Banksys Welt - erzählt durch die Kamera von Barry Cawston | Kunst | DW | 25.03.2018
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Kunst

Banksys Welt - erzählt durch die Kamera von Barry Cawston

Barry Cawston ist Fotograf und Fan des britischen Street-Art-Künstlers Banksy. Er begann, dessen Werke zu fotografieren - und wurde Teil der Banksy-Geschichte. Ein Projekt, das Cawston aus tiefster Überzeugung verfolgt.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte - Ausstellung Banksy's Dismaland & Others - Fotografien von Barry Cawston (Barry Cawston)

Banksy in Weston: Die Queen schaut durch das Fenster eines Shops

"Je näher ich komme, desto mysteriöser wird es", sagt Barry Cawston. Er spricht von der Arbeit des britischen Street-Art-Künstlers Banksy, dessen Identität eines der bestgehüteten Geheimnisse der Kunstwelt ist. "Und das Geheimnis ist wichtig", meint Cawston im Gespräch mit der Deutschen Welle, "weil er Spielraum braucht, um das zu tun, was er tut. Ich kann gar nicht glauben, dass er diese Dinge durchzieht. Es ist fantastisch."

Seitdem Banksys Schablonenbilder - die sogenannten Stencils - in den 1990er Jahren zum ersten Mal in der Gegend von Bristol auftauchten, fasziniert der Underground-Künstler die Öffentlichkeit. Wer ist dieser Mensch? Und wie schafft er es, seine Bilder quasi über Nacht an öffentlichen Orten entstehen zu lassen, von London bis zum Westjordanland, ohne dass jemand den Schaffensprozess mitbekommt?

Erst neulich wurden drei neue Werke in New York entdeckt, darunter ein 21 Meter langes Wandbild, das gegen die Inhaftierung des kurdischen Künstlers Zehra Dogan in der Türkei protestiert.

Bankys Bild in New York: Die türkische Künstlerin und Journalistin Zehra Dogan hinter Gittern (reuters/A. Espinal)

Banksy in New York: Die türkische Künstlerin und Journalistin Zehra Dogan hinter Gittern

Barry Cawstons lernte die politische Graffiti-Kunst Banksys kennen, während er selbst in East London lebte. Sie faszinierte ihn von Anfang an. Bankysy Werke seien mehr als nur Tags, sagt er. Sie seien auch nicht einfach nur lustig oder schön. Banksy wisse viele Elemente zu kombinieren und er könne nicht anders, als "großen Respekt" davor zu haben.

Dismaland - und ein Fotoprojekt

Als Banksy 2015 seine ehrgeizige Dismaland-Installation in Weston-super-Mare enthüllte, nicht weit von Cawstons Haus in Somerset, packte der Fotograf kurzerhand seine Kamera und fuhr hin. Dismaland - auf deutsch "trostloses Land" - war ein Vergnügungspark, in dem nichts stimmte, eine Parodie auf Disneyland. Zu sehen gab es unter anderem eine Installation mit der abgestürzten Kutsche von Aschenputtel, um die sich eine gierige Meute von Journalisten drängelte, die ein Foto des schlaffen Körpers schießen wollte. An anderer Stelle konnte man als Besucher Boote mit Flüchtlingen fernsteuern, mit dem Ziel, sie an den Weißen Klippen von Dover vorbeizulenken.

Das Projekt, das fünf Wochen lang lief und täglich Tausende von Besuchern anzog, zeichnete ein ausgesprochen düsteres Bild der modernen Gesellschaft. "Wir reden hier von einem sehr schwarzen Humor", sagt Cawston. "Ich hatte den Eindruck, Banksy nahm Großbritannien wie eine Schneekugel, schüttelte sie einmal durch und heraus kam das Bild einer sehr radikalen und dystopischen Gesellschaft."

Weltkulturerbe Völklinger Hütte - Ausstellung Banksy's Dismaland & Others - Fotografien von Barry Cawston (Barry Cawston)

Ein Tag in Dismaland: düster und bizarr

Auch der Ort war kein Zufall. Weston-super-Mare, oder auch einfach "Weston" wie die Einheimischen sagen, war eine britische Küstenstadt, die dringend der Erneuerung bedurfte. Der baufällige Themenpark spiegelte das Gefühl der Verlassenheit entlang der Strandpromenade von Weston wider. Es war diese Verbindung zwischen Kunst und Realität, die Cawston in seinen Fotografien festhielt. "Ich habe versucht, Bilder aus Dismaland mit Bildern aus Weston-super-Mare nebeneinander zu stellen. Da gab es diesen irrwitzigen Moment: Vor einem Weihnachtsgeschäft lag mitten auf der Straße ein sechs Meter großer aufblasbarer Weihnachtsmann, sein Gesicht zeigte zum Boden. Der Wind hatte ihn umgeblasen. So typisch für Weston."

