Berg-Karabach im Herbst 2020 | Asien | DW | 13.11.2020
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Südkaukasus

Berg-Karabach im Herbst 2020

Nach dem Krieg in der Kaukasus-Region Berg-Karabach konnte Aserbaidschan große Teile seines Gebiets zurückerobern. Bei der Vereinbarung mit Armenien agierte Russland als Vermittler. Wie sieht die Region künftig aus?

Kämpfe in Berg-Karabach, Oktober 2020

Kämpfe in Berg-Karabach, Oktober 2020

Entsprechend der Waffenstillstandsvereinbarung übergibt Armenien drei Bezirke an Aserbaidschan – Agdam im Osten, sowie Kelbadschar und Latschin im Westen der Region Berg-Karabach. Die Vereinbarung wurde von dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, dem armenischen Premier Nikol Paschinjan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehandelt und unterzeichnet. Sie trat am 10. November in Kraft. De facto geht es um die selbsternannte Republik Berg-Karabach, die bis heute international nicht anerkannt wird, auch von Armenien nicht. Völkerrechtlich gilt die Region als Teil Aserbaidschans. Die "Republik" wird im Text der Vereinbarung nicht erwähnt. Der Bezirk Latschin wird als letzter zum 1. Dezember an Aserbaidschan übergeben. Bis dahin müssen sich die Truppen von Berg-Karabach aus diesem Bezirk zurückziehen.

Dabei wird der fünf Kilometer breite sogenannte Latschin-Korridor, der Berg-Karabach mit Armenien verbindet, von russischen Friedenstruppen bewacht. Russland schickt rund 2000 Soldaten in die Region, die entlang des Latschin-Korridors und der Trennlinie zwischen den Konfliktparteien für fünf Jahre stationiert werden. Die Vereinbarung sieht auch die Rückkehr von Flüchtlingen sowie den Austausch von Gefangenen und Gefallenen vor. Beschlossen wurde ebenfalls die Wiederherstellung von Transportverbindungen, unter anderem eines direkten Weges von Aserbaidschan über Armenien in die autonome aserbaidschanische Provinz Nachitschewan an der Grenze zu Türkei führt vor.

Infografik Karte Berg-Karabach nach dem Krieg im Herbst 2020 DE

Die Waffenstillstandsvereinbarung beendete die Kampfhandlungen zwischen Aserbaidschan und der "Republik" Berg-Karabach, die von Kämpfern aus Armenien unterstützt wurde. Der Krieg begann am 27. September 2020. In dessen Folge konnte Aserbaidschan ein Großteil der Gebiete zurückerobern, die es Anfang der 1990er Jahre im Krieg um Berg-Karabach verloren hatte.

Zu Sowjetzeiten war Berg-Karabach mit überwiegend armenischer Bevölkerung ein autonomes Gebiet in der Republik Aserbaidschan. Ende der 1980er Jahre brach dort ein ethnischer Konflikt aus, die Region erklärte sich für unabhängig. Der Krieg dauerte Jahre und endete 1994. Seitdem existierte Berg-Karabach als nicht anerkannte Region und kontrollierte nicht nur sein ursprüngliches Territorium, sondern Teile der sieben umliegenden aserbaidschanischen Bezirke, die in den Medien als "Pufferzone" bezeichnet werden. Der Konflikt wurde eingefroren, internationale Verhandlungen im Rahmen der Minsk-Gruppe der OSZE brachten keine diplomatische Lösung. 

 

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