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Art Cologne versucht Comeback

Sabine Oelze29. Oktober 2003

Seit Mittwoch (29.10.) treffen sich Galeristen und Kunstfans auf dem Internationalen Kölner Kunstmarkt, der Art Cologne. Das einstige Flagschiff dümpelt jedoch nur noch im internationalen Gewässer.

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Kunst muss nicht tot sein! Der Beweis: Das lebende Kunstobjekt "Academy no Pussy"Bild: AP

Auf dem Kölner Kunstparcours, der Art Cologne, begegnen dem Besucher Werke von höchster Qualität - aber kaum Höhepunkte. Alles wirkt etwas gediegen, großformatige Malerei dominiert. Böse Zungen reden von "Vorstandsetagendekoration". Es gibt aber auch ein paar museumsreife Werke: ein Gemälde von Henri Matisse präsentiert vom Londoner Galerist Amaly Juda - zu haben für 4,25 Millionen Euro. Gleich daneben atelierfrische Aquarelle von Pop-Art-Mitbegründer David Hockney für 400.000 Euro.

Der Art Cologne fehlt das Salz in der Suppe

Das Messeflaggschiff Art Cologne ist angeschlagen. Schon seit Anfang der 1990er Jahre kehren immer mehr international tonangebende Galeristen und Sammler Köln den Rücken. Europäische und vor allem amerikanische Szenestars lassen sich auf der Messe nicht mehr blicken. Der ehemals angesehenste Kunstmarktplatz der Welt droht in die provinzielle Bedeutungslosigkeit abzudriften.

"Es gibt viele Theorien, warum die Art Cologne nicht mehr das ist, was sie war," erklärt Gérard Goodrow, der frisch gebackene Direktor der Art Cologne, "meiner Meinung nach fing es mit dem ersten Golfkrieg an. Die Amerikaner hatten Flugangst und blieben weg. Zur ungefähr gleichen Zeit gab es einen Kunstmarkt-Crash, dann in Deutschland die Wiedervereinung, die die Bürger viel Geld kostete, und schließlich die Einführung des Euro."

Damit die Art Cologne wieder das schillernde Kunst-Event wird, das es einmal war, wurde der 39-jährige Amerikaner Gérard Goodrow eingestellt. In der Kunstszene scheint er gut anzukommen, so auch bei der Galeristin Monika Sprüth: "Ich finde es super, dass endlich eine vernünftige Person, die sich auskennt, die die Kunst und die Galeristen kennt, dass die endlich eine vernünftige Position hat. Einen Gerard Goodrow haben wir seit fünf Jahren gefordert - leider ist er ein bisschen spät gekommen."

Viel Konkurrenz aus Europa

Zu spät, denn zusätzlich zu Paris, Miami, Turin und Berlin macht noch eine weitere Kunstmesse der Art Cologne ihren Rang streitig. Erst vor einer Woche ist in London die erste Frieze-Art-Fair für zeitgenössische Kunst zu Ende gegangen und hat mit Umsatzrekorden geschlossen. Monika Sprüth ist deshalb skeptisch, ob Köln jemals wieder in der ersten Liga mitspielen kann: "Es wird sehr schwierig sein, das internationale Publikum, das dahin fährt, wieder nach Köln zu locken."

Rauhfaser weg - VIP Karte her

Der neue Direktor Goodrow ist mit einem umfangreichen Reformpaket angetreten. Längst überfällig hat er der Messe einen neuen Look verpasst: Die Rauhfaser-Tapete, die der Messe ihren unverwechselbar muffigen Touch verlieh, ist weg, die Würstchenbuden wurden optisch aufgepeppt. Außerdem soll eine VIP-Karte helfen, handverlesene Künstler auf die Messe zu holen. Voller Überzeugung spricht Goodrow vom Standortfaktor Köln.

Vor allem bei seinen Landsleuten will der Amerikaner mit den rheinischen Vorzügen werben: "Ich bin selbst Ami und ich weiß, wie schlecht unsere Geographiekenntnisse sind. Wenn man denen klar macht, was hier alles drum herum ist: Wir haben x-verschiedene Städte und Institutionen anzubieten, wir haben den best-bezahlten lebenden Maler Gerhard Richter, in Köln gibt es hervorragende Privatsammlungen, mindestens ein Dutzend könnten Privatmuseen bestücken."

Gute Hoffnung der Galeristen

250 Galeristen aus 22 Ländern stellen Werke von der klassisch-modernen Malerei bis zur unmittelbaren Gegenwartskunst aus. Trotz Wirtschaftsflaute hoffen die Fachleute auf guten Absatz, so auch der Galerist Michael Schulz: "Im Moment gibt es entgegen aller Prognosen und Wirtschaftsdaten eine sehr gute Stimmung für das, was wir tun und es ist viel Geld da. Und es wird auch sehr viel Geld in Kunst angelegt, das ist erfreulich."