Ausstellung in Emden: Tiere in der Kunst | Kultur | DW | 26.02.2021
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Kunst und Tiere

Ausstellung in Emden: Tiere in der Kunst

Es geht tierisch zu in der Kunst, und nicht nur dort: Die Kunsthalle Emden will die Ausstellung "Wild/Schön“ zeigen, darf aber nicht öffnen - wegen Corona.

Selten gab es einen solchen Haustier-Boom wie im pandemiebedingten Lockdown: In den USA stieg die Zahl der Pflegetiere allein zwischen März und September 2020 um acht Prozent,auch in Deutschland setzte ein Sturm auf die Zoohandlungen ein und ließ die Haustierpreise explodieren. Der Grund ist hier wie dort der gleiche: Die mal gefiederten, mal felligen oder auch schuppigen Begleiter versprechen ihren Besitzerinnen und Besitzern Trost und Gesellschaft. "Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren ist so alt wie die Menschheit selbst", sagt Lisa Felicitas Mathes, wissenschaftliche Leiterin der Kunsthalle Emden, "und die Kunst spiegelt das facettenreich wieder."

Das Gemälde von Franz Marc zeigt blaue Fohlen.

"Die Blauen Fohlen" von Franz Marc.

So hat Mathes die "Blauen Fohlen" des deutschen Expressionisten Franz Marc(1880-1916) ebenso aufgehängt wie die herumtollenden Hunde seiner Blaue-Reiter-Kollegin Gabriele Münter (1877-1962). Andy Warhols (1928-1987) farblich verfremdete Adler gesellen sich zur Fotofolge einer trinkenden Katze des Schweizer Künstlerduos Fischli/Weiss. Paul Kunzes (1892-1977) Tigerkopf kontrastiert mit Andreas Gurskys Foto einer gigantischen Kuhfarm in den USA, handliche Holzskulpturen von Ewald Mataré sind zu sehen, nicht zu vergessen die gemalten animalischen Fabelwesen des Berliner Künstlerduos Nathalie Djurberg und Hans Berg.

Von Massentierhaltung bis Artenschutz

 Die Schau versammelt Zeichnungen und Gemälde, Skulpturen und Fotografien, Videos und Installationen. Das Gros der gut 120 Tierdarstellungen des 20. und 21. Jahrhunderts entstammt der Sammlung des von dem Publizisten Henry Nannen gegründeten Museums, ergänzt um Leihgaben. Doch dürfte "wild/schön" den Nerv der Zeit treffen.

Tierweiden in den USA - Luftaufnahme von Andreas Gursky. Zahlreiche Rinder in umzäunten Parzellen

Tierweiden in den USA - fotografiert von Andreas Gursky.

Denn wie steht es um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier? ″Der Umgang mit Tieren betrifft jeden", sagt die Kunsthistorikerin, ″ob es um Massentierhaltung geht, das Artensterben oder den Tierschutz." Auch Künstler spiegelten jeweils solche gesellschaftlichen Fragen wieder.

Und so ist die Kunstgeschichte auch einer der Tierbilder. Sie reicht von den altsteinzeitlichen Höhlenbildern im spanischen Altamira mit ihren 15.000 Jahre alten Bisons, Hirschen und Pferden bis zu Gerhard Richters Raubkatzen und endet nicht mit Jeff Koons aufgeblasenen Pudeln. Tieren werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben. Hunde und Katzen sind Darsteller in Fabeln und Märchen, ja selbst in großer Literatur, in Filmen und Spielen.

Das Tier als ein zentrales Bildmotiv der Kunst wirft zu allen Zeiten ein Licht auf das menschliche Selbstverständnis. Ist der Mensch durch seine Tier-Beziehungen, welche die Kunst reflektiert, überhaupt erst zum Menschen im modernen Sinne geworden? Kulturwissenschaftler vermuten das, darunter der in London lehrende deutsche

Anthropologe Volker Sommer. So stand die Frage erst kürzlich im Mittelpunkt einer interdisziplinären Tagung auf Schloss Moyland am Niederrhein.

Viele Tiere in der Kunstgeschichte

Ein großer Tiermaler war der Franzose Jean-Baptiste Oudry (1686-1755). Der Hofmaler von Ludwig XV. arbeitete vor lebenden Exemplaren. Viele seiner Werke eroberten die Wände fürstlicher Schlösser, darunter die berühmte Darstellung einer Jagdgesellschaft Ludwigs XV. - mit dahineilenden Pferden und aufgeregten Jagdhunden. 

Ein weißer Plüschtiger von Gerrit Frohne-Brinkmann.

Ein weißer Tiger von Gerrit Frohne-Brinkmann.

Eine Reihe von Zoogründungen hundert Jahre später verhilft den Tieren in der Kunst zu neuem Ansehen. Künstlerinnen und Künstler können direkt vor dem Tier ihre Staffelei aufschlagen. Der deutsche Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847-1921) schrieb um 1900, das Tier sei "viel neuer, unberührter und frischer" als die menschliche Figur, "bei der sich alles, was schon von anderen gemacht worden ist, leicht dazwischenschiebt". Wilhelm Kuhnert, dem die Frankfurter Schirn Kunsthalle vor zwei Jahren eine Retrospektive widmete, hatte die Tiere noch direkt in der Wildnis beobachtet und gemalt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Tiere in der Kunst zunächst einen schweren Stand. Ganz anders bei Ewald Mataré, dem Lehrer von Joseph Beuys. In seinem Oeuvre sind Tierskulpturen zentral. Die Begeisterung dafür fiel aber auch bei Beuys auf fruchtbaren Boden. Bei dem Jahrhundertkünstler spielten Tiere eine große Rolle. Gerhard Richters Tiger Mitte der 1960er Jahre hingegen entsprang keiner Tierbeobachtung: Der war ausgeschnitten aus einer Zeitung.

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