auch noch, an einem Sonntag im Juli, Wimbledon gewonnen. Da war auch Bundesspräsident [Richard von; Anm. d. Red.] Weizsäcker in der Royal Box, das war ein besonderer Moment für das deutsche Tennis.

Freudestrahlend präsentieren Steffi Graf (l.) und Boris Becker (r.) ihre Trophäen. Bei den 103. Offenen Internationalen Tennismeisterschaften in Wimbledon gab es am 9. Juli 1989 einen deutschen Doppelerfolg (Foto: picture-alliance/dpa)

Am 9. Juli 1989 feiern Steffi Graf (l.) und Boris Becker in Wimbledon einen deutschen Doppelerfolg

Waren Sie eigentlich eifersüchtig, dass sie damals den Golden Slam nicht geschafft haben?

Ich war nicht gut genug, das hat mit Eifersucht nichts zu tun. Das hat die Gräfin eben 1988 gemacht. Ich war immer froh, wenn ich wenigstens einen Grand Slam im Jahr gewonnen habe. Sie hat das regelmäßiger gemacht als sich.

Warum haben sie sich vor rund sieben Monaten entschieden diesen Posten beim Deutschen Tennis Bund zu übernehmen und was denken Sie, könnte jetzt wieder möglich sein?

Ich glaube, dass ich als Trainer gute Erfolge gefeiert habe in den letzten Jahren. Und dann hat mich der Verband schon vor geraumer Zeit angesprochen, diesen nationalen Posten zu übernehmen. Den gab es noch nicht, also "Head of Men's Tennis" gab es noch nicht. Und ich habe gesagt, dass ich mich freue: die Ehre, das Selbstvertrauen, die Verantwortung, die ich da übernehmen darf. Das wurde sehr gut aufgenommen von den Spielern, von den Trainern auch.

Haben Sie schon jemanden im Blick wenn es darum geht, wer Rafael Nadal, Roger Federer oder Novak Djokovic ersetzen könnte? Sehen Sie eine neue Generation von Tennisspielern?

Alexander Zverev jubelt bei einem Match über einen Punkt (Foto: Reuters/USA TODAY Sports/G. Burke)

Der deutsche Hoffnungsträger Alexander "Sascha" Zverev

Ich sehe in Deutschland einen sehr guten Spieler, das ist [Alexander; Anm. d. Red.] Zverev. Die Russen haben ein paar sehr gute Spieler: Karen Khachanov und Andrey Rublev sind großartig. Denis Shapovalov aus Kanada ist auch sehr gut. Es gibt einige Spieler, die zwischen 19 und 21 Jahren alt sind und die schon an die Türen klopfen, die immer besser werden. Und ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie die Alten überholen werden. Nick Kyrgios mag ich auch sehr, er ist ja auch erst 22 Jahre alt. Die Leute vergessen immer, wie jung der noch ist. Es ist eine aufregende Gruppe von Spielern. Dominic Thiem ist ein anderer, der immer wieder auf sich aufmerksam macht. Es sind vier bis sechs Spieler in der Welt, denen man alles zutrauen kann. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie Nummer eins, Nummer zwei und Nummer drei sein werden.

Es gibt Gerüchte, dass Sie Trainer von Alexander Zverev werden könnten.

Ich bin seit Jahren mit Sascha [Alexander; Anm. d. Red.], aber auch mit Mischa Zverev in engem Kontakt. Wir sind befreundet…auch mit seinem Vater. Wir reden seit Jahren über Tennis, das ist nichts Neues. Auch in meiner neuen Aufgabe jetzt als Kopf des Herrentennis ist es auch meine Verpflichtung, mich mit ihm und seinem Bruder intensiv über Tennis zu unterhalten. Das mache ich gerne und auch oft. Aber sein offizieller Trainer, das ist sein Vater. Sein Vater ist sein Trainer und das wird - glaube ich - auch noch lange so bleiben. Aber ich bin sein Freund, sein Berater und ich stehe ihm zur Seite, wenn er mich braucht.

Nun steht für das deutsche Davis-Cup-Team das Viertelfinale gegen Spanien auf dem Programm. Wie fällt ihre Prognose aus?

Wir sind die Außenseiter, aber das waren wir gegen Australien auch. Wenn unsere Mannschaft komplett ist, sind wir stark. Und wir bemühen uns, drei Punkte zu holen.

Boris Becker gewann 1985 als 17-jähriger und damit jüngster Tennisspieler aller Zeiten das Wimbledon-Turnier in England. Gemeinsam mit Steffi Graf sorgte er in den 1980er Jahren für einen deutschen "Tennis-Boom". Boris Becker ging bei insgesamt 49 Turnieren als Sieger vom Feld, davon dreimal in Wimbledon. Bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 gewann er im Doppel mit Michael Stich die Goldmedaille. 1999 zog sich Becker aus dem Profitennis zurück, ab 2009 arbeitete er als Tenniskommentator bei der englischen BBC. Mittlerweile fungiert der Ex-Profi als Experte und Co-Kommentator bei Eurosport. Von 2013 bis 2016 war er Trainer von Novak Djokovic. Im August 2017 übernahm Boris Becker den neugeschaffenen Posten des "Head of Men's Tennis" im Deutschen Tennis Bund.

Das Interview führte Gerhard Sonnleitner

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