Ausstellung: Fotografinnen an der Front | Kultur | DW | 12.03.2019
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Kriegs-Fotografie

Ausstellung: Fotografinnen an der Front

Kriegsfotografie gilt als Männersache. Doch auch Frauen dokumentieren Tod und Leid an den Fronten dieser Welt. Eine Ausstellung in Düsseldorf zeigt, wie Kriegsfotografinnen die Kriege im 20. und 21. Jahrhundert sehen.

Fotojournalistinnen dokumentieren seit fast einem Jahrhundert den Krieg. Es fing an im spanischen Bürgerkrieg in den 1930er Jahren. Damals machten die neuen leichten, tragbaren Kameras erstmals spontane Schnappschüsse möglich. Doch der Krieg gilt nach wie vor als Männerdomäne. Das betrifft nicht nur die Kriegsfotografen, sondern auch die Urheber von Gräueltaten.

Die am 8. März im Düsseldorfer Kunstpalast eröffnete Ausstellung "Fotografinnen an der Front" rückt die Arbeiten von acht Frauen in den Fokus. Die Schau deckt einen großen Teil der Konflikte des 20. Jahrhunderts in Bildern ab und wirft ein neues Licht auf die Rolle von Kriegskorrespondentinnen. Die Fotos der Ausstellung zeigen Frauen nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter.

"Die Aufnahmen bestätigen nicht das Vorurteil eines 'weiblichen' Blicks. Sie zeigen, dass sich die acht Fotografinnen verschiedenster Methoden und Bildsprachen bedienten, um auf eindringliche Weise Zeugnis von den Geschehnissen abzulegen", schreiben die Kuratoren im Katalog. Die Ausstellung versammelt Bilder von Gerda Taro, Anja Niedringhaus, Carolyn Cole, Susan Meiselas, Lee Miller, Françoise Demulder, Christine Spengler und Catherine Leroy.

Kindersoldat im Irak, fotografiert von Anja Niedringhaus(picture-alliance/dpa/Anja Niedringhaus)

Kindersoldat im Irak, fotografiert von Anja Niedringhaus

Partei ergreifen

Es gibt Aufnahmen von Soldaten an der Front genauso wie von den Auswirkungen der Kriege auf die Zivilbevölkerung. Wegweisend waren die Arbeiten von der deutschen Fotografin Gerda Taro während des Spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939.

Taro war alles andere als eine neutrale Beobachterin. Sie reiste quer durch Spanien, um den Krieg aus der Sicht der von ihr unterstützten republikanischen Widerstandskämpfer gegen Franco zu fotografieren. Die US-amerikanische Essayistin Susan Sontag widmete sich in ihrem 2003 erschienen Band "Das Leiden anderer betrachten" der Frage, wie Kriegs-Fotografie die Erinnerung an Kriege verändert. Taros Bilder hätten dazu beigetragen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, kritisierte sie.

Taros Fotografien von Frauen, Kindern und Flüchtlingen dokumentierten die Notlage der Zivilbevölkerung. Zahlreiche von ihnen landeten auf den Titelseiten prominenter Zeitschriften, wie der "Volks-Illustrierten". Als erste Kriegsfotografin kam Taro, die mit dem legendären Kriegsfotografen Robert Capa liiert war, mit 27 Jahren an der Front ums Leben. Mit ihren Bildern, die Frauen während ihrer Ausbildung beim republikanischen Militär zeigen, hinterfragten sie auch das Klischee, dass Frauen nur Opfer des Krieges waren. 

Zivilistinnen im Spanischen Bürgerkrieg. Foto von Gerda Taro (International Center of Photography)

Zivilistinnen im Spanischen Bürgerkrieg. Foto von Gerda Taro

Zeugenschaft mit der Kamera

Diese ungewohnte Sicht auf Frauen als Akteurinnen tauchen auch in der Arbeit von Lee Miller auf. Die US-amerikanische Fotografin und Kriegskorrespondentin wurde Augenzeugin fürchterlichster Gräueltaten. In ihrer Fotografie gelang es ihr, die Opfer des Krieges zu vermenschlichen und zugleich die Realitäten des Konflikts derart zu personalisieren, dass sie die Leser der Zeitungen und Zeitschriften emotional zu überwältigen drohten. 

