Auslandsüberweisungen zum Schnäppchenpreis | Wirtschaft | DW | 28.10.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Auslandsüberweisungen zum Schnäppchenpreis

Wer ins Ausland Geld überweisen möchte, muss hohe Gebühren zahlen und Geduld mitbringen. Ein neuer Internetdienst verspricht nun einen unkomplizierten Geldtransfer - ohne versteckte Kosten.

"Hey, versteckte Gebühren. Ihr seid enttarnt." Dieser Spruch, der fast schon wie eine Drohung klingt, steht in großen Buchstaben auf der Internetseite des Start-ups TransferWise. Das neue Unternehmen macht es möglich, Geld ohne hohe Gebühren und zu durchschnittlichen Wechselkursen ins Ausland zu überweisen - "ganz ohne Kopfschmerzen", wie es weiter heißt.

Kopfschmerzen hatten nämlich die beiden Gründer, Taavet Hinrikus und Kristo Käärman, als die "zugereisten" Londoner in und aus ihrer Heimat Estland Geld überweisen wollten. "Diese Plattform haben wir aus der eigenen Not heraus gegründet", sagt Kristo Käärman im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Als ich nach London gekommen bin, musste ich immer noch Rechnungen in Estland in Euro bezahlen. Bei jeder Überweisung hat die Bank circa fünf Prozent des Betrags kassiert. Das hat mir nicht gefallen." Sein Freund und Kollege Taavet Hinrikus hatte ein ähnliches Problem. Er wurde in Euro bezahlt, obwohl er in London lebte, wo das britische Pfund gilt. Also haben die beiden Freunde ein System erfunden: Kriso überwies britische Pfund auf das Konto von Taavet. Und Taavet wiederum transferierte Euro auf Kristos Konto - gebührenfrei und zum offiziellen Devisenkurs. Die Idee für das Start-up war geboren.

Versteckte Kosten umgehen

2011 ging der Dienst erstmals online. Seit Mitte Oktober ist er nun auch in Deutschland verfügbar. Die neue Plattform kommt vor allem Migranten zugute, die in ihr Heimatland oft große Geldbeträge überweisen. Auch Unternehmen, die Mitarbeiter im Ausland bezahlen, können von diesem neuen Portal profitieren.

"51 Britische Pfund in Euro vor 22 Minuten", "3000 Britische Pfund in Euro vor wenigen Minuten" - auf der Internetseite sieht man, wie im Hintergrund die Überweisungen in Echtzeit laufen. Derzeit unterstützt der Dienst Währungstransfer unter anderem zwischen Euro, Britischem Pfund, Polnischen Zloty, georgischen Lari und ungarischem Forint.

Taavet Hinrikus and Kristo Käärman, die zwei Gründer von Transferwise sitzen auf einem Sofa (Foto: TransferWise)

Taavet Hinrikus and Kristo Käärman

Pro Überweisung kassiert TransferWise eine Gebühr von einem Euro, bei Überweisungen über 200 Euro sind dann 0,5 Prozent des Geldbetrags fällig. Die Banken erheben meist eine viel höhere Gebühr und verlangen zudem einen höheren Wechselkurs. TransferWise nutzt hingegen den offiziellen Devisenmittelkurs, die sogenannte "mid-market exchange rate", für die Überweisung in eine andere Währung. Nach Angaben von TransferWise wurden bislang mehr als 300 Millionen Euro über die Plattform bewegt. "Wenn ein Kunde britische Pfund in Euro nach Deutschland überweisen möchte, transferiert er den Betrag an das Konto von TransferWise in Großbritannien. Das Unternehmen wechselt das Geld zum offiziellen Devisenwechselkurs und überweist von seinem deutschen Konto an den Empfänger", erklärt Kristo Käärmann. Rund zwölf Millionen Euro sollen so die Kunden an Gebühren gespart haben, meldet das Unternehmen.

Und was machen die Banken jetzt?

Zwar belebt die Konkurrenz das Geschäft, doch es dürfte wohl kaum ein Unternehmen auf dieser Welt geben, das offen zugibt, sich über Konkurrenz zu freuen. Den Banken dürfte dieses neue Modell auch nicht schmecken. "Zwar ist TransferWise jetzt in Deutschland gestartet, aber das Unternehmen gibt es seit einigen Jahren. Die Banken und Sparkassen werden bestimmt schon darauf vorbereitet sein", denkt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Doch dass die Banken schnell darauf reagieren werden, das bezweifelt er. "Ein Start-up ist flexibel. Es hat die Möglichkeit, seine Strukturen ganz anders zu gestalten als eine Bank, die es schon seit Jahren gibt und nach einer bestimmten Art und Weise arbeitet. Die Banken tun sich meistens schwer, ganz neue Wege zu beschreiten", sagt Feck.

Und wie ist es um die Sicherheit bestellt?

Sorge um Sicherheitslücken und Datenklau haben alle Unternehmen - ob Großbanken oder Start-ups. Nur wer ist besser geschützt? Ist es sicherer, das Geld über eine Bank zu transferieren als per Mausklick über ein Start-up? "Im Online-Zahlungsverkehr kann es immer wieder zu Sicherheitsmängeln kommen. Das ist nicht nur ein Problem von TransferWise. Das könnte jeder Bank, die Onlinebanking anbietet, passieren", sagt Fleck von der Verbraucherzentrale. Kristo Käärman ist sogar überzeugt, dass seine Plattform sicherer ist: "TransferWise ist entsprechend der aktuellsten und strengsten Sicherheitsvorschriften gegründet. Außerdem ist da nichts, was gestohlen werden kann, denn TransferWise hält im Gegensatz zu einer Bank nicht das Geld seiner Kunden vor."

Die Redaktion empfiehlt