Apples Streamingdienst: Netflix und Amazon bekommen Konkurrenz | Digitales Leben | DW | 25.03.2019
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Streamingdienste

Apples Streamingdienst: Netflix und Amazon bekommen Konkurrenz

Noch dominieren Netflix und Amazon den Streaming-Markt. Doch mit Apple steigt ein weiteres Schwergewicht in den Ring. Zwei weitere Konkurrenten stehen bereits in den Startlöchern.

Lange sah es so aus als würden Netflix und Amazon um den Kampf um den Streaming-Thron unter sich ausmachen. Doch nun steigt auch Apple mit einer eigenen Plattform in den Markt ein. Für einzelne Projekte gewann der Konzern bekannte Regisseure wie Steven Spielberg und J. J. Abrams sowie Hollywood-Stars wie Jennifer Aniston und Reese Witherspoon. Während auch in Deutschland die Fernsehsender immer mehr auf eigene Streamingdienste setzen, droht aus den USA noch weitere Konkurrenz. Hier sind die wichtigsten Anbieter im Überblick.

1. Netflix - der Pionier

Mit ihm fing alles an. Gegründet wurde das Unternehmen 1997 in Kalifornien. Damals wählten die Nutzer die Filme online aus und bekamen sie anschließend analog per Post zugeschickt. 2007 folgte dann der Durchbruch als Streaming-Portal. Eine deutsche Version von Netflix gibt es erst seit 2014. Netflix ist mit rund 140 Millionen Kunden der größte Streaming-Anbieter - und das buchstäblich weltweit: Vom Angebot ausgeschlossen sind derzeit lediglich China, Nordkorea, die Krim und Syrien. Seit 2011 gibt es exklusive Eigenproduktionen zu sehen, gleich mit der ersten Eigenproduktion "House of Cards" landete Netflix einen Riesenerfolg. Heute sind es weit mehr als 100, darunter Serien-Suchtstoffe wie "Narcos", "Stranger Things" und "The Crown". Mittlerweile produziert Netflix auch fremdsprachige Serien, in Deutschland zuletzt "Dark" und "Dogs of Berlin".

2. Amazon Prime Video - der Herausforderer

Der Gigant des Online-Versandhandels lässt es sich natürlich nicht nehmen, auf dem neuen Video-on-Demand Markt mitzumischen. Das hat allerdings etwas gedauert ,und seit dem Start 2014 gab es bereits einige Namensänderungen: Amazon Prime, Amazon Instant Video, Amazon Video und jetzt Prime Video. Laut der ARD/ZDF-Online-Studie ist dieser Streaming-Dienst der beliebteste in Deutschland. Attraktiv an der Nutzung ist die schiere Menge: Neben zahlreichen kostenpflichtigen Filmen und Serien gibt es auch ein großes Angebot an kostenlosen Inhalten - insgesamt mehr als 20.000 Filme und Serienepisoden. Hinzu kommt eine Online-Videothek, in der man gegen Gebühr zusätzlich mehr als 100.000 Titel leihen kann, darunter Neuerscheinungen und aktuelle Serien. Neu hinzugekommen sind nun auch eigene Kanäle in Sparten wie Sport, Unterhaltung oder Horror, die man ebenfalls einzeln buchen kann.

3. Sky Ticket - der "Deutsche"

1990 unter dem Namen Premiere als bislang größter deutscher Pay-TV-Anbieter gestartet, mischt das Unternehmen aus Unterföhring bei München, mittlerweile in Sky umbenannt, seit 2016 auf dem Streaming-Markt mit. Und zwar mit qualitativem statt quantitativem Angebot. Dazu zählen angekaufte Serien-Dauerbrenner wie "Game of Thrones" oder "The Walking Dead" und vor allem Eigenproduktionen wie "Babylon Berlin" und "Das Boot".

Szene aus der TV-Serie Game of Thrones. Ein Mann mit Schwert und Rüstung steht blutverschmiert auf dem Schlachtfeld (picture-alliance/dpa/AP/HBO/H. Sloan)

Auch die letzte Staffel von "Game of Thrones" wird in Deutschland auf Sky laufen

4. Apple TV Plus - der Spätzünder

Lange wurde er erwartet, nun soll er endlich kommen. Schon Apple-Gründer Steve Jobs hatte mit dem Gedanken gespielt, in den Streaming-Markt einzusteigen - konnte die Idee vor seinem Tod 2011 aber nicht realisieren. Acht Jahre später stagnieren die Verkaufszahlen von iPhone und Co,. und Apple versucht nun, mit digitalen Abos neue Kunden zu gewinnen und alte zurückzuholen. Doch wahrscheinlich sind die meisten "Apple-Jünger" schon längst bei der Konkurrenz. Das wertvollste Unternehmen der Welt wird sich also auf dem Streaming-Markt einen Kampf mit den Giganten liefern müssen. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings nicht schlecht. Erstens: Apple hat eine eigene Infrastruktur und Hunderte Millionen von Nutzern weltweit, die auf seine Produkte schwören. Zweitens: Für seine Produktionen hat das Unternehmen vielversprechende Film- und Fernsehgrößen wie Oprah Winfrey, Reese Witherspoon und Steven Spielberg verpflichtet. Und drittens verfügt Apple über finanzielle Ressourcen, von denen Netflix (noch) nicht einmal zu träumen wagt. Apple TV Plus soll im Herbst in den USA und Großbritannien starten. Wann und ob er in Deutschland verfügbar sein wird, ist bislang noch nicht bekannt.  