Miller arbeitete für die "Vogue" und war als eine von vier Fotografinnen 1944 dabei, als die Alliierten die Deutschen in die Knie zwangen. Als die Amerikaner die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald befreiten, formulierte Miller in einem Artikel, den sie zu ihren Fotografien veröffentlichte, ihre Verachtung für die Deutschen. Sie seien "widerwärtig, unterwürfig und heuchlerisch".

Krieg in Farbe einfangen

Obwohl Miller viel von dem, was sie nach Kriegsende sah, für sich behielt, dienten ihre Bilder anderen Kriegskorrespondentinnen als Inspiration. Sie fühlten sich ermutigt, Geschichten einzufangen, zu denen ihre männlichen Kollegen möglicherweise keinen Zugang hatten.

Eine von ihnen ist die US-Amerikanerin Susan Meiselas. Die Fotografin berichtete über die humanitären Krisen in Mittel- und Südamerika in den 1970er und 1980er Jahren. Für ihr Engagement wurde sie für den "Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019" nominiert. 

Hinter einer Maske versteckt ein Kämpfer im Bürgerkrieg von Nicaragua sein Gesicht, Foto von Susan Meiselas (Susan Meiselas/Magnum Photos)

Hinter einer Maske versteckt ein Kämpfer im Bürgerkrieg von Nicaragua sein Gesicht, Foto von Susan Meiselas

Als einer der ersten machte sie die amerikanische Öffentlichkeit auf den Bürgerkrieg in Nicaragua aufmerksam. Dabei verzichtete Meiselas darauf, die Grausamkeiten der Schlachtfelder zu fotografieren, sondern setzte auf eine subtilere Bildsprache. Ein Foto zeigt etwa einen weißen Handabdruck auf einer roten Tür; ein Hinweis darauf, dass sich ein Todeskommando im Haus eines Bauern aufgehalten hatte.

Anfangs war Meiselas Einsatz von Farbfotografie umstritten. Bis dahin gab es nur Aufnahmen vom Krieg in Schwarz-Weiß. Die Verwendung von Farbe hat sich in der digitalen Arena fortgesetzt. Heute werden damit Akzente gesetzt, um den Blick des Betrachters auf bestimmte Aspekte einer Szene zu lenken.

Krieg im Alltag

Christine Spengler, eine Zeitgenossin von Meiselas, ist eine weitere Fotografin, die sich mit den Folgen des Krieges für die Zivilbevölkerung beschäftigt hat. Sie wurde inhaftiert, weil sie Bilder eines regionalen Konflikts im Tschad in den 1970er Jahren aufgenommen hatte. Während des Konflikts in Nordirland fotografierte sie Kinder, die auf der Straße spielten. In Vietnam hielt sie mit der Kamera eine Frau fest, die die Stiefel von US-GIs polierte. Außerdem fotografierte sie Frauen im Tschador, die durch einen Friedhof im Iran gingen. In der Westsahara fotografierte sie eine Mutter, die ein Kind trug, während ihr von der Schulter eine Waffe baumelte. 

Baby auf der einen Seite, Waffe auf anderen. So sieht der Alltag im Krieg aus. Foto von Christine Spengler (Christine Spengler/Sygma/Corbis)

Baby auf der einen Seite, Waffe auf anderen. So sieht der Alltag im Krieg aus. Foto von Christine Spengler

Spenglers Werk scheint auf den ersten Blick eine "weichere" Seite des Krieges zu dokumentieren. Ihr Fokus liegt auf den Lebenden und nicht auf den Toten. Doch gerade durch den Verzicht auf die Darstellung der grausamen Seiten des Krieges, von Tod und Zerstörung, ist Spengler in der Lage, die Auswirkungen des Kriegs auf den Alltag zu zeigen. Das macht die Konflikte für Unbeteiligte nachvollziehbarer.

Frauen liefern Perspektiven

Spengler reist heute nicht mehr in Konfliktgebiete. Das müsse sie auch gar nicht. Die Folgen der Kriege seien vor der Haustür spürbar, sagt die in Paris lebende Fotografin mit Blick auf die Situation im Dschungel von Calais, wo jahrelang Flüchtlinge unter erbärmlichen Bedingungen hausten.

Trotzdem sind auch die Kriegsbilder aus fernen Ländern durch die digitale Fotografie und die Fülle online verfügbarer Bilder näher gekommen. Sie machen die Realitäten des Krieges für alle - ob sie es wollen oder nicht - sichtbar.

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