Aber sind dann die Fotos im Wesentlichen ein Witz auf Kosten der Einheimischen? Nein, meint Cawston. "Ich glaube, viele Leute in Weston haben die Komik und die Dynamik von Dismaland verstanden. Die Leute lassen sich gerne fotografieren und ins Gespräch einbeziehen." Banksys Projekt habe die Situation in Weston zudem verbessert. "In den letzten zwei Jahren hat sich hier viel verändert", so Cawston. "Viele der Geschäfte wurden renoviert. An der Küste wurde ein College gebaut. Es hat Investitionen gegeben an diesem Ort, der lange Zeit verlassen und einsam war."

Banksy in Bethlehem

Das Westjordanland war der Ort für Banksys nächstes Großprojekt. "The Walled Off Hotel" - ein Spiel mit der Luxusmarke Waldorf - wurde im März 2017 in Bethlehem eröffnet. Als Hotel mit der "schlechtesten Aussicht der Welt" steht es direkt neben der Betonmauer, die das palästinensische und das israelische Territorium trennt. Es ist ausgestattet mit diversen Kunstwerken, man sieht Engel, die Gasmasken tragen, eine Büste, die in Tränengas eingehüllt ist, sowie ein Bild Banksys, auf dem eine Kissenschlacht zwischen einem palästinensischen Jugendlichen und einem israelischen Soldaten abgebildet ist.

Eine Büste eingehüllt in Tränengas (Foto: Barry Cawston)

Eine Büste eingehüllt in Tränengas - Banksys Kommentar zum Nahost-Konflikt

"Manchen Leuten ist das vielleicht zu oberflächlich, aber ich glaube, dass Banksy Menschen ins Gespräch bringt", sagt Cawston. "Mir kommt es vor, als würde er die Leute bitten, herzukommen und etwas hinzuzufügen." Und genau das hat Cawston getan. Durch die Gegenüberstellung von Bildern des Hotels und Bildern der Menschen und Orte in der unmittelbaren Umgebung, suchte der Fotograf eine direkte Parallele zwischen der Kunst und ihrem Ort.

Zustimmung Banksys

Er sei sich stets bewusst gewesen, dass er mit seinen Fotos nicht über das Ziel hinausschießen durfte, erzählt Cawston, da er die Zustimmung Banksys brauchte. Was aber hielt der Street-Art-Künstler von seiner Arbeit? Die Antwort kam letztes Jahr im Dezember, als Banksy an Heiligabend 36 Fotos aus Cawston Buch "Are We There Yet" auf seine Webseite hochlud - darunter Aufnahmen von Dismaland und dazugehörige Bilder aus der Umgebung von Weston-super-Mare. "Ich fand es heraus, weil das Buch sich plötzlich irre gut verkaufte", erinnert sich Cawston.

Kunstwerk 'Balloon Girl' von Banksy (picture-alliance/dpa/Bonhams)

Berühmt: Banksys "Balloon Girl" von 2002

Aber hat er Banksy selbst jemals gesprochen oder ihn vielleicht sogar getroffen? "Nein", sagt Cawston. Das habe er nicht. Aber das würde er vielleicht auch gar nicht wollen. 

Vom 25. März bis zum 4. November ist Cawstons Serie "Are We There Yet?" im Rahmen der Ausstellung "Banksy's Dismaland & Others" in Deutschland zu sehen. Die Völklinger Hütte, nahe der deutsch-französischen Grenze, biete - so Cawston - eine entsprechend unkonventionelle Kulisse. "Mir gefällt, dass es keine Galerie mit weißen Wänden ist." Und ganz generell gesprochen: "Ich liebe Banksys Radikalismus und wenn ich mit meiner Arbeit ein wenig davon weitertragen kann, dann ist das großartig. Vielleicht bekommt er dann noch mehr Aufmerksamkeit. Ich finde, er verdient alle Anerkennung, die er bekommen kann."

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