Anklage gegen frühere DFB-Bosse | Sport | DW | 23.05.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

WM 2006-Affäre

Anklage gegen frühere DFB-Bosse

Die Ex-DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach müssen sich in der Affäre um die WM 2006 vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen des Verdacht der schweren Steuerhinterziehung.

Die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger müssen sich in der "Sommermärchen"-Affäre persönlich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Mitte Mai Anklage wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung erhoben. Im Kern geht es um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die nach Ansicht der Ermittler vor 13 Jahren aufgrund eines privaten Deals von Franz Beckenbauer geflossen sind.

Zwanziger bestätigte die Anklage, über die zunächst von der "Bild"-Zeitung berichtet worden war. Der 72-Jährige wies den Vorgang aber als "blinden Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken" zurück. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen", sagte der Jurist, der zum fraglichen Zeitpunkt 2005 als DFB-Präsident im Amt war. Niersbach, damals Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Gala, die nie stattgefunden hat

Angeklagt sind auch der damalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und laut "Bild" der Ex-Generalsekretär des Weltverbandes FIFA, der Schweizer Urs Linsi. Über die FIFA war 2005 die Millionenzahlung, die der DFB in seiner Steuererklärung für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, abgewickelt worden. Empfänger war der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer maßgeblich beteiligt war, an den skandalumwitterten ehemaligen FIFA-Funktionär Mohamed Bin Hammam in Katar geflossen. Seit dem Ausbruch der Affäre im Herbst 2015 kursieren verschiedene Theorien, warum Bin Hammam das Geld bekam. Dass damit nachträglich Stimmen für die Vergabe der WM 2006 bezahlt wurden, wies der 69-Jährige zurück ("Es war nicht für die WM").

Mohamed bin Hammam (picture-alliance/dpa/A. Yusni)

Das frühere FIFA-Exekutivmitglied Bin Hammam wurde 2011 wegen Korruption lebenslang gesperrt

Privatdarlehen - ja oder nein?

Die Süddeutsche Zeitung berichtete zuletzt, dass Beckenbauer damals für ein Darlehen gebürgt habe. Spekuliert wird über Geschäfte mit TV-Rechten. Weil Beckenbauer für seine Tätigkeit als Chef des WM-Organisationskomitees zumindest offiziell keine Vergütung erhalten habe, habe das OK 2005 einstimmig beschlossen, diesen Schuldbetrag auszugleichen. Beckenbauer selbst, gesundheitlich offenbar angeschlagen, schweigt seit Monaten zu den Vorgängen.

Schmidts Anwälte betonten, "es gab kein Privatdarlehen an Herrn Beckenbauer". Dies sei "eine Erfindung der Steuerfahndung, um den von Anfang an unzutreffenden Vorwurf der Steuerhinterziehung um jeden Preis aufrechterhalten zu können". Der 76-Jährige selbst fühlt sich durch die Anklage verletzt. "Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen", sagte Schmidt.

DFB ist bereits belangt worden

Das Finanzamt Frankfurt am Main hatte bereits Ende Oktober 2017 entschieden, dass die 6,7 Millionen vom DFB an Louis-Dreyfus steuerlich "unzutreffend" behandelt worden seien. Der Fiskus verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro. Der DFB, der seine Führungsspitze inzwischen komplett ausgetauscht hat, beharrt weiterhin darauf, die Zahlung sei betrieblich veranlasst gewesen. Die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft schwächen die These erheblich.

Zwanziger ist anderer Meinung. "Der Zuschuss für die FIFA-Gala war unzweifelhaft eine Betriebsausgabe, wie auch die Wirtschaftsprüfer von DFB und FIFA, sowie die im Jahr 2009 durchgeführte Betriebsprüfung durch das Finanzamt Frankfurt festgestellt haben", sagte der Ex-DFB-Chef. Da habe ich mir nichts vorzuwerfen."

sw/sn (sid, dpa)