5. Die Öffentlich-Rechtlichen - Traum von der "Super-Mediathek" 

ARD, ZDF und Co. können mit einem vielfältigen und qualitativ hochwertigen Programm auftrumpfen. Auf dem Streaming-Markt konnten sie sich bisher aber nicht wirklich etablieren. Das liegt zum einen daran, dass das Programm nirgendwo gebündelt abgerufen werden kann, sondern jeder Sender seine eigene Mediathek betreibt. Außerdem sind die Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen nur zeitlich begrenzt im Internet abrufbar. Auch lizenzierte Inhalte dürfen maximal 30 Tage gestreamt werden.

Versuche von ARD und ZDF, die Inhalte aller Sender in einer "Super-Mediathek" zu bündeln, wurden vom Bundeskartellamt unterbunden. Doch die Idee ist noch nicht vom Tisch und wird vor allem vom aktuellen ARD-Chef Ulrich Wilhelm energisch verfolgt. Die Hürden von Gesetzgeber und Verlagen sind allerdings hoch.

Szene aus: Unsere Mütter, unsere Väter. Zwei Männer in Wehrmachtsuniform vor einem zerstörten Haus (picture-alliance/dpa/J. Wolf)

Der ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, Unsere Väter" wurde sogar in den USA ausgezeichnet

6. Die Privaten - Trend zur Eigenproduktion

Auch die privaten Medienkonzerne mischen auf dem Streaming-Markt mit. Die RTL-Gruppe bietet das Programm seiner Sender sowie eingekaufte Filme und Serien gebündelt auf der Plattform TV NOW an. Mit hochkarätigen Eigenproduktionen wie der Serie "M - Stadt sucht einen Mörder" will RTL zusätzliche Abonnenten für seine Streamingdienst gewinnen. Auch die ProSiebenSat1-Tochter Maxdome setzt vermehrt auf Eigenproduktionen: 2017 erschien die Comedyserie "Jerks." Um den US-Riesen aber tatsächlich Paroli bieten zu können, haben auch die Privaten die Idee einer gemeinsamen "Super-Mediathek" ins Auge gefasst. Bisherigen Versuchen einer Kooperation von ProSiebenSat1 und der RTL-Gruppe hat das Bundeskartellamt allerdings ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Filmstill Serie M - Eine Stadt sucht einen Mörder. Ein Mann hält ein schlafendes Baby mit einer Hand hoch (picture-alliance/dpa/TVNOW)

Hochkarätig besetzt: Lars Eidinger in "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

7. Pantaflix - für Feinschmecker

Wie der Name schon vermuten lässt, steckt der deutsche Schauspieler und Produzent Matthias Schweighöfer hinter dieser Video-on-Demand-Plattform (seine Produktionsfirma heißt "Pantaleon Films"). Hier wird seit 2016 nicht auf Blockbuster, sondern auf ausländische Arthouse-Filme gesetzt. Independent-Filmemacher können ihre Werke auch gleich selbst hochladen. Die Idee dahinter ist, Auswanderern und Vielreisern Titel aus ihrer Heimat und vor allem in ihrer Sprache online zur Verfügung zu stellen: "Zuhause ist just a movie away" verspricht der Slogan. Bezahlt wird nicht, wie derzeit üblich, im Abo, sondern pro gewähltem Film oder Serie.

8. Disney und Warner - Streaming-Giganten in den Startlöchern  

Von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet fand in den USA die wohl größte Übernahme in der Geschichte der Medienbranche statt. Mitte März 2019 kaufte Disney große Teile von 21st Century Fox für die gigantische Summe von 71 Milliarden US-Dollar. Hintergrund ist der diesjährige Start von Disneys Streamingdienst Disney+. Mit dem Kauf von Fox hat sich das Hollywood-Studio nun unter anderem die Rechte an Hochkarätern wie "Die Simpsons", "Star Wars" und Marvel-Helden wie "Deadpool" und "Spider Man" gesichert. Neben Filmen und Serien von Disney, Pixar, Marvel und Co. werden wohl in Zukunft auch Fox-Produktionen wie "Family Guy" und "How I Met Your Mother" von Netflix und Co. verschwinden und nur noch auf Disney+ zu sehen sein.

Filmstill aus The Simpsons Frink Gets Testy (2018). Die Simpsons sitzen auf dem Sofa und gucken auf den Fernseher (picture-alliance/Everett Collection/20th Century Fox Film Corp.)

Kultserie "Die Simpsons": Bald nur noch bei Disney+?

Auch Warner Bros. plant einen eigenen Streamingdienst. Damit könnten Kultserien wie "Friends" und "The Big Band Theory" bald exklusiv dort zu sehen sein. Kern des neuen Warner-Angebots soll das Programm des Pay-TV-Senders HBO sein. Serienhits wie "Game of Thrones" oder "Westworld" könnten somit zum Aushängeschild des neuen Streamingdienstes werden. Fest steht: Neben Apple werden auch die beiden Hollywood-Fabrikenden Streamingmarkt gehörig aufmischen und Marktgrößen wie Netflix und Amazon erstzunehmende Konkurrenz machen.

 

 

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