Bahnvierer der Frauen - ″wie auf Schienen″ zu Gold | Sport | DW | 03.08.2021
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Porträt

Bahnvierer der Frauen - "wie auf Schienen" zu Gold

Die 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung gilt als Königsdisziplin im Bahnradsport. Franziska Brauße, Lisa Brennauer, Lisa Klein und Mieke Kröger gewinnen nicht nur Gold, sondern pulverisieren geradezu den Weltrekord.

"Es ist einfach eine Harmonie, das haben wir ganz gut drauf. Wenn es läuft, ist es wie auf Schienen", beschreibt Goldmedaillengewinnerin Lisa Klein, wie es ist, wenn sie mit ihren Teamkolleginnen Franziska Brauße, Lisa Brennauer und Mieke Kröger die 4000 Meter auf der ovalen Bahn abspult. "Man ist so im Fokus, sieht nur das Vorderrad vor sich, macht sich klein und gibt alles."

In Tokio haben die vier Bahnradfahrerinnen Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal gewann ein deutscher Bahnvierer der Frauen eine olympische Medaille - und dann gleich Gold, im Finale gegen die Topfavoritinnen aus Großbritannien, in der neuen Weltrekordzeit von 4:04,242 Minuten. Damit war das deutsche Quartett fast sechs Sekunden schneller als die Britinnen, die vor Tokio den Rekord beinahe fünf Jahre lang gehalten hatten.

Frauen-Wettbewerb erst zum dritten Mal olympisch

Die Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter gilt als Königsdisziplin des Bahnradsports. Die vier Teammitglieder müssen so perfekt wie die Teile eines Uhrwerks harmonieren, wenn sie sich in der Führungsarbeit abwechseln und versuchen, die Geschwindigkeit maximal hochzuhalten. Gewertet wird im Ziel die Zeit der ersten drei einer Mannschaft.

Jahrzehntelang galt der Bahnvierer der Männer als sichere Medaillenbank und für viele als Sinnbild deutscher Perfektion. Zwischen 1964 und 2000 gewann das deutsche Quartett fünfmal Gold und einmal Silber. Dann riss die Erfolgsserie. Bei den Frauen wurde die Disziplin erst 2012 in London olympisch. Der britische Vierer triumphierte nicht nur dort, sondern auch vier Jahre später in Rio.

Zeitfahr-Spezialistinnen auf Bahn und Straße

Bei der Bahnrad-WM in Berlin 2020 hatte der deutsche Vierer der Frauen hinter den Teams aus den USA und Großbritannien Bronze gewonnen, damals noch mit Gudrun Stock. Sie konnte wegen Krankheit nicht nach Tokio reisen und wurde durch Mieke Kröger ersetzt. "Gudrun war auf dem Weg hierher ein großer Bestandteil der Gruppe. Der Weltrekord geht auch auf ihre Kappe, auch wenn sie nicht mit ihren eigenen Beinen da war", sagte Lisa Brennauer.

Mit 33 Jahren ist Brennauer die routinierteste Fahrerin des Teams, die sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße Erfolge feierte. So sammelte Brennauer vier WM-Titel im Zeitfahren auf der Straße: 2014 im Einzel, dreimal mit dem Team (2013-15). Das Gold mit dem Bahn-Vierer ist ihre erste olympische Medaille.

Tokio 2020 - Olympia - Bahnrad-Vierer

Franziska Brauße, Lisa Klein, Mieke Kröger und Lisa Brennauer (v.l.n.r) mit Maske und Medaille

Auch die anderen drei Olympiasiegerinnen fahren nicht nur Rennen auf der Bahn. Die 28 Jahre alte Mieke Kröger wurde 2015 Teamweltmeisterin im Zeitfahren auf der Straße. Bei den Olympischen Spielen in Rio fuhr sie im deutschen Bahnvierer, der auf dem neunten Platz landete. Lisa Klein, 25 Jahre alt, war 2018 Weltmeisterin im Mannschaftszeitfahren auf der Straße. Klein feierte in Tokio ihr Olympia-Debüt - ebenso wie Franziska Brauße. Die 22-Jährige ist die jüngste des Gold-Teams. Ihr bis zu den Spielen größter Erfolg war WM-Bronze in der Einzel- und der Mannschaftsverfolgung 2020 in Berlin.

"Enormer Hype" im Frauen-Radsport

Bei den Spielen in Tokio "explodierte" die Leistung des Bahn-Vierers regelrecht, wie Bundestrainer André Korff erstaunt feststellte. Dreimal ging das deutsche Quartett auf die Bahn, dreimal verbesserten die vier Radfahrerinnen den Weltrekord. Der Grundstein für den Gold-Coup sei im vergangenen Jahrzehnt gelegt worden, sagt Trainer Korff: "Der Frauen-Radsport hat einen enormen Hype bekommen. Alles ist professioneller geworden." Vielleicht sind die Spiele in Tokio ja der Startschuss für eine goldene Ära des deutschen Bahn-Vierers der Frauen. "Bisher sind wir nur einmal Olympiasiegerinnen geworden", sagte Lisa Brennauer. "Wer weiß, wie oft wir das noch schaffen?"