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Neues Freihandelsabkommen: EU und Australien senken Zölle

24. März 2026

Es ist ein wichtiges Vertragswerk in einer politisch unruhigen Zeit. Die EU will sich mit der Vereinbarung auch den Zugang zu bedeutenden Rohstoffen in Australien sichern.

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Australien Canberra 2026 | Ursula von der Leyen und Anthony Albanese halten im Parlamentsgebäude je ein Dokument in die Kameras
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Australiens Premier Albanese mit dem unterzeichneten Vertragswerk Bild: Lukas Coch/AAP/dpa/picture alliance

"Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass in Zeiten der Turbulenzen Freundschaft und Zusammenarbeit das Wichtigste sind", machte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Australiens Hauptstadt Canberra deutlich. Sie unterzeichnete mit dem australischen Premierminister Anthony Albanese ein weitreichendes Handelsabkommen. Die Verhandlungen hierzu hatten 2018 begonnen. Mit dem Vertragswerk würden Zölle und Handelshemmnisse abgebaut, betonten beide Spitzenpolitiker.

Von der Leyen wies darauf hin, für die Europäische Union sei es wichtig, internationale Handelsbeziehungen auszuweiten und zu diversifizieren - also auf verschiedene Regionen zu verteilen, um Risiken und Abhängigkeiten zu verringern. Dies gilt insbesondere in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump mit ihrer aggressiven Zollpolitik ein zunehmend schwieriger Partner sind und China immer selbstbewusster auftritt.

Industriebereiche, die besonders von dem Abkommen profitieren könnten, sind der EU-Kommission in Brüssel zufolge etwa Maschinenbau, Chemie, Fahrzeugindustrie und Landwirtschaft.

Australien Canberra 2026 | Mit einem breiten Lächeln begrüßen sich Anthony Albanese und Ursula von der Leyen, beide geben sich die Hand
Eine herzliche Begrüßung: Ursula von der Leyen und Anthony Albanese Bild: David Gray/AFP

EU-Exporte sollen um ein Drittel zulegen

Die EU geht davon aus, dass die Exporte aus den 27 Mitgliedstaaten nach Australien innerhalb eines Jahrzehnts um ein Drittel auf jährlich bis zu 17,7 Milliarden Euro wachsen könnten. Besonderes Wachstumspotenzial gibt es den Angaben zufolge bei Milchprodukten, Kraftfahrzeugen und Chemikalien. EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87 Prozent zulegen, heißt es.

Bedenken der europäischen Agrarlobby begegnete die EU-Seite mit dem Hinweis, das Abkommen werde Zölle auf wichtige EU-Ausfuhren wie Käse, Fleischzubereitungen, Wein und Schaumwein, einige Obst- und Gemüsearten einschließlich verarbeiteter Produkte, Schokolade und Zuckerwaren abschaffen. Gleichzeitig werde man für sensible Waren wie Rindfleisch, Schaf- und Ziegenfleisch, Zucker, einige Molkereiprodukte und Reis zollfreie oder zollermäßigte Einfuhren aus Australien nur in begrenztem Umfang zulassen.

In einer Rede vor dem australischen Parlament sagte von der Leyen, die Einigung sei "ein faires Abkommen, eines, das euren Unternehmen dient und eines, das unseren Unternehmen dient". Albanese betonte: "Dies ist ein bedeutender Moment für unsere Nation, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sichern."

Mehr kritische Rohstoffe - Australien größter Lithiumlieferant

Beide Seiten verständigten sich zudem auf einen stärkeren Zugang der EU zu kritischen Rohstoffen in Australien. Das Land sei ein wichtiger Produzent von Rohstoffen, darunter Aluminium, Lithium und Mangan, die für die gesamte wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU von entscheidender Bedeutung seien, heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission.

Die Vereinbarung enthalte zudem spezielle Bestimmungen, die den Markt für Unternehmen in der EU berechenbarer und verlässlicher machten.Vor dem australischen Parlament sagte von der Leyen dazu: "Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sein, und genau deshalb brauchen wir einander."

Am Montag hatte die deutsche Spitzenpolitikerin in einem Gastbeitrag in mehreren europäischen Zeitungen darauf hingewiesen, Australien sei "der weltweit größte Lithiumlieferant". Das Land verfüge über Rohstoffe, "die für die sauberen Technologien der Zukunft von entscheidender Bedeutung sind - von Elektroautos in Spanien bis hin zu Offshore-Windturbinen in der Ostsee".

Lithiummine in Australien
Lithiumabbau in Australien - der Rohstoff ist essentiell für die Herstellung von Batterien für E-Autos oder Smartphones und andere Elektronik (Archivbild) Bild: Fleet Space Technologies/AAP/dpa/picture alliance

Die EU will unabhängiger von China werden, das derzeit den Großteil der europäischen Rohstoffimporte liefert und zahlreiche Patente für die Verarbeitung hält.

Engere Zusammenarbeit auch bei Verteidigung und KI

Die Europäische Union und Australien beschlossen auch eine engere Kooperation auf dem Verteidigungssektor. Man werde gemeinsam daran arbeiten, "die Zusammenarbeit in den Bereichen maritime Sicherheit, Cyber-Sicherheit, Bekämpfung hybrider Bedrohungen sowie ausländischer Informationsmanipulation und -einmischung zu vertiefen", erklärte die EU-Kommission. Dies gelte auch für neue Technologien, einschließlich der Künstlichen Intelligenz (KI). 

Die EU ist Australiens drittgrößter Handelspartner nach China und Japan. Umgekehrt liegt Australien im Warenhandel mit den EU-Staaten derzeit nur auf dem 20. Platz.

Der Handelsvertrag zwischen beiden Seiten geht nun in die juristische Überprüfung, die in der Regel mehrere Monate lang dauert. In der EU muss er zudem in alle Amtssprachen übersetzt werden. Danach müssen das Europaparlament und das australische Parlament noch das Abkommen ratifizieren.

se/pgr (rtr, dpa, afp)