AfD scheitert bei OB-Wahl in Görlitz | Aktuell Deutschland | DW | 16.06.2019
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Sachsen

AfD scheitert bei OB-Wahl in Görlitz

Die Hoffnungen der rechtspopulistischen AfD, erstmals in Deutschland einen Oberbürgermeister zu stellen, haben sich zerschlagen. Sieger der Wahl in Görlitz wurde CDU-Kandidat Octavian Ursu - was viele aufatmen lässt.

Die "Alternative für Deutschland" (AfD) stellt weiterhin keinen Oberbürgermeister in der Bundesrepublik. Ihr Kandidat Sebastian Wippel unterlag bei der Wahl im sächsischen Görlitz dem Christdemokraten Octavian Ursu. Der 51-Jährige setzte sich am Sonntag mit 55,2 zu 44,8 Prozent durch.

Die Wahl war deutschlandweit und auch im Ausland mit großem Interesse verfolgt worden. Im ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte Wippel noch die meisten Stimmen geholt. Da keiner der insgesamt vier Bewerber jedoch eine absolute Mehrheit erzielte, wurde ein zweiter Wahlgang notwendig. Grüne und Linkspartei hatten davor indirekt für eine Unterstützung des CDU-Kandidaten Ursu geworben.

Deutschland Oberbürgermeisterkandidat für Görlitz Octavian Ursu (picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Strahlender Wahlsieger: Octavian Ursu

Der gebürtige Rumäne Ursu, der wie Wippel als Abgeordneter im sächsischen Landtag sitzt, hatte sich für eine "weltoffene Europastadt Görlitz" ausgesprochen. Ursu kam 1990 als Musiker in die ostdeutsche Grenzstadt, gründete dort eine Familie und blieb. 

Wippel, Polizeikommissar und gebürtiger Görlitzer, bewertete sein eigenes Ergebnis als respektabel, vor allem "wenn man bedenkt, dass alle anderen Parteien alle ihre Kräfte gegen uns mobilisiert haben", betonte der 37-Jährige. 

Görlitz - Sebastian Wippel AfD-Landtagsabgeordneter und Oberbürgermeisterkandidat (picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Verfehlte sein Ziel: Sebastian Wippel

"Rückenwind"

Die Bundes-CDU und auch andere Parteien reagierten erleichtert auf den Wahlausgang. Ursu sei von einem breiten Bündnis getragen worden, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Und er ergänzte: "Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer."

In Sachsen wird am 1. September dieses Jahres ein neuer Landtag gewählt. Laut Umfragen wird Kretschmer die bisherige schwarz-rote Regierungskoalition aus Christdemokraten und Sozialdemokraten wohl nicht mehr fortsetzen können. Ein Bündnis mit der AfD, die sogar stärkste politische Kraft in Sachsen werden könnte, schloss der Ministerpräsident wiederholt aus.

Appell aus Hollywood 

Görlitz mit seinem historischen Stadtkern liegt an der Grenze zu Polen und wirbt für sich als Europa- und Filmstadt. In dem 56.000-Einwohner-Ort am Fluss Neiße wurden sogar schon einige Hollywood-Filme gedreht. Deshalb zeigten sich vor der Stichwahl nicht nur deutsche Künstler in einem offenen Brief alarmiert, dass ein AfD-Politiker dort Oberbürgermeister werden könnte. Auch Schauspieler und Filmemacher aus den USA appellierten an die Görlitzer, Offenheit und Toleranz zu zeigen.

wa/jj (dpa, rtr, afp)

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