Berlin wusste von Kunstschatz | Aktuell Welt | DW | 04.11.2013
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Aktuell Welt

Berlin wusste von Kunstschatz

Die Bundesregierung ist seit einiger Zeit über den Fund von etwa 1500 bislang verschollenen Bildern aus der Zeit der klassischen Moderne in München informiert. Der Wert der Gemälde wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Der Kunst-Fund in einer Wohnung in München-Schwabing elektrisiert die Fachwelt - seine Vorgeschichte reicht bis in die Nazi-Zeit in Deutschland zurück. Denn nach Informationen des Magazins "Focus" handelt es sich um Bilder berühmter Künstler wie Pablo Picasso, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee und Henry Matisse, die von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert worden waren. Die Gemälde sollen laut "Focus" etwa eine Milliarde Euro wert sein.

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Beutekunst in Mietwohnung

Nach einem Erlass von Adolf Hitler wurden für eine NS-Propaganda-Ausstellung über "Entartete Kunst" im Jahr 1937 in mehr als 100 deutschen Museen Werke von etwa 1400 zeitgenössischen Künstlern beschlagnahmt, insgesamt etwa 21.000 Kunstwerke. Nach einer Ausstellungstour durch 14 Städte wurden viele Arbeiten ins Ausland zur Devisenbeschaffung verkauft, auch über die Kunsthändler Wolfgang und Hildebrand Gurlitt. Aus deren Beständen sollen die in München entdeckten Werke stammen.

Die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann von der Forschungsstelle "Entartete Kunst" an der Freien Universität Berlin will an Dienstag vor der Presse in Augsburg Auskunft über ihre Erkenntnisse zu den Bildern geben.

Meike Hoffmann von der Forschungsstelle Entartete Kunst (Copyright: DW/B. Schröder)

Meike Hoffmann von der Forschungsstelle Entartete Kunst

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ist für die Ermittlungen in dem Fall zuständig. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilte mit, man unterstütze die Ermittlungen durch die Vermittlung von Experten für "entartete" und von den Nationalsozialisten geraubte Kunst. "Die Bundesregierung ist seit mehreren Monaten über den Fall unterrichtet", erklärte Seibert.

Gefunden und beschlagnahmt wurden die Bilder bereits im Frühjahr 2011 in der Wohnung des 80-jährigen Sohnes von Hildebrand Gurlitt. Dieser hatte nach dem Krieg angegeben, die von ihm verwahrten Bilder seien zerstört worden - eine Falschaussage, wie nun feststeht. Doch erst als sein Sohn vor rund zweieinhalb Jahren dem Zoll bei einer Routinekontrolle wegen einer ungewöhnlichen hohen Bargeldsumme auffiel, flog die Lüge auf.

Allerdings ist fraglich, ob bei der Beschlagnahme tatsächlich alle Kunstwerke entdeckt wurden. Im Spätsommer 2011, also einige Monate nach der Durchsuchung, hatte der Rentner das Gemälde "Löwenbändiger" von Max Beckmann verkaufen lassen. Das bestätigte das Kölner Kunsthaus Lempertz der Deutschen Presseagentur. Vor der Versteigerung fanden die Experten heraus, dass der "Löwenbändiger" aus dem Nachlass des Kunstsammlers Alfred Flechtheim stammte. Der Gurlitt-Sohn verständigte sich mit den Erben des legendären jüdischen Galeristen auf eine Teilung des Erlöses. Damit gelang ihm ein legaler Verkauf. Das Bild wurde für 864.000 Euro versteigert.

wl/gmf (dpa, rtr, afp)

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