Afrika: Deutsch ist im Trend | Afrika | DW | 03.08.2020
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Fremdsprachen

Afrika: Deutsch ist im Trend

Eine aktuelle Studie bestätigt: Es gibt doppelt so viele Deutschlernende in Kenia und der Elfenbeinküste wie vor fünf Jahren. Ein positives Bild von Deutschland motiviert besonders - und Jobchancen.

"Ich habe mit Deutsch angefangen, weil sie mich in einen Deutschkurs gesteckt haben", erzählt die 14-Jährige Charlotte im DW-Interview. "Aber beim Lernen merkte ich, dass mir die Sprache richtig gefällt. Ich liebe Deutsch wirklich. Mein Lieblingswort ist 'wunderbar'." Schwierigkeiten hat die Schülerin aus der Elfenbeinküste noch bei deutschen Texten. "Ich kann sie nicht gut verstehen." Auch Aziz findet die Sprache interessant. Der 13-Jährige liebe Deutschland, "weil sie dort Fußball spielen".

Mehr als 15,4 Millionen Menschen auf der ganzen Welt lernen Deutsch. Davon leben rund 1,6 Millionen in Afrika. Das geht aus der aktuellen Studie "Deutsch als Fremdsprache weltweit 2020" hervor, die vom Auswärtigen Amt in Auftrag gegeben worden ist. Beteiligt an der Datenerhebung sind insbesondere die Goethe-Institute, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Deutsche Welle. Das Ergebnis: Deutsch wird als Fremdsprache immer beliebter.

Der Traum, nach Deutschland zu gehen

In den vergangenen fünf Jahren wuchs der Anteil Afrikas an den weltweiten Deutsch-Lernern laut Studie von sieben auf etwa zehn Prozent. In vielen Ländern haben sich die Zahlen zwar nur wenig verändert, aber die westafrikanische Elfenbeinküste und auch Kenia in Ostafrika zählen zu den herausragenden Beispielen für einen Anstieg: Fast 430.000 ivorische Schüler büffeln im Unterricht die deutsche Sprache - mehr als doppelt so viele wie noch 2015.

Vier Studentinnen und Studenten stehen und sitzen mit ihrem Professor im Garten der Universität (Foto: Getty Images/AFP/I. Sanogo)

Freiluftuntterricht - Was aus diesen ivorischen Deutsch-Studierenden aus 2005 wohl geworden ist?

Die Stadt Bongouanou im Zentrum des Landes hat die höchste Zahl an Lernenden. Mehr als 2400 sind dort in den Sekundarschulen und Colleges für das Fach Deutsch eingeschrieben. Unter ihnen träumen auch Charlotte und Aziz davon, eines Tages nach Deutschland zu gehen.

Viel Motivation

In Bongouanou ist es möglich, bereits in der fünften Klasse mit dem Deutschlernen zu beginnen. Franck Adam Kacou, Deutschlehrer am Gymnasium, erklärt die Lernbegeisterung: "Das liegt daran, dass die Deutschlehrer hier sehr dynamisch unterrichten. In jeder Schule haben wir Deutsch-AGs, die sehr tüchtig sind und eigenständig Aktivitäten organisieren." Und am Jahresende wird eine große Zeremonie gefeiert. Sie trägt den Namen: der deutsche Tag.

Auch an den Hochschulen im Land hat sich die Zahl in den vergangenen fünf Jahren auf 2145 Lerner verdoppelt. In der Hauptstadt Abidjan ist Sigurd Jennerjahn seit 2014 Lehrer an der Félix-Houphouët-Boigny-Universität. Er glaubt, dass die Motivationen für Deutsch-Lernende vielfältig sind: Da sei der Wunsch, an qualifizierte Universitäten zu gehen, hinzu komme die Anziehungskraft des Fußballs. Aber mehr noch: "Es gibt ein Interesse an Deutschland und ein positives Deutschlandbild in der Elfenbeinküste. Es gibt zwar immer noch Stereotype wie Disziplin, Pünktlichkeit und vor allem die wirtschaftliche Stärke. Aber es besteht auch oft der Wunsch auszuwandern und Europa zu besuchen. Das trägt dazu bei, die Zahl der Deutschlernenden zu erhöhen", sagt Jennerjahn im DW-Interview.

Deutsch in Kenias Schulen beliebt

Deutschland wird als Studienstandort auch im ostafrikanischen Kenia zunehmend attraktiver. Es steht laut Studie auf der Skala der beliebtesten Länder für ein Auslandsstudium auf Platz 11. Jenny Stark, DAAD-Lektorin an der Kenyatta-Universität in Nairobi, sieht darin einen wichtigen Grund, Deutsch zu lernen: "Es gibt ein positives Deutschland-Bild in Kenia. Das Land ist für viele interessant als Forschungsstandort, aber auch, um einen Job zu finden", sagt Stark, die sich beruflich auf die Hochschullandschaft in Kenia konzentriert.

Kenia Nairobi | Schulunterricht & Kenya Certificate of Primary Education (Getty Images/AFP/S. Maina)

In 110 kenianischen Schulen können die Schüler laut Studie Deutsch lernen

Deutsch als Fremdsprache ist in Kenia auf Erfolgskurs. Auch dort haben sich laut Studie die Zahlen der Deutschlerner seit 2015 mehr als verdoppelt. Etwas mehr als 13.000 Menschen lernen in dem ostafrikanischen Staat aktuell Deutsch. Dabei habe vor allem das Goethe-Institut positive Entwicklungen verzeichnet, fügt Stark an. "Für die Germanistik an den Unis gilt das aber eher nicht. Auch wenn wir mittlerweile in Kenia sechs Universitäten haben, wo Deutsch als Unterrichtsfach angeboten wird." Dennoch gibt es einen Aufwärtstrend an der Kenyatta-Universität: "Von Jahr zu Jahr sind es zehn bis 15 Studierende mehr, die sich einschreiben. Jetzt haben wir 100 Studierende im Bachelor-Studiengang. Das ist schon nicht schlecht."

Deutsche Sprache ist ein Plus

Stark betont das wachsende Angebot von Deutschunterricht an Sekundarschulen und seit 2020 an öffentlichen Grundschulen. Zusätzlich bieten einige Schulen Stipendien in Deutschland an. "Es ist attraktiv für Deutschlernende, eine Karriere in Deutschland zu machen, aber auch die Job-Chancen in Kenia zu nutzen", sagt die Lektorin. Kenia sei Deutschlands wichtigster Handelspartner in Ostafrika, auch viele Touristen kämen aus Deutschland. Da böten sich auch Chancen auf dem einheimischen Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft wächst, und die Anforderungen des Arbeitsmarkts an Hochschulabsolventen steigen.

Namibia Windhoek Goethe Institut (picture-alliance/dpa/O. Berg)

In 18 afrikanischen Staaten bietet das Goethe-Institut Deutschkurse an - hier das Büro in Namibias Hauptstadt Windhoek

Deutschland erweist sich auch in Südafrika als guter Partner im Bildungsbereich, bestätigt Anja Hallacker, DAAD-Lektorin in Johannesburg. Gerade im Hochschulbereich würden die Zahlen der Deutschlerner steigen. "Das Ziel ist oft gar nicht mehr, in deutscher Sprache zu studieren. Die Studiengänge in englischer Sprache sind oft ein zugänglicheres Angebot", sagt Hallacker. Aber: "Wer in Deutschland studieren und arbeiten möchte, braucht dennoch Deutschkenntnisse. Das mag kein Muss mehr sein, aber ist ganz klar ein Plus. Zusätzlich zu exzellenten Fachkenntnissen ermöglicht es den Zugang zu Deutschland und zur Kultur."

Mitarbeit: DW-Korrespondent Julien Adayé in Abidjan

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