50 Millionen Nutzer: Datenaffäre setzt Facebook unter Druck | Aktuell Amerika | DW | 19.03.2018
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Manipulation im US-Wahlkampf

50 Millionen Nutzer: Datenaffäre setzt Facebook unter Druck

Diese Frage steht ständig im Raum: Wie sicher sind die privaten Daten auf Facebook? Ein Whistleblower bringt das soziale Netzwerk mal wieder in Bedrängnis. Es geht um private Nutzerdaten. Und um Donald Trump.

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Millionen Facebook-Profile ausspioniert

Christopher Wylies Facebook-Account wurde gesperrt. "For blowing the whistle", wie er auf Twitter schreibt. Weil er geheime Informationen veröffentlicht hat also. Denn der 28-jährige Ex-Mitarbeiter der Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sorgt mit aktuellen Enthüllungen für einen neuen Datenschutz-Skandal bei Facebook. Und der hat es in sich: Die britische Regierung zeigt sich "sehr beunruhigt", zwei US-Senatoren wollen Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor einen Kongressausschuss zerren, die EU-Kommission fordert Aufklärung und die Facebook-Aktie stürzt ab. 

Was ist passiert?

Wylie hat sich an die Öffentlichkeit gewandt. Mit der "New York Times" und dem "Guardian" sprach er über die Praktiken bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. Cambridge Analytica soll nämliche ohne Zustimmung der User rund 50 Millionen Facebook-Profile mit persönlichen Daten ausgewertet haben.

Ursprung soll eine Facebook-Umfrage sein, erstellt von Alexandr Kogan, Professor an der britischen Cambridge-Universität. Dabei wurden Fragen zur Persönlichkeit gestellt. Rund 270.000 Menschen nahmen an der Umfrage teil. Noch vor der ersten Frage mussten sie zustimmen, dass die Urheber der Umfrage Zugriff auf ihre Facebook-Profile und die ihrer Freunde bekommen. So hatte Kogan am Ende Zugriff auf einen immensen Datensatz. Der soll 2015 an Cambridge Analytica weitergegeben worden sein.

Wer ist die Firma?

Cambridge Analytica wertet Nutzerdaten auf Plattformen wie Facebook aus und erstellt so psychologische Profile. Bereits vor einem Jahr stand das Unternehmen in der Öffentlichkeit. Damals wurde bekannt, dass das Wahlkampf-Team von Donald Trump Cambridge Analytica angeheuert hatte, um auf Facebook gezielt für den US-Präsidenten zu werben.

Wylie war 2013 auf US-Milliardär Robert Mercer getroffen. Mercer investierte daraufhin 15 Millionen US-Dollar in Cambridge Analytica. Über diesen Kontakt lernte Wylie auch Breitbart-Chef Steve Bannon kennen. Der wurde Vize-Präsident bei Cambridge Analytica. Er sei von den Möglichkeiten der psychologischen Manipulation auf Facebook begeistert gewesen, so Wylie. Bannon war eine wichtige Person in Donald Trumps Wahlkampf.

USA | Trump in Pennsylvania (picture-alliance/dpa/AP/C. Kaster)

Hat Donald Trump seine Wahl zum US-Präsidenten auch Daten von Cambridge Analytica zu verdanken?

Nun hätten lediglich noch die richtigen Daten gefehlt. So sei der Kontakt zum "Psychmetrics Center" der Cambridge-Universität und letztendlich zu Aleksandr Kogan entstanden. Eine Million Dollar habe Cambridge Analytica zahlen müssen. Einen Satz von 270.000 Nutzern und 32 Persönlichkeitstypen haben sie im Gegenzug erhalten.

Wylie sei sich sicher, dass Cambridge Analytica so die US-Wahl gekonnt beeinflusst habe. Experten sind sich jedoch nicht einig darüber, wie effektiv diese Art der gezielten Werbung tatsächlich ist.  

Was sagt Facebook?

Facebook sieht sich nun schweren Vorwürfen ausgesetzt. Von vielen Seiten heißt es, es handele sich um ein Daten-Leck. Doch in einer Erklärung im Internet schreibt das Unternehmen, dass das nicht der Fall sei. Immerhin hätten die Nutzer bei der Umfrage selbst zustimmen müssen, dass Kogan Zugriff auf die Daten auch der eigenen Facebook-Freunde bekommt.

Doch der "New York Times" erzählte Wylie auch, dass Facebook schon seit einiger Zeit von der Weitergabe der Daten gewusst hatte. In der Erklärung sagt Facebook dazu, dass die Umfrage damals schon von Facebook entfernt worden sei und dass Cambridge Analytica und Kogan zustimmten, die Nutzerdaten zu vernichten.

Was passiert als nächstes?

Gegenüber der "Washington Post" sagte der Ex-Verbraucherschützer David Vladeck, dass Facebook mit Strafzahlungen in Milliardenhöhe rechnen müsse. Denn 2011 habe sich Facebook bereits dazu verpflichtet, hohe Datenschutzstandards einzuhalten. Dazu zähle auch die Zustimmung zur Datenweitergabe. Verstöße können mit bis zu 40.000 US-Dollar pro Einzelfall bestraft werden.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham sagte dem Sender Channel 4 News, ihre Behörde wolle einen Durchsuchungsbeschluss für Cambridge Analytica erwirken. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte eine Untersuchung an. Es werde geprüft, ob Daten missbraucht worden seien. Zugleich rief er Facebook zu mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Daten auf. EU-Justizkommissarin Vera Jourova will in dieser Woche bei ihrem US-Besuch mit dem Konzern und der Regierung in Washington über die Affäre sprechen. Die EU werde "alle möglichen rechtlichen Maßnahmen ergreifen", um die Daten von Bürgern zu schützen, sagte sie. 

Vera Jourova EU-Kommissarin (Getty Images/AFP/T. Charlier)

Verlangt Antworten von Facebook: EU-Justizkommissarin Vera Jourova

Wie schützt man sich vor so einem Datenmissbrauch?

Facebook hat zwar mittlerweile manche Datenschutzeinstellungen angepasst und die Informationen der Freunde sind nicht mehr so leicht zugänglich, doch trotzdem ist Vorsicht geboten. "Wenn ein Unternehmen anständig und seriös ist, dann gibt es gar nicht die Option, die Daten der Freunde weiterzugeben“, sagt Facebook-Experte Simon Mader. Er ist Mitgründer der Kölner Performance Agentur Adbaker und beschäftigt sich mit Werbung und Marketing in Sozialen Medien.

Er rät dazu, darauf zu achten, welche Informationen abgefragt werden, wenn so eine Authentifizierung auf Facebook stattfindet. "Wenn die Umfrage oder das Programm noch halbwegs human ist, kann man auch bestimmte Kategorien wie die Freundesliste oder die Bilder abwählen." Doch es gebe auch Facebook-Programme, die das nicht zulassen. "Wenn einem das zu heikel ist, soll man solche Programme boykottieren", sagt Mader: "Das habe ich auch schon gemacht. Für irgendein Online-Game lasse ich ja nicht die Hosen runter."

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