Auf der Konsole stimmen die Ergebnisse | Sport | DW | 08.09.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

eSports

Auf der Konsole stimmen die Ergebnisse

Klare Vorteile auf dem virtuellen Rasen: Im ersten Heim-Länderspiel seiner Geschichte schlägt die deutsche eSports-Nationalmannschaft die Niederlande deutlich.

Ein ganz lockeres 4:1 gegen die Niederlande, am Ende eine klare Sache für das deutsche Team. Der Bundestrainer sieht keine eigenen Schwächen und auch die Gegner in Oranje gratulieren respektvoll. Was auf dem Rasen ein schöner Traum für die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist, auf der Spielkonsole ist es Realität. Im ersten eLänderspiel gegen die Niederlande haben Weltmeister Mohammed "MoAuba" Harkous und sein Team dem Gegner aus dem Nachbarland keine Chance gelassen.

"Das war ein schwerer Gegner. Aber wir haben mit 4:1 nach Spielen gewonnen. Das hätten wir vorher genauso unterschrieben", zeigte sich "MoAuba" dennoch erleichtert. Nach dem FIFA eNations Cup im April in London war es erst der zweite Auftritt der deutschen eNationalmannschaft. Neben "MoAuba" hatte eBundestrainer Benedikt "SaLz0r" Saltzer den Deutschen Meister Michael "MegaBit" Bittner, Dylan "DullenMile" Neuhausen und Tim "TheStrxngeR" Katnawatos für das erste Heimspiel seines Teams berufen.

Zwei Siege im Elfmeterschießen

Und die machten ihre Sache gut. "DullenMike" und "TheStrxngeR" gewannen ihr gemeinsames Auftaktspiel im Elfmeterschießen. Im ersten Einzel schlug "MoAuba" dann relativ souverän die niederländische Nummer Eins Dani "Ajax Dani Hagebeuk. Im dritten Spiel machte "MoAuba" im Doppel mit "MegaBit" den vorzeitigen Sieg perfekt. Gegen Bryan "bryanhessing" Hessing und "Ajax Dani" lief das deutsche Duo zwar lange einem Rückstand hinterher, gewann aber schließlich - wiederum im Elfmeterschießen, eben auch virtuell eine deutsche Spezialität.

"Wir können insgesamt sehr zufrieden sein, dass wir einen positiven Start in die neue Saison hingelegt haben und werden einiges an Motivation mitnehmen", resümierte "MegaBit".

Mohammed MoAuba Harkous (l.) und Michael “MegaBit” Bittner im Porträt (Foto: picture-alliance/dpa/A. Arnol)

Erfolgreich auch im Doppel: Mohammed "MoAuba" Harkous (l.) und Michael "MegaBit" Bittner

Premiere für FIFA20

Beide Teams spielten mit ihren jeweils aktuellen Nationalmannschaften. Die deutschen Top-Scorer: Timo Werner und Marco Reus. Dass es das erste offizielle Spiel mit der neuen Version der Fußballsimulation "FIFA" war, gab dem Aufeinandertreffen eine zusätzliche Würze. Da auch die Spieler "FIFA20" bisher kaum testen konnten, fiel es ihnen schwer, sich auf die Gegner einzustellen, "MegaBit" analysierte: "In FIFA19 weiß ich genau, wie "Ajax Dani" spielt. Aber die neue Version hat eine ganz andere Spieldynamik. Ich musste erst auf die eigene Leistung gucken und konnte dann erst checken, was der Gegner macht."

Für "MoAuba" wird das Spiel durch das Update anspruchsvoller: "Man muss jetzt manuell verteidigen, wo früher der Computer viel geholfen hat. Das verhindert, dass du dich einfach nur hinten reinstellst." Diese Neuerung sieht auch "MegaBit" als gravierendste Veränderung: "Die Verteidiger müssen intelligent in die Zweikämpfe gehen, damit der Ball dann auch wieder zum Mitspieler geht. Man wird nun für defensives Pressing viel mehr belohnt als früher."

Studioatmosphäre anstatt Stadion

Die Nationalspieler am Controller haben die Abwehraufgaben jedenfalls besser gelöst, als ihre realen Kollegen auf dem Platz. Während das Team von Bundestrainer Joachim Löw im ausverkauften Volksparkstadion auflief, zockten die eNationalspieler in steriler Studioatmosphäre etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt. Nur per Livestream im Internet konnten eSport-Fans die Partien verfolgen. Ein kleiner Wermutstropfen für die Spieler, wie "MoAuba" zugab: "Ich bin eigentlich immer für Zuschauer. Online sind zwar auch immer viele Fans dabei, aber die sehe ich nicht. Wenn Tausende von Leuten in der Halle sind, wie bei den ganz großen Turnieren, dann möchte ich denen zeigen, was ich kann. Ich genieße dann die Atmosphäre und bin überhaupt nicht nervös."

Bis die deutsche eNationalmannschaft in ausverkauften Hallen spielt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Denn im Fokus der Macher stehen weiterhin die bereits etablierten Turnierserien auf Teamebene. Sich im Nationaltrikot vor den Monitor zu setzen und die Nationalhymne zu hören, ist für die Spieler daher auch noch ein sehr ungewohntes Gefühl, meinte "MegaBit": "Es ist noch einmal etwas ganz anderes, seine Nation vertreten zu dürfen, ein ganz anderer Druck für uns Spieler. Bei Werder Bremen weiß ich, dass ich quasi nicht ersetzbar bin. Bei der eNationalmannschaft ist es wie im echten Fußball. Wenn ich da nicht performe, bin ich fürs nächste Mal vielleicht gar nicht mehr die erste Option. Im Endeffekt genieße ich die Länderspiele aber dann doch umso mehr, weil es eine Anerkennung ist, seine Nation vertreten zu dürfen."

Keine Rivalität zwischen Deutschland und Niederlande

Und das auch noch gegen den alten Fußball-Rivalen aus den Niederlanden. Wobei die Simulation hier vielleicht am deutlichsten von der Realität abweicht: "Es gibt zwischen uns nicht die Rivalität, wie im realen Fußball", nimmt "MoAuba" die Brisanz aus der Paarung. "Es war ja auch das erste eLänderspiel zwischen den beiden Nationen. Das ist jetzt noch kein Klassiker mit Spielen aus der Vergangenheit, die eine Rivalität begründen würden."

Aber die Geschichte der eNationalmannschaft hat ja auch gerade erst begonnen.

Die Redaktion empfiehlt