Beobachter: 120.000 Syrer auf der Flucht | Aktuell Welt | DW | 29.06.2018
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Offensive in Daraa

Beobachter: 120.000 Syrer auf der Flucht

Im Zuge neuer Kämpfe im Südwesten Syriens sind laut oppositionellen Beobachtern rund 120.000 Menschen geflohen. Israel leistete nach eigenen Angaben humanitäre Hilfe für Tausende Flüchtlinge im Grenzgebiet.

Angriff des Assad-Regimes auf Daraa, Syrien (picture alliance/AA/A. Al Ali)

Rauchwolke über der südsyrischen Stadt Daraa nach einem Angriff syrischer Regierungstruppen am Donnerstag

Zehntausende Syrer seien wegen der Offensive der syrischen Regierungstruppen an die Grenze zu Jordanien geflüchtet, sagte der Leiter der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman. Tausende weitere hätten sich zu den Golan-Höhen an der Grenze zu Israel auf den Weg gemacht. Den Osten der Provinz Daraa, wo die syrische Armee und verbündete Milizen ihre Offensive vorantreiben, hätten die meisten Menschen inzwischen verlassen.

Die israelische Armee teilte mit, sie habe in einer Spezialoperation Tausenden Flüchtlingen im syrisch-israelischen Grenzgebiet humanitäre Hilfe geleistet. In der Nacht seien 300 Zelte, 13 Tonnen Nahrung, 15 Tonnen Babynahrung, Medikamente sowie 30 Tonnen Kleidung und Schuhe über die Grenze in mehrere Lager gebracht worden.

Israel: Zahl der Flüchtlinge in Grenzlagern steigt

"Tausende syrische Zivilisten, die vor Kampfhandlungen geflohen sind, leben unter ärmlichen Bedingungen in diesen Lagern in der Nähe der israelischen Grenze", hieß es in einer Stellungnahme des Militärs. Es fehle ihnen oft an Wasser, Elektrizität, Nahrung und anderen grundlegenden Dingen. In den vergangenen Tagen sei die Zahl der Menschen in den Lagern gestiegen.

Israels Energie-Minister Juval Steinitz sagte dem Hörfunksender 102FM, wie in der Vergangenheit müsse ein Grenzübertritt der Flüchtlinge verhindert werden. Israel hat allerdings seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 mehrere Tausend verletzte Syrer im Land behandelt.

UN warnen vor "Katastrophe" in Daraa

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein, warnte vor einer drohenden "Katastrophe" in Folge der Kämpfe in der Region. Er befürchte einen Belagerungszustand ähnlich der Schlacht um Ost-Ghouta, bei dem Zivilisten Bombenabwürfen und Artilleriebeschuss ohne Fluchtmöglichkeit ausgeliefert seien, hieß es in einer Mitteilung al-Husseins.

Demnach hat sein Büro Informationen, nach denen Kämpfer des Islamischen Staates versuchen, einen Teil der Provinz zu kontrollieren. Den Berichten zufolge lässt die islamistische Terrormiliz Zivilisten nicht aus den entsprechenden Gebieten ausreisen.

Kämpfe trotz Einigung auf Deeskalationszone

Nach UN-Schätzungen sind in der Provinz etwa 50.000 Menschen auf der Flucht. Die Region gehört zu den letzten Gebieten in dem Bürgerkriegsland, die noch von den Rebellen kontrolliert werden. Die Armee und verbündete Milizen begannen in der vergangenen Woche mit Angriffen, obwohl Russland als Verbündeter der Regierung sowie die USA und Jordanien sich vor einem Jahr auf eine Deeskalationszone für die Region verständigt hatten.

Seit Montag versuchen die Regierungstruppen, die Verbindung zwischen der teilweise von Rebellen kontrollierten Stadt Daraa und Jordanien zu kappen. Wegen der heftigen Kämpfe haben die Vereinten Nationen bereits ihre Hilfslieferungen aus dem benachbarten Jordanien gestoppt.

hk/sti (dpa, afp, rtr)

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