Autos in Afrika: selbstgemacht statt importiert | Afrika | DW | 12.06.2018
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Afrika

Autos in Afrika: selbstgemacht statt importiert

Alte Import-Autos füllen Afrikas Straßen, ihre Abgase verpesten die Luft. Uganda plant strengere Regeln für die Einfuhr von Gebrauchtwagen - auch, um eine eigene Industrie aufzubauen. Doch der Weg ist noch weit.

Gerald Mukisa hat es eilig: "Nächstes Jahr kann ich mir kein neues Auto mehr leisten", sagt der Ugander, der sich bei einem Gebrauchtwagenhändler umschaut. "Also muss ich jetzt eins kaufen, bevor die Regierung die Einfuhr alter Autos verbietet. "Uganda plant, dass künftig keine Autos mehr importiert werden dürfen, die älter als acht Jahre sind.

Bisher importiert das Land pro Monat schätzungsweise 4000 Autos. "Wenn die Autos in Uganda ankommen, sind sie im Schnitt schon älter als 15 Jahre", sagt Rob de Jong. Er leitet den Bereich Transport und Mobilität beim Umwelt-Programm der Vereinten Nationen (UNEP) mit Sitz in Kenias Hauptstadt Nairobi.

Gebrauchtwagenanteil von 0 bis 99 Prozent

Der Markt für importierte Gebrauchtwagen in Afrika sei sehr groß, sagt de Jong der DW: "Wir gehen davon aus, dass 1 bis 1,2 Millionen Gebrauchtwagen pro Jahr nach Afrika kommen". Seine Kollegin Ariadne Baskin hat die Handels- und Transportwege der Gebrauchtwagen untersucht. "Die meisten Autos gehen nach Westafrika, vor allem nach Benin und Nigeria, gefolgt von Ghana. Diese Autos kommen zum Großteil aus der Europäischen Union", sagt sie. Die Länder im Süden und Osten Afrikas, wie auch Uganda, bekämen die Autos aus Japan.

Uganda - Verkehr in Kampala (picture-alliance/F. Schumann)

In Ugandas Hauptstadt Kampala kommen die meisten Autos - wie diese Kleinbusse - aus Japan

Dabei gehen die einzelnen afrikanischen Länder sehr unterschiedlich mit der Einfuhr von gebrauchten Autos um. "Einige Länder haben die Einfuhr von Gebrauchtwagen komplett verboten, in anderen Ländern sind 95 oder 99 Prozent aller Wagen, die dort auf den Markt kommen, gebraucht", sagt Rob de Jong. Zu den Ländern, die keine Gebrauchtwagenimporte erlauben, gehören Südafrika, Marokko und der Sudan. Doch ein komplettes Verbot hält das UNEP nicht für nötig. Schon eine strenge Regulierung könne viel bewirken, sagt Baskin und verweist auf den Inselstaat Mauritius. Dort gilt ein Höchstalter von drei Jahren für importierte Gebrauchtwagen. "Dadurch hat sich die Anzahl der Elektro- und Hybrid-Autos im Land deutlich erhöht." Auch die Elfenbeinküste in Westafrika habe gerade eine Altersgrenze von fünf Jahren für importierte Gebrauchtwagen eingeführt.

"Schrottplatz" für Dreckschleudern aus Europa

Der Vorteil liegt für sie und ihren Kollegen de Jong auf der Hand: "Diese Länder bekommen Autos, die relativ sauber sind, zu einem sehr guten Preis", sagt de Jong. "Ohne Regulierung werden die afrikanischen Länder als Schrottplatz für die Autos genutzt, die in ihren Ursprungsländern die Vorgaben nicht mehr erfüllen." Das mache die Fahrzeuge zu dauerhaften Luftverschmutzern und zu einer Bedrohung für den Straßenverkehr.

