Biennale in Venedig: Hommage an Kunstsammlerin Peggy Guggenheim | Kunst | DW | 25.05.2018
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Architekturbiennale Venedig

Biennale in Venedig: Hommage an Kunstsammlerin Peggy Guggenheim

Als Kuratorin bei der Biennale in Venedig 1948 forcierte die Amerikanerin Peggy Guggenheim die Karrieren von Künstlern wie Picasso, Miró und Pollock. 70 Jahre später erinnert man hier an ihre legendäre Schau von damals.

Peggy Guggenheim wuchs in New York auf, war seit ihren Zwanzigern aber überwiegend in Europa zuhause. Sie wurde Zeugin bedeutender Ereignisse, die das 20. Jahrhundert nachhaltig prägten: Ihr Vater kam 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben, sie erlebte zwei Weltkriege und den Wiederaufbau Europas. In diesen turbulenten Zeiten schaffte sie es, eine der größten Kunstsammlungen der Welt zusammenzustellen und so die einflussreichsten Künstler des Jahrhunderts zu fördern.

Ein Teil dieser Sammlung wird nun zum ersten Mal in einer Ausstellung parallel zur diesjährigen Biennale von Venedig gezeigt. Die Schau "1948: The Biennale of Peggy Guggenheim" ist eine Erinnerung an die von ihr kuratierte Ausstellung im griechischen Pavillon auf der 24. Biennale von Venedig im Jahr 1948.

Zu den Highlights der aktuellen Ausstellung gehören elf Bilder von Jackson Pollock. Sie stammen allesamt aus Guggenheims Sammlung und werden erstmals zusammen ausgestellt. Zu sehen sind außerdem Werke der amerikanischen Künstler Mark Rothko und Clyfford Still sowie der europäischen Maler Friedrich Vordemberge-Gildewart und Jean Helion, deren Bilder in Venedig zuletzt 1950 gezeigt wurden.

Von Anfang an einflussreich

Von Kindesbeinen an war Peggy Guggenheim, 1898 in eine wohlhabende New Yorker Familie hineingeboren, mit gesellschaftlichen Konventionen vertraut — die sie später immer wieder völlig außer Acht ließ. Sie fiel auf, weil sie sich nicht anpassen wollte, sind sich ihr Biograph und mehrere Kunsthistoriker einig, die in dem Dokumentarfilm von 2015 "Art Addict: Peggy Guggenheim", zu Wort kommen.

Volljährig und mit einem Millionenerbe in der Tasche, machte sie sich 1920 auf den Weg nach Paris – in den Zwanziger Jahren ein künstlerischer und intellektueller Magnet in Europa. Hier führte sie im Montparnasse-Viertel ein unkonventionelles Leben, umgeben von vielen der Künstler, deren Karrieren sie später einmal fördern sollte. Mit ihrem damaligen Ehemann, dem französischen Künstler Laurence Vail, hatte Guggenheim zwei Kinder. Ihre Tochter Pegeen Vail wurde später selbst Künstlerin.

Bekannt für ihr untrügliches Gespür für außergewöhnliche zeitgenössische Kunst, eröffnete sie 1938 eine Galerie in London. Zu einer Zeit, da in Deutschland Werke von Surrealisten und Expressionisten als "entartet Kunst" galten, präsentierte sie Bilder von Jean Cocteau und Wassily Kandinsky, Henri Laurens, Jean Arp, Max Ernst und Pablo Picasso.

Peggy Guggenheim posiert neben frühen Werken von Jackson Pollock (picture-alliance/AP Photo/T. Mosey)

Peggy Guggenheim war Mäzenin berühmter Maler - wie hier von Jackson Pollock

Nach nur einem Jahr schloss Guggenheim die Galerie wieder: Sie warf keinen Gewinn ab. Inspiriert von der zwei Jahre zuvor gegründeten Solomon R. Guggenheim Foundation zur Förderung des öffentlichen Verständnisses für moderne Kunst – Solomon war ihr Onkel – machte sie erneut Pläne für ein Museum für zeitgenössische Kunst und legte für den Ankauf von Bildern 40.000 Dollar beiseite. Dann begann der Zweite Weltkrieg, und an ein neues Museum war zunächst nicht zu denken.

Gerettet: Gemälde und Künstler

Also nahm sich Guggenheim vor, jeden Tag ein zeitgenössisches Kunstwerk zu kaufen, ausgewählt aus einer speziell für sie aufgestellten Liste. Mit den 40.000 Dollar, die sie beiseite gelegt hatte, erwarb sie zehnGemälde von Picasso, 40 Gemälde von Max Ernst und Kunstwerke von Joan Miró, René Magritte, Salvador Dalí, Paul Klee und Marc Chagall. Die Ankäufe erwiesen sich als kluge Investition, denn sämtliche Künstler wurden berühmt und später sehr hoch gehandelt.

Pläne, die neue Kollektion in Paris zu präsentieren, scheiterten am Einmarsch der Nazis in der französischen Hauptstadt. Guggenheim, die jüdischer Abstammung war, floh erst nach Südfrankreich und kehrte dann mitsamt ihrer Gemäldesammlung in die USA zurück. Sie rettete nicht nur bedeutende zeitgenössische Kunst vor den Nazis, sondern verhalf auch etlichen Künstlern zur Flucht in die USA, darunter Max Ernst und André Breton.

In New York eröffnete Guggenheim mit "The Art of This Century" wieder eine Galerie; gefördert wurden hier nicht nur europäische, sondern auch amerikanische Künstler wie Jackson Pollock und Mark Rothko.

Rückkehr nach Europa

Peggy Guggenheim und der Maler Arturo Tosi 1948 im griechischen Biennale-Pavillon (Fondazione Solomon R. Guggenheim)

Peggy Guggenheim und der Maler Arturo Tosi 1948 im griechischen Biennale-Pavillon

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Guggenheim endgültig nach Europa zurück, wo sie in einem Palazzo in Venedig ein neues Zuhause fand und sich wieder als Kuratorin betätigte. Gleich ihre erste Show bei der ersten Nachkriegsbiennale 1948 war ein großer Erfolg. Im griechischen Pavillon zeigte sie Surrealisten, Dadaisten, Kubisten und abstrakte Expressionisten - so etwas hatte man noch nie auf einer Biennale gesehen. Die Ausstellung präsentierte 136 Werke aus ihrer Privatsammlung, darunter Skulpturen von Alberto Giacometti, Gemälde von Jean Arp und Max Ernst und Mobiles von Piet Mondrian.

Der internationale Erfolg der Künstler, die Guggenheim vor 70 Jahren in Venedig ausstellte, zeigt, welch gutes Auge die Sammlerin und Mäzenin für außergewöhnliche künstlerische Talente hatte.

Die Ausstellung "1948: The Biennale of Peggy Guggenheim" (25. Mai bis 25. November 2018) im Guggenheim Museum Venedig ist eine Hommage an die Biennale Peggy Guggenheims von 1948.

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