Ausschreitungen nach Selbstverbrennung in Tunesien | Aktuell Afrika | DW | 26.12.2018
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Tunesien

Ausschreitungen nach Selbstverbrennung in Tunesien

Die arabischen Aufstände begannen 2010 mit der Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers in Tunesien. Nun hat sich dort erneut ein Mann selbst angezündet. Nach Ausschreitungen nahm die Polizei einen Jugendlichen fest.

Die Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien hat in dem nordafrikanischen Land Ausschreitungen ausgelöst. Nach der Beerdigung des 32-jährigen Abdel Razaq Zorgi errichteten dutzende Demonstranten in Kasserine im Westen des Landes eine Barrikade aus brennenden Autoreifen und blockierten die Hauptverkehrsstraße. Die Polizei setzte Tränengas ein. Dabei wurden nach Angaben des Innenministeriums sechs Sicherheitskräfte leicht verletzt, neun Menschen seien festgenommen worden. Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz auf den Hauptstraßen.

Der Journalist aus Kasserine war am Montagabend seinen Verletzungen erlegen, nachdem er sich aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region Kasserine selbst angezündet hatte. In einem Video hatte er gesagt, er wolle eine Revolution starten. Kasserine liegt 270 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt.

Wütende Proteste nach der Festnahme

Die Polizei nahm einen 18-Jährigen fest. Nach Angaben des Innenministeriums stammt er ebenfalls aus Kasserine. Ihm wird eine Beteiligung an der "Revolution" vorgeworfen. Nach der Festnahme kam es in Kasserine und Tunis abermals zu wütenden Protesten. Auf einem Banner in einer der zentralen Straßen von Tunis stand "Genug!".

Die Unzufriedenheit in dem Land ist groß

Eine Selbstverbrennung in Tunesien hatte Ende 2010 den Arabischen Frühling ausgelöst. Am 17. Dezember 2010 hatte sich in Sidi Bouzid der junge Gemüsehändler Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Lage angezündet und damit landesweite Proteste ausgelöst - auch in Kasserine.

Der Aufstand trieb im Januar 2011 den langjährigen Machthaber Zine El Abidine Ben Ali aus dem Amt und inspirierte ähnliche Proteste in Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und Syrien. Tunesien gelang als einzigem Staat der Region der Übergang in die Demokratie.

Vor allem bei jungen Tunesiern ist jedoch die Unzufriedenheit wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage groß. Immer wieder kommt es gerade in der Winterzeit, in Anlehnung an die Revolution, zu Protesten.

pg/as (dpa, afp)

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