110.000 Menschen 2017 an Masern gestorben | Aktuell Welt | DW | 29.11.2018
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Viruskrankheit

110.000 Menschen 2017 an Masern gestorben

Ziel war es, die Masern bis 2020 auszurotten. Doch das klappt wohl nicht. Im vorigen Jahr gab es weltweit 30 Prozent mehr Masern-Infektionen als 2016. Besorgniserregend ist laut WHO auch die Entwicklung in Deutschland.

Infektion - Kind mit Masern (Colourboxk)

Ein an Masern erkranktes Mädchen

Die rasant steigende Zahl der Maserninfektionen alarmiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). 2017 wurden weltweit demnach 190.000 Masern-Fälle gemeldet, 2016 waren es 132.328. Die WHO geht davon aus, dass sich nur ein kleiner Teil des Anstiegs mit einer verbesserten Überwachung der Krankheit erklären lässt. Zudem werde nur ein Bruchteil der Fälle gemeldet. Einer Modellrechnung zufolge liegt die tatsächliche Zahl der Erkrankten bei 6,7 Millionen im Jahr 2017. Im selben Zeitraum seien nach dieser Berechnung etwa 110.000 Menschen weltweit an der Krankheit gestorben.

"Kein Zweifel, es gab seit dem Jahr 2000 riesige Fortschritte", machte Martin Friede von der WHO-Fachabteilung Impfungen deutlich. Die Zahl der Ansteckungen sei seitdem aufgrund von Impfungen signifikant zurückgegangen. 21 Millionen Menschenleben seien so gerettet worden.

Gefahr unterschätzt

"Aber wir werden Opfer unseres eigenen Erfolgs", mahnte Friede. Da viele Eltern in Ländern wie Deutschland kaum noch Masernfälle sähen, unterschätzten sie die Gefahr und würden leichtsinnig. Außerdem kursierten viele Fehlinformationen über die Effektivität und Sicherheit von Impfungen. So würden "vermeintliche Experten" Impfungen ohne Vorlage von Beweisen schlecht reden. Dies beeinflusse die Entscheidung von Eltern. Friede nannte als Beispiel eine von Impfgegnern in sozialen Netzwerken verbreitete Behauptung, wonach ein vermeintlicher Zusammenhang zwischen Masern-Impfung und Autismus bestehe.

Impfung gegen Masern (Imago/Xinhua)

Auch in Deutschland denken nicht alle Eltern an die Schutzimpfung

Die Ausbreitung von Masern zeigt sich laut WHO auch in Ländern wie Venezuela, wo das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist. Deutschland zählt neben Venezuela und Russland zu den Staaten, denen in den vergangenen zwölf Monaten das Zertifikat zur "Eliminierung von Masern" entzogen wurde. Dazu müssen nach WHO-Richtlinien 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. 2016 wurden in Deutschland 325 Masern-Fälle gemeldet, im vergangenen Jahr 929.

"Masern sind eine höchst ansteckende Krankheit mit vielen Komplikationen", warnte WHO-Expertin Ann Lindstrand. Bei einer Infektion zeigen sich rote Hautflecken, Fieber und Erschöpfung. Hauptsächlich betroffen sind Kinder. Zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen zählen eine Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung und Durchfall mit Dehydrierungsrisiko.

se/qu (dpa, epd, afp)