Athleten wollen mehr Kanzlerin | Aktuell Deutschland | DW | 12.08.2018
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Leichtathletik EM

Athleten wollen mehr Kanzlerin

"Im Fußball geht's!" - deutsche Leichtathleten haben sich bitterlich über das Fehlen der Bundeskanzlerin bei der Leichtathletik Europameisterschaft beschwert. Aber Angela Merkel war verhindert.

Es ist eine wirklich tolle Leichtathletik Europameisterschaft, die gerade an diesem Sonntag in der deutschen Hauptstadt Berlin zu Ende geht. Da sind sich alle Beobachter einig. Die Stimmung im Berliner Olympiastadion war phantastisch und getragen von dieser Sympathiewelle liefern deutsche Sportler eine wahrhaft große Menge an Medaillen. Wer fehlt? Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und der für den Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer schwänzte die Veranstaltung auch.

Das ist auch den Sportlern aufgefallen. Kugelstoßerin und EM-Zweite Christina Schwanitz warf der Bundeskanzlerin im ZDF vor, keinen Abstecher zur EM gemacht zu haben. "Was ich mich frage: Warum war Frau Merkel nicht da?", fragte sie. "Nach Rio de Janeiro kann sie fliegen und ist mehrere Tage nicht auf Arbeit. Im Fußball geht's", meinte die Ex-Weltmeisterin mit Blick auf Merkels Reise zum WM-Endspiel 2014 in Brasilien zwischen Deutschland und Argentinien.

Christina Schwanitz (Getty Images/A. Hassenstein)

Kugelstoßerin Schwanitz: "Nach Rio kann sie fliegen"

Auf den Hinweis des Moderators, dass Merkel im verdienten Urlaub sei, sprang Zehnkampf-Europameister Arthur Abele der Kugelstoßerin zur Seite: "Man kann trotzdem einen kleinen Abstecher machen oder vielleicht einen kleinen Gruß ins Stadion schicken, das ist nicht verkehrt." Der Zehnkämpfer verwies auch auf die Möglichkeiten in den sozialen Medien: "Dann wäre das für alle eine tolle Situation." 

Merkel schaut dem Raubtier ins Auge

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages hat sich der Kritik angeschlossen. "Ich bedauere es nach wie vor, dass die Bundeskanzlerin Großveranstaltungen außerhalb des Fußballs ignoriert. Besonders, wenn so eine großartige Veranstaltung wie die Europameisterschaften in Berlin stattfinden", so Dagmar Freitag. Es tue ihr leid für die Athleten, dass sie auch wahrnehmen müssten, "dass der Fußball selbst dann eine Sonderstellung hat, wenn so eine überragende Veranstaltung der olympischen Kernsportart Leichtathletik im eigenen Land stattfindet", sagte die SPD-Politikerin. 

"Das ist für uns enttäuschend und Ausdruck der Geringschätzung der Sportarten außerhalb des Fußball", sagte Clemens Prokop, Präsident des EM-Organisationskomitees. "Was uns tröstet: Sie hat großartige Momente bei der Leichtathletik-EM verpasst." 

Das sieht Vize-Europameisterin Nadine Müller ähnlich: "Es ist traurig und schade, dass die Bundeskanzlerin es nicht so in ihrem Fokus sieht, die Leichtathletik etwas zu unterstützen, gerade wenn eine EM in der Hauptstadt ist", sagt sie. "Für uns alle hätte das noch mal einen Push gegeben, wenn sie ins Stadion gekommen wäre."

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik Verbands Jürgen Kessing versuchte die Wogen zu glätten und nahm Merkel in Schutz. "Die Kanzlerin hat neben dem Besuch von Sportveranstaltungen noch anderes Wichtiges zu tun", meinte er.

Und das wäre? Am Sonntag befand sich die Kanzlerin Aug in Aug mit einem Raubtier. Bei einem Besuch in Südspanien bei Ministerpräsident Pedro Sánchez und dessen Ehefrau Begona wurde Merkel zusammen mit ihrem Mann Joachim Sauer bei einer Aufzuchtstation für den Iberischen Luchs gesichtet.

nob/AR (dpa, ZDF)

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