Ajax hofft auf den nächsten Coup | Sport | DW | 15.04.2019
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Viertelfinale

Ajax hofft auf den nächsten Coup

Nach dem 1:1 im Hinspiel ist der italienische Serienmeister Juventus Turin im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Ajax Amsterdam in der Favoritenrolle. Doch das war Real Madrid in der Runde zuvor auch.

Niederlande: Ajax vs. Excelsior | Huntelaar trifft für Ajax (picture-alliance/PRO SHOTS/E. Pasman)

Klaas-Jan Huntelaar (l.) erzielt den ersten seiner drei Treffer gegen Excelsior Rotterdam

Mit einer weiteren Galavorstellung haben sich die "jungen Wilden" von Ajax Amsterdam für das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League an diesem Dienstag bei Juventus Turin warmgespielt - wobei diesmal zwei Oldies die Matchwinner waren. "Meine Jugend dauert einfach sehr lange", sagte der 35 Jahre Ex-Schalker Klaas-Jan Huntelaar, nachdem er beim 6:2 (3:1)-Erfolg am Samstag gegen Excelsior Rotterdam gleich drei Tore erzielt hatte. Der 30-jährige Serbe Dusan Tadic traf zweimal.

Den sechsten Treffer steuerte einer aus der Ajax-Talentabteilung bei: der 21 Jahre alte Däne Kasper Dolberg. Ajax liefert sich in der "Eredivisie", der niederländischen ersten Liga, ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der PSV Eindhoven. Dank des überragenden Torverhältnisses - Amsterdam hat bereits 106 Treffer in 30 Spielen erzielt - führt Ajax die Tabelle vor der punktgleichen PSV an.

Doch der italienische Serienmeister Juventus Turin ist ein anderes Kaliber als die meisten Gegner in der lokalen Liga. Das Starensemble um Cristiano Ronaldo holte im Hinspiel in der vergangenen Woche in Amsterdam dank eines Treffers des portugiesischen Superstars ein 1:1-Unentschieden. Ajax muss also mindestens ein Remis mit zwei Treffern hinbekommen oder gewinnen, um ins Halbfinale der Champions League einzuziehen.

Fußball UEFA Champions League Ajax Amsterdam - Juventus FC (Imago Images/Beautiful Sports)

Ronaldo traf im Hinspiel für Juve

"Ich sehe durchaus Chancen für uns", sagte der 21 Jahre alte Ajax-Verteidiger Noussair Mazraoui, der in Turin möglicherweise die Bewachung Ronaldos übernehmen wird, der niederländischen Tageszeitung "AD": "Wir haben auch bei Benfica Lissabon, dem FC Bayern und Real Madrid Tore geschossen." In der Vorrunde hatte Ajax bei Benfica und in München jeweils 1:1 gespielt und als Gruppenzweiter hinter den Bayern ungeschlagen das Achtelfinale erreicht.

Dort hatte das junge Team von Trainer Erik ten Hag dann für einen Paukenschlag gesorgt: Nach dem 1:2 gegen Real im Hinspiel hatte Amsterdam das Rückspiel im Bernabeu-Stadion mit 4:1 gewonnen und damit den Champions-League-Gewinner der vergangenen drei Jahre aus dem Rennen geworfen. Das sollte für Juve als Warnung genügen, Ajax nicht zu unterschätzen.

Mischung zwischen Jung und Alt

Die starke Leistung von Huntelaar und Tadic am vergangenen Wochenende beweist einmal mehr, dass es zu kurz gegriffen wäre, den Erfolg von Ajax einzig auf die in Amsterdam schon fast traditionell hohe Qualität der jungen Spieler im Team zu reduzieren. Vielmehr stimmt einfach die Mischung. "Wir haben viele herausragende Talente und dazu auch erfahrene Top-Spieler", sagte Trainer ten Hag bereits Ende vergangenen Jahres in einem Interview der "Sport Bild": "In dieser Truppe steckt riesiges Potenzial."

Von 2013 bis 2015 hatte ten Hag die zweite Mannschaft der FC Bayern trainiert und in dieser Zeit auch dem damaligen Cheftrainer Pep Guardiola auf die Finger geschaut. Das sei "wie ein Sechser im Lotto" gewesen, sagt der 49-Jährige rückblickend. Ten Hag gilt - ähnlich wie Deutschlands Trainer des Jahres 2018, Florian Kohfeldt von Werder Bremen - als ein "Bessermacher", sprich als Coach, der junge Talente nach vorne bringt.

Wie beispielsweise Eintracht Frankfurts französischen Torjäger Sebastien Haller, den ten Hag zu seiner Zeit als Trainer des FC Utrecht (2015-2017) entdeckte und formte. Oder wie jetzt auch Ajax‘ "junge Wilde" wie Verteidiger Matthias de Ligt (19 Jahre), die Mittelfeldspieler Frenkie de Jong (21 Jahre) und Donny van de Beek (21). Oder die Stürmer Kasper Dolberg (21) und David Neres (22).

Ajax Amsterdam Frenkie de Jong (picture-alliance/PRO SHOTS)

De Jong wechselt nach Barcelona

Ihr Marktwert ist in dieser Saison fast explosionsartig nach oben geschnellt. De Jong wird nach der Saison für 75 Millionen Euro zum FC Barcelona wechseln. Und Europas Topvereine - darunter die Bundesliga-Spitzenklubs FC Bayern und Borussia Dortmund - stehen bei Ajax Schlange, um auch die anderen Jungstars für zweistellige Millionenbeträge aus ihren Verträgen loszueisen. So wird de Ligt ebenfalls mit Barca und auch den Bayern in Verbindung gebracht. Unter 70 Millionen Euro dürfte der Defensiv-Shootingstar nicht zu haben sein.

Overmars bastelt schon am Team der Zukunft

Schon jetzt ist also klar, dass die Mannschaft, die in dieser Champions-League-Saison für Furore sorgt, vor der nächsten Spielzeit auseinanderfällt. Doch darüber wachsen bei Ajax Amsterdam niemandem graue Haare. Dass die besten Spieler aus der eigenen Talentschmiede für hohe Ablösesummen zu finanzkräftigeren Vereinen wechseln, ist fast schon Teil des Ajax-Erfolgsmodells.

Ex-Nationalspieler Marc Overmars, der seit 2012 als Sportdirektor für den Kader zuständig ist und dabei häufig eine glückliche Hand bewies, hat bereits begonnen, das Geld aus dem de-Jong-Transfer in neue Spieler zu investieren. So unterschrieb vor zwei Wochen das rumänische Mittelfeldtalent Razvan Marin (22), bisher bei Standard Lüttich, in Amsterdam. Am vergangenen Montag erhielt der 17 Jahre Junioren-Nationaltorwart Calvin Raatsie seinen ersten Profivertrag. Angeblich will Ajax jetzt auch Ianis Hagi, den 20-jährigen Sohn des einstigen rumänischen Weltstars Gheorge Hagi, verpflichten. Ajax jammert nicht, sondern macht einfach weiter. 

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