Abriss der Unglücks-Brücke von Genua beginnt | Aktuell Europa | DW | 08.02.2019
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Italien

Abriss der Unglücks-Brücke von Genua beginnt

Auch nach dem tödlichen Einsturz im August bleibt die Morandi-Brücke hochgefährlich: Experten warnten wiederholt vor Korrosion im Torso, der schnellstens abgetragen werden müsse.

Italien Genua | Abriss Morandi Autobahnbrücke nach Einsturz (Getty Images/AFP/M. Bertorello)

Blick auf einen der Pylone und einen Fahrbahnrest in 42 Metern Höhe

Ein halbes Jahr nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua beginnt der Abriss des verbliebenen Viadukts. "Das ist ein wichtiger Schritt mit hohem Symbolwert", sagte der Bürgermeister der italienischen Hafenstadt, Marco Bucci. In einer komplizierten Aktion wird zunächst ein Teilstück in etwa 45 Metern Höhe abgetragen. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte sprach von einer "Erlösung".

Als im August in Genua die Fahrbahn der viel befahrenen Brücke auf einer Strecke von etwa 200 Metern wegbrach, wurden zahlreiche Autos in die Tiefe gerissen. 43 Menschen kamen ums Leben, es gab viele Verletzte. Anwohner mussten ihre Häuser im Umfeld der Brücke dauerhaft räumen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 20 Personen und gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia.

Italien Genua | Abriss Morandi Autobahnbrücke nach Einsturz Giuseppe Conte (Getty Images/AFP/M. Bertorello)

Regierungschef Conte (vorne) spricht am Ort des Unglücks

Die einen Kilometer lange Schrägseilbrücke des verstorbenen Ingenieurs Riccardo Morandi wurde zwischen 1963 und 1967 gebaut. Bereits 2009 war über einen Abriss nachgedacht worden - doch jedes Jahr fuhren 25 Millionen Autos über die Morandi-Brücke. Außerdem überspannte sie Dutzende Bahngleise sowie ein Gewerbegebiet mit Gebäuden und Fabriken. Das Bauwerk war Teil der so genannten Blumenautobahn A10, einer auch von Touristen genutzten wichtigen Verkehrsachse an der italienischen Riviera, die Genua mit Ventimiglia an der französischen Grenze verbindet.

Italien Genua | Abriss Morandi Autobahnbrücke nach Einsturz (Getty Images/AFP/M. Bertorello)

Die eingestürzte Brücke war auch Teil der Zufahrtsstrecke zum flächengrößten Hafen Italiens

Die Ingenieurswebseite ingegneri.info hatte den Brückeneinsturz unmittelbar nach dem Unglück als "vorhersehbare Tragödie" bezeichnet. Es habe immer schon "strukturelle Zweifel" an Morandis Bau gegeben. Eigentlich seien Brücken wie diese für eine Lebensdauer von einem Jahrhundert ausgelegt, hieß es bei ingegneri.info weiter. Die Morandi-Brücke aber sei bereits in den Jahren nach der Fertigstellung baufällig gewesen. Zuletzt mussten demnach Anfang der 2000er Jahre Tragseile ersetzt werden, die erst in den 80er und 90er Jahren eingebaut worden waren. Zum Unglückszeitpunkt wurden Wartungsarbeiten an dem Bauwerk durchgeführt.

Italien PK Vorstellung neue Brücke von Renzo Piano in Genua (picture-alliance/AP Photo/L. Zennaro)

Genuas Bürgermeister zeigt ein Bild der geplanten neuen Brücke aus Stahl

Die Kosten für den Abriss der Brücke und die Räumungsarbeiten werden von den Behörden auf 19 Millionen Euro geschätzt. Genuas Bürgermeister Bucci versprach im Dezember, schnell eine neue Brücke zu errichten. Ziel sei es, bereits im März mit dem Neubau zu beginnen und ihn bis Weihnachten 2019 fertigzustellen.

Der italienische Star-Architekt Renzo Piano will ohne Honorar die Arbeiten leiten. "Diese Brücke soll tausend Jahre halten und aus Stahl sein", hatte der aus Genua stammende Architekt im September verkündet.

jj/qu (dpa, afp)

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