Österreich beschuldigt in Spionagefall Moskau | Aktuell Europa | DW | 09.11.2018
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Internationale Beziehungen

Österreich beschuldigt in Spionagefall Moskau

Im August war Russlands Präsident Putin noch Hochzeitsgast der österreichischen Außenministerin. Jetzt will Karin Kneissl nicht mehr nach Moskau reisen - wegen eines mutmaßlