Baldige Einnahme von Tripolis befürchtet | Aktuell Afrika | DW | 08.12.2019
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Libyen

Baldige Einnahme von Tripolis befürchtet

Der mächtige General Haftar rückt offenbar mit russischer Hilfe immer weiter auf Libyens Hauptstadt vor. Wegen der Kämpfe hat die Ölfirma BPMC schon den Betrieb eingestellt und ihre Mitarbeiter in Sicherheit gebracht.

Libyen Luftangriff in Tripoli (Getty Images/AFP/M. Turkia)

Bei einem Luftangriff im November auf eine Fabrik im Süden von Tripolis wurden mehrere Menschen getötet

Nach Angaben des UN-Sonderbeauftragten Ghassan Salame haben sich die Gefechte in den vergangenen zehn Tagen Richtung städtischer Gebiete verlagert. "Ich bin sehr besorgt", sagte Salame der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Seit russische Kämpfer zu General Chalifa Haftars Truppen gestoßen seien, hätten sich die Angriffe auf Tripolis verstärkt.

Haftars selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) kämpft gegen die von den Vereinten Nationen anerkannte libysche Regierung in Tripolis. Die LNA beherrscht weite Teile im Osten und Süden des Landes und hatte im April eine Offensive auf Tripolis begonnen. Laut Augenzeugen rückte sie zuletzt an einer Front südlich der Stadt vor.

Italien Mittelmeerdialoge in Rom | UN-Sonderbeauftragter für Libyen Ghassan Salame (picture-alliance/AP Photo/A. Tarantino)

UN-Sonderbeauftragter Ghassan Salame: Russische Kämpfer haben sich den Einheiten Haftars angeschlossen

Die libysche Brega Petroleum Marketing Company (BPMC) teilte mit, dass der Betrieb eingestellt und Angestellte in Tripolis in Sicherheit gebracht worden seien. Das Unternehmen, dass sich im Besitz der staatlichen Ölgesellschaft NOC befindet und für die Kraftstoffversorgung zuständig ist, erklärte, wegen der Intensität der Kämpfe sei der komplette "Evakuierungsplan" umgesetzt worden.

Libyen hat seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 keine stabile Zentralregierung mehr. Seit 2014 ist das ölreiche Land in Nordafrika zwischen rivalisierenden Fraktionen in Tripolis und im Osten aufgeteilt.

Russland spricht von Gerüchten

Dass Tripolis in Kürze fallen könnte, befürchtet auch der libysche Außenminister Mohamed Siala. Russland habe Soldaten geschickt und unterstütze Haftars Kampf auch mit Drohnen, sagte er der italienischen Zeitung "La Repubblica". Siala und Salame hatten am Samstag in Rom an der Konferenz Mediterranean Dialogues (MED) teilgenommen.

Bereits vor zwei Wochen hatte das amerikanische Außenministerium Russland vorgeworfen, die LNA mit "regulären" Soldaten sowie mit der privaten russischen Söldnertruppe Wagner am Boden zu unterstützen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte diese Vorwürfe bei der MED-Konferenz als "Gerüchte" zurückgewiesen.

Deutschland bemüht sich um Libyen-Konferenz

Sollte es Haftar gelingen, Tripolis einzunehmen, wären die Kämpfe wahrscheinlich aber noch nicht zu Ende. Politische Beobachter gehen davon aus, dass Haftars Gegner einen Aufstand starten, was dazu führen könnte, dass Extremisten wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" oder neue dschihadistische Gruppen gestärkt würden.

Deutschland bemüht sich derzeit, in dem Konflikt zu vermitteln und eine internationale Libyen-Konferenz in Berlin auf die Beine zu stellen. Ein Termin oder mögliche Teilnehmer stehen noch nicht fest.

uh/sti (dpa, rtr)

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Protest gegen Haftars Offensive (08.04.2019)

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