Afghanistan: Mutmaßlicher deutscher Militärberater der Taliban gefasst | Aktuell Nahost | DW | 01.03.2018
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Terrorismus

Afghanistan: Mutmaßlicher deutscher Militärberater der Taliban gefasst

Ein angeblich deutscher Talibankämpfer ist an den afghanischen Geheimdienst NDS übergeben worden. Der Polizei zufolge war er Militärberater einer Spezialeinheit, die tödliche Anschläge verübt hat.

Afghanistan als Taliban Kämpfer festgenommener deutscher Staatsbürger Abdul Wadood (Afghan security forces)

Der Festgenommene behauptet, aus Frankfurt zu stammen

In Afghanistan ist ein angeblicher Deutscher festgenommen worden, der als Militärberater für die Taliban gearbeitet haben soll. Das sagte Abdul Kajum Nuristani, Sprecher der Spezialkräfte. Der Mann wurde dem afghanischen Geheimdienst NDS übergeben. Anfang der Woche waren er und drei weitere mutmaßliche Taliban bei einer Razzia afghanischer Eliteeinheiten im Bezirk Gereschk in der Proviz Helmand gefasst worden. Die NATO-Trainingsmission Resolute Support bestätigte am Donnerstagabend Ortszeit, dass der Mann sich selber als Deutscher bezeichne. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich nicht offiziell zu dem Fall äußern.

Dem Sprecher des Provinzgouverneurs zufolge handelt es sich beim Verdächtigten um "einen Mann mit einem langen Bart und schwarzem Turban, der sich als deutscher Staatsbürger ausgibt und Deutsch spricht".

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Helles Gesicht, rötlicher Bart, Turban

Er sei der Militärberater von Mullah Nasir, dem Kommandeur der Taliban-Elitetruppe "Rote Einheit", sagte der Polizeichef in Gereschk, Ismail Chplwak. Die "Rote Einheit" hat bereits zahlreiche tödliche Anschläge auf die afghanische Armee und Polizei verübt.

Fotos der Armee zeigten einen Mann etwa Mitte 40 mit einem mageren, hellen Gesicht, rötlich-braunem Bart, einem schwarzen Turban sowie einer khakifarbenen Armeejacke.

Ein Jahr bei den Taliban

Nach Angaben des Sprechers der afghanischen Spezialkräfte soll der Mann bei der Festnahme deutsche Papiere bei sich gehabt haben. Was für Papiere das waren und auf welchen Namen sie ausgestellt waren, sagte er nicht. Der Mann sei zum Islam konvertiert und trage den "muslimischen Namen" Abdul Ahad. "Er war ein Jahr bei den Taliban und es gibt viele Dokumente, die beweisen, dass er mit ihnen gearbeitet hat", sagte Nuristani. Auch afghanische Medien berichteten weiter von einem deutschen Gefangenen. Von deutschen Behörden gab es keine Reaktion.

Zweifel an seiner Herkunft werden von einem Video in den sozialen Medien befeuert. Dieses wurde offenbar nach der Festnahme gefilmt. Als der Verdächtige gefragt wird, ob er Deutscher sei, sagt er mit starkem Akzent: "Ich kann Deutsch sprechen". Der Satz klingt ungeübt. Im Hintergrund jubeln afghanische Soldaten, einer ruft auf Paschtu "Er ist Deutscher, Bruder".

Kontrolle über Drogenregion

Die Provinz Helmand, aus der ein Großteil der afghanischen Opiumproduktion kommt, wird in weiten Teilen von den radikalislamischen Taliban kontrolliert. Sie haben in den vergangenen Jahren die Kontrolle über den Drogenanbau und Drogenhandel übernommen und finanzieren sich damit.

mb/stu (dpa, afp)