Mercedes-Benz in Bissau (DW/B. Darame)

In Guinea-Bissau sind Gebrauchtwagen von Mercedes-Benz weit verbreitet

Welchen Unterschied eine Altersbeschränkung für gebrauchte Import-Fahrzeuge machen kann, haben de Jong und sein Team vor Ort untersucht. Die Nachbarländer Kenia und Uganda werden beide über den kenianischen Hafen von Mombasa mit Gebrauchtwagen aus Japan versorgt  haben also eigentlich ganz ähnliche Voraussetzungen. Kenia hat das Alter gebrauchter Import-Autos auf acht Jahre begrenzt. "Auf den Straßen sehen sie den Unterschied", erzählt de Jong. "In Kenia sind die Autos relativ neu, sie verbrauchen etwa acht Liter Benzin auf 100 Kilometern. Wenn Sie 50 Kilometer weiter fahren, über die Grenze nach Uganda, sind die Autos direkt älter, qualmen, und sie verbrauchen im Schnitt zwölf Liter auf 100 Kilometer." Mit der Initiative, in Uganda ebenfalls eine Altersgrenze von acht Jahren einzuführen, könne sich das ändern, sagt de Jong.  

Kleiner Toyota statt fettem Mercedes

Die Sorge ugandischer Auto-Käufer, sie könnten sich dann ihren Traum vom eigenen Auto bald nicht mehr erfüllen, sieht er nicht begründet: "Die Menschen kaufen dann vielleicht eher einen fünf Jahre alten Toyota Corolla anstatt eines zehn Jahre alten Mercedes. Aber sie können sich trotzdem noch ein Auto kaufen. Ein anderes zwar, vielleicht etwas kleiner, aber dafür sauberer und effizienter."

Kantanka Auto aus Ghana (Getty Images/AFP/C. Stein)

Dieser Geländewagen stammt vom ghanaischen Hersteller Kantanka

Die geplante Import-Beschränkung in Uganda soll nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch der Automobil-Industrie im eigenen Land eine Chance geben. Seit 2007 hat Uganda mit Kiira Motors einen eigenen Fahrzeug-Hersteller. Ugandas Makerere-Universität und die Regierung sind an dem Unternehmen beteiligt, das Elektro-Fahrzeuge herstellen soll und bereits Ugandas ersten Solar-Bus gefertigt hat. Andere Staaten in Subsahara-Afrika haben ähnliche Unternehmen oder Ambitionen, darunter Nigeria, Kenia, Ghana und Äthiopien.

Eine wirklich nennenswerte Automobilindustrie gebe es nur in Südafrika, sagt Anthony Black, Wirtschafts-Professor an der Universität von Kapstadt, im DW-Interview. Südafrika importiert keine Gebrauchtwagen. "Ohne diese Einschränkung hätte es unsere Industrie wesentlich schwerer", sagt Black. Denn der vereinfachte Import von Gebrauchtwagen sei ganz klar ein Hindernis für die Entwicklung einer eigenen Industrie.

Afrikas Auto-Industrie hat es schwer

Doch alleine mit einer strengeren Regulierung der Importe ließe sich keine Auto-Industrie aufbauen, sagt Black: "Für afrikanische Länder ist das ein schweres Geschäft. Eine Auto-Industrie braucht eine starke Wirtschaft, da muss es um große Mengen gehen. In Afrika haben wir dagegen viele kleine Volkswirtschaften, die für sich gesehen keine attraktiven Märkte für Autos sind." Gemeinsam jedoch könnten sie attraktiv werden und Investoren anziehen.

Volkswagen-Werk im südafrikanischen Uitenhage (picture-alliance/dpa)

Volkswagen baut seit Jahrzehnten Autos im südafrikanischen Uitenhage

"Das Markt-Potenzial ist vorhanden und wächst immer weiter", sagt Black. Seine Idee: erst einmal etwas kleiner einsteigen, zum Beispiel mit einer eigenen Motorrad-Produktion. "Der Markt ist in manchen Ländern größer, die Technologie ist einfacher, und es gibt weniger Importe von gebrauchten Fahrzeugen."

Mitarbeit:Julius Mugambwa

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