Ausschreitungen nach umstrittener Wahl in Bolivien | Aktuell Amerika | DW | 22.10.2019
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Südamerika

Ausschreitungen nach umstrittener Wahl in Bolivien

Anhänger des Oppositionskandidaten lassen ihrer Wut über den angeblichen Wahlbetrug freien Lauf. Auch externe Wahlbeobachter zeigen sich besorgt über die überraschende Trendwende bei veröffentlichten Teilergebnissen.

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Tausende protestieren in La Paz

Bei der Veröffentlichung von Teilergebnissen am Sonntagabend hatte alles noch auf eine Stichwahl um das Präsidentenamt hingedeutet: Der sozialistische Amtsinhaber Evo Morales und sein gemäßigt konservativer Herausforderer Carlos Mesa lagen Kopf an Kopf. Dann wurden neue Teilergebnisse veröffentlicht, die Morales als Sieger des ersten Wahlgangs zeigten und eine Stichwahl überflüssig machten. Mesa sprach von "Betrug", seine Anhänger gingen in mehreren Städten auf die Straße.

In Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt des Landes, wurde der örtliche Sitz der Wahlbehörde in Brand gesetzt. Außerdem kam es zu Plünderungen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP und örtliche Medien berichteten. Nach einer fast 24-stündigen, umstrittenen Aussetzung der Auszählung sind die vorläufigen Stimmenzahlen nun aktualisiert worden. Der obersten Wahlbehörde zufolge liegt nach Auszählung von rund 95 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Morales mit 46 Prozent in Führung. Mesa erreicht demnach 37 Prozent.

Bolivien Präsident Evo Morales (Reuters/U. Marcelino)

Amtsinhaber Morales zeigte sich bereits beim Urnengang am Sonntag optimistisch

Für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat nach bolivianischem Wahlrecht entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mehr als 40 Prozent und mindestens zehn Prozentpunkte Abstand zum Zweitplatzierten. Dieser Abstand hatte sich zuletzt den zehn Punkten genähert.

Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) äußerten sich "zutiefst besorgt und erstaunt" über die Trendwende bei den Teilergebnissen zwischen Sonntag und Montag. Diese sei "nur schwer zu erklären". Mesa hatte bereits im Verlauf des Montags erklärt, Morales wolle mit Hilfe der Wahlkommission "den Weg zu einer zweiten Wahlrunde versperren". Er werde diese Ergebnisse nicht anerkennen.

Bislang hatte Morales, der erste indigene Staatschef Boliviens, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit ist umstritten, da die Verfassung dies eigentlich verbietet. Das oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember ein erneute Kandidatur des Amtsinhabers genehmigt.

djo/se (afp, rtr)

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