Bangtan Boys: Die K-Pop-Formation übertrifft den Twitter-Erfolg von Donald Trump | Musik | DW | 05.04.2018
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Musik

Bangtan Boys: Die K-Pop-Formation übertrifft den Twitter-Erfolg von Donald Trump

Sie heißen Jin, Suga, J-Hope, RM, Jimin, V und Jungkook, kommen aus Südkorea und liegen an der Spitze der weltweiten Charts. Ihr neuestes Album "Face Yourself" trendet in den sozialen Medien. Auch in Deutschland.

In den letzten Tagen gehören die Bangtan Boys, auch "BTS" genannt, zu den Twitter-Trends. Fast 30 Millionen Follower hat die südkorianische Boygroup. Die Heerscharen der leidenschaftlichen Fans – die man auch als die "A.R.M.Y" (Armee) kennt – nehmen jedes Detail des BTS-Phänomens unter die Lupe, teilen Konzertvideos, Bilder aus einer Probe, einer Aufnahmesession oder auch die beliebten Band-Selfies.

Im Januar meldete der Social Medien-Beobachter Google Facts, das Twitterkonto der Boyband erzeuge mehr Aktivität im sozialen Netz als sämtliche Tweets des US-Präsidenten Donald Trump auf seinen diversen Nicknamen zusammengezählt. Dem Fernsehsender Bloomberg zufolge übertrifft diese sensationelle Erscheinung aus dem Genre K-Pop (Korea-Pop) mit 502 Millionen Tweets und Retweets über die Gruppe sogar den Erfolg von Social Media-Zugpferden wie Justin Bieber oder Ellen DeGeneres.

Die sieben Bandmitglieder sind Anfang 20, sehen aber mit ihren androgynen Gesichtszügen und den blond bis braun gefärbten Kurzhaarschnitten deutlich jünger aus. Sie schreiben und komponieren ihre Popsongs teils selbst. Ihre Texte handeln von den Träumen und Zielen der Jugend, von Mobbing oder auch von politisch/gesellschaftlichen Problemen. Dabei singen sie nicht nur koreanisch, sondern auch auf Englisch und Japanisch.

So erscheint ihr drittes und neuestes Album auf Japanisch. "Face Yourself" soll noch im April in die Läden kommen. Das Album erreichte bereits den ersten Platz auf den iTunes Album-Chart in 45 Ländern. Dazu gehörten Italien, Großbritannien und auch Deutschland.

Von der Schule auf die internationale Bühne

Das mag zwar beeindrucken, doch für die K-Pop-Band war es noch eine verhältnismäßig ruhige Woche. Da sind die sieben Sänger anderes gewöhnt: Im Februar 2017 waren so viele Benutzer hinter der Single "Spring Day" aus dem Album "You Never Walk Alone" her, dass der koreanische Onlinestreaming-Dienst Melon zum Erliegen kam. Ein Jahr später vergab die Recording Industry Association of America (Verband der amerikanischen Schallplattenindustrie) Gold für die Singles "Mic Drop Remix" und "DNA". Damit sind die Jungs von BTS die ersten koreanischen Künstler, die gleich zwei derartige Auszeichnungen in den USA bekommen haben – ein Hinweis auf die wachsende weltweite Popularität von K-Pop.

Südkorea Polizei tanzt Gangnam Style (Philippe Lopez/AFP/Getty Images)

Südkoreanische Polizisten tanzen im Gangnam-Stil

Die Band wurde 2013 von Big Hit Entertainment (Südkoreanische Unterhaltungsfirma) gegründet. Zunächst sprach die Boygroup Hip Hop-Fans an, der Erfolg ließ allerdings auf sich warten. Ohne Massenvermarktung wurden die ersten drei Alben "2 Cool 4 Skool," "O!RUL8,2?" und "Skool Luv Affair" vom Publikum kaum registriert. Als "Schultrilogie" fristen sie ein Dasein als Ladenhüter.

BTS feilte am Klang und waren dann für den internationalen Ruhm reif: "Wings" (2016) brach alle Rekorde als Debütalbum einer K-Pop-Formation in den USA. Die Platte "Love Yourself: Her", die im Folgejahr erschien, erreichte den siebten Platz bei den Billboard 200-Charts.

Der Gangnam-Effekt

Obwohl die zeitgenössische koreanische Popkultur auf die frühen 1990-er Jahre zurückgeht, erreichte sie den Westen erstmals 2012 als der Rapper Psy "Gangnam Style" herausbrachte. Das Video mit erstaunlicher Optik und unverwechselbarer koreanischer Ästhetik wurde zum globalen Hit und mehr als drei Milliarden Mal auf dem offiziellen YouTube-Kanal abgerufen.

Das Land Südkorea, das bereits in den Sparten Unterhaltungselektronik und Kosmetik weltweit mitmischt, setzt inzwischen auf die eigene Popmusik, um sich als führende Macht im Kulturbereich auszuweisen. Der K-Pop hat dabei einen großen Anteil an der "koreanischen Welle" – auch als "Hallyu" bekannt. Welchen Einfluss die Popmusik aus Korea hat, kann man daran ablesen, dass auch der südkoreanische Präsident Moon Jae-in schon K-Pop-Berühmtheiten bei offiziellen Anlässen eingesetzt hat – etwa im vergangenen Jahr bei einem Staatsempfang in China.

Vor wenigen Tagen erschienen sogar der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und seine Ehefrau im Publikum bei einem Konzert von K-Pop-Stars in Pyongyang: ein weiteres Zeichen der Entspannung im Konflikt über das nukleare Programm Nordkoreas.

K-Pop Band BTS (picture-alliance/dpa/K. Hee-Chul)

Die Boys auf dem roten Teppich der 5. Gaon Chart K-Pop Musikpreise in Seoul

Zusammenkunft im Netz

Die Reichweite von passionierten K-Pop-Fans erreichte sogar den Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton um das Amt des US-Präsidenten im Jahr 2016. Wenige Tage vor der Wahl tauchte ein Screenshot vom Twitter-Konto Donald Trumps auf, wo zu lesen war: "Habe gerade Fire von den Bangtan Boys gehört. Erstaunlich! Ich liebe die Chinesen." Der Tweet befand sich zwar in einer Reihe von Trumps politisch unkorrekten 140-Zeichen-Statements, war aber selbst ein Fake. Ein leidenschaftlicher Band-Follower hatte ihn als Witz erfunden, der viral die Runde machte.

Nun kommt die Nachricht, dass die Boyband mehr Twitter-Traffic als Trump generiert. Dass diese Nachricht wiederum einen erneuten Twittersturm auslöst, versteht sich von selbst.

Sie kam zu einem Zeitpunkt, als die Fans der Bangtan Boys gerade versuchten, über einen Skandal hinwegzukommen: Die sieben Jungs traten nämlich mit gleichen schwarzen Frisuren für LG auf. Es war ein Werbespot für die Smartphones der südkoreanischen Unterhaltungselektronikfirma LG. Die daraus entstandenen peinlichen Memes und Gifs kursieren im weltweiten Twitter-Netzwerk.

Eigentlich war das genau der gewünschte Effekt. Da nur ein Bruchteil der BTS-"Armee" versteht, worüber ihre Idole singen, können diese eigentlich nur durch Veränderung ihres Erscheinungsbildes schockieren.

jt/sb/rf (RTRE, Billboard, Bloomberg)

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