Afrika: Das Comeback der Söldner | Afrika | DW | 15.03.2019
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Bewaffnete Konflikte

Afrika: Das Comeback der Söldner

Sudan, Zentralafrikanische Republik, Sahel-Region: In Afrikas Krisenherden sind laut UN-Angaben immer mehr Söldner aktiv - mit schlimmen Folgen. Und längst geht es ihnen nicht mehr nur darum, Regierungen zu stürzen.

"Kongo-Müller" gehört zu den ersten: Als der Kongo Mitte der Sechziger Jahre im Bürgerkrieg versinkt, lässt sich der deutsche Ex-Soldat als Söldner anheuern. Sein Handwerk hat Siegfried Müller, wie er richtig heißt, im Zweiten Weltkrieg gelernt. Bekannt wird er nicht nur durch seine Brutalität, sondern auch durch seine Auftritte: An seinem Geländewagen prangt laut dem "Spiegel" der Schädel eines getöteten Gegners, an seinem Hemdkragen eine nationalsozialistische Soldatenmedaille.

Seit Müllers Zeiten sind Söldner in Afrika nicht ausgestorben - im Gegenteil. Ihre Zahl sei sprunghaft angestiegen, warnte UN-Generalsekretär António Guterres Anfang Februar. "Die Präsenz von Söldnern und anderen ausländischen Kämpfern verschlimmert Konflikte und bedroht die Stabilität", so Guterres vor dem Sicherheitsrat in New York.

Das neue Gesicht der Söldner

Genaue Zahlen gibt es nicht. Klar aber ist: Es sind nicht mehr abgehalfterte Soldaten der früheren Kolonialmächte, die ihre Dienste feilbieten. "Heute sind es meistens Afrikaner", sagt Martin Ewi vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien (ISS) zur DW. Darunter: ehemalige Kämpfer aus der libyschen Armee, die seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi für Terrorgruppen in der Sahelzone arbeiten. Aber auch weiße Ex-Spezialkräfte aus Südafrika, die nach dem Ende des Apartheidregimes aus dem Dienst entlassen wurden. Nigerias frühere Regierung heuerte 2015 einige Hundert von ihnen an, um gegen die islamistische Terrormiliz "Boko Haram" zu kämpfen.

Siegfried Müller in Uniform mit eisernem Kreuz (picture-alliance/La Galerie - versal Photo)

Der deutsche Söldner Siegfrid Müller kämpfte in den 60er Jahren im kongolesischen Bürgerkrieg

Laut Medienberichten beraten Söldner der berüchtigten russischen Gruppe Wagner Sudans Sicherheitskräfte dabei, Massenproteste gegen Staatschef Omar al-Bashir niederzuschlagen. Die gleiche Firma soll auch in der Zentralafrikanischen Republik Soldaten ausbilden.

Längst sind Söldner aber nicht nur im Einsatz, um Regierungen zu stützen oder zu stürzen. "Bodenschätze sind ein wichtiger Faktor", sagt Sorcha MacLeod, Mitglied der UN-Arbeitsgruppe zu Söldnern. "In Gegenden mit reichen Vorkommen an Bodenschätzen stellen wir die Präsenz von Söldnern fest, die natürlich auch immer ein direktes Interesse haben, die Konflikte zu verlängern, um die Kontrolle über die Bodenschätze zu behalten", so MacLeod zur DW.

Im Dienst der Drogenmafia

Auch die organisierte Kriminalität ist ein interessanter Auftraggeber geworden. Durch Westafrika läuft eine wichtige Schmuggelroute für Kokain. Sie führt von Südamerika über Guinea-Bissau und die Sahelzone nach Nordafrika und weiter nach Europa. Auch hier sollen Söldner aktiv sein. "Diese Gruppen sind gut organisiert, sie nutzen Satellitentelefone, schnelle Autos. Einige ihrer Anführer sind frühere Islamisten aus dem Bürgerkrieg in Algerien, die teilweise in Afghanistan ausgebildet wurden", sagt der französische Sicherheitsexperte Francis Ghiles zur DW.

Simon Mann bei seiner Festnahme in Simbabwe 2004 (picture alliance/AP Photo)

Der britische Söldner Simon Mann (Mitte) wurde 2004 verhaftet, weil er einen Putsch in Äquatorialguinea geplant haben soll

Manche Experten zählen auch Mitarbeiter internationaler Sicherheitsfirmen dazu. "Viele westliche Regierungen nutzen die Dienste privater Sicherheitsfirmen in Afrika, so dass dieser Wirtschaftszweig blüht", sagt ISS-Experte Ewi. Eine ganze Palette an Dienstleistungen bieten die Firmen an - sie fliegen ausländische Soldaten oder UN-Mitarbeiter, schützen Angestellte internationaler Firmen und deren Niederlassungen. "Manche Firmen machen einen guten Job", sagt Ewi. Doch teilweise scheinen die Firmen auch Kampfeinsätze zu übernehmen - zum Beispiel im Auftrag der US-Armee. Darüber erfährt die Öffentlichkeit selbst in den Einsatzländern oft nichts.

Abhilfe soll eigentlich eine internationale Konvention schaffen, die dieses Jahr ihren 30. Geburtstag feiert: Die Internationale Anti-Söldner-Konvention. Die UN-Generalversammlung hat sie 1989 verabschiedet, aber gerade mal 36 Länder machen bisher mit. Auch eine eigene afrikanische Konvention von 1977 ist bisher kaum angenommen worden.

Private Sicherheitsfirmen sollen reguliert werden

"Wir hoffen, dass vor allem mehr afrikanische Länder den beiden Konventionen beitreten. Wenn die internationalen Regelungen bei nur wenigen Ländern Anklang finden, ist es schwierig, sich mit dem Problem zu befassen", sagt UN-Expertin MacLeod. Die Afrikanische Union hat angekündigt, sich dafür einzusetzen. Sie will außerdem private Sicherheitsfirmen stärker kontrollieren.

"Private Sicherheitsfirmen müssen streng reguliert werden", fordert auch ISS-Experte Ewi. Dabei müsse klar festgelegt werden, wie ihre Mitarbeiter ausgebildet werden und was sie genau tun dürfen. Das allein reiche aber nicht. Letztlich müssten Afrikas Regierungen Kriege und Konflikte besser bekämpfen und für Stabilität sorgen. "Dann wird auch der Bedarf an Söldnern sehr gering."

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