Bildergeschichten: Kreuz und quer durch die Welt | Geschichte | DW | 20.02.2014
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Geschichte

Bildergeschichten: Kreuz und quer durch die Welt

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1910: Betuchte Deutsche haben die Kreuzfahrt entdeckt

Alle sollen ihren Spaß haben – auch die kleinen Passagiere. So ist das bei einer Kreuzfahrt, auch an diesem sonnigen Tag an Deck des deutschen Hochseedampfers "Moltke": Zwei Kinder dürfen auf eigens dafür zweckentfremdeten Meeresschildkröten reiten, der mitgereiste Bordfotograf dokumentiert das fröhliche Treiben. Es ist das Jahr 1910, die "Moltke" ist wieder einmal zu einer Vergnügungsreise aufgebrochen. Das prestigeträchtige deutsche Passagierschiff in Diensten der HAPAG steht für eine neue Urlaubsidee: Früher reisten die Passagiere einfach nur von einem Ort zum anderen, jetzt fahren sie im (zugegeben ziemlich großen) Kreis durch die Welt – die Kreuzfahrt ist geboren!

Diese neuartigen Touren sind eine Erfindung des HAPAG-Direktors Albert Ballin. Der will seine Passagierdampfer ausgelastet sehen. Die sind zumeist für den Transatlantikverkehr gebaut, der allerdings in den Wintermonaten regelmäßig einbricht: In diesen Monaten sind die Fahrten über den Atlantik stürmisch und also unattraktiv, und die große Zeit der Auswanderung ist ebenfalls vorbei. Weshalb also die großen Schiffe nicht zu reinen Vergnügungstouren einsetzen? Etwa in das warme Mittelmeer? 1891 bricht erstmals ein Dampfer der Reederei zu einer solchen Tour auf, für zwei Monate in Richtung Orient.

Das neue Angebot ist ein Vergnügen der reichen Klassen: Auf den Schiffen wird ein Luxus geboten, den sich nur die wirtschaftlichen Gewinner der wilhelminischen Gesellschaft leisten können. Eine feste Kleiderordnung gehört an Bord dazu, Musik und Tanzvergnügen, große Gala-Abende sowie das festliche Essen als Statussymbol. Champagner und Austern sind damals schon Pflicht, und immer gern gefragt als exotische Delikatesse: die Suppenschildkröten. Wenn sie als Motiv für den Bordfotografen ausgedient haben, landen sie kurzerhand in der Kombüse.

Die Idee der Kreuzfahrt findet in der Folgezeit unterschiedliche Nachahmer auf recht unterschiedlichem Unterhaltungsniveau. Sogar die Nazis versuchen mit ihren "Kraft durch Freude"-Schiffen Propaganda für sich zu machen, und auch die DDR greift die Idee der Kreuzfahrten auf – als Belohnung für verdiente Staatsbürger und SED-Kader. Heute dominieren Massen- und Billigreisen den Kreuzfahrt-Markt. Dass der seinen Preis hat, daran erinnert noch immer das Wrack der 2012 vor der Insel Giglio verunglückten "Costa Concordia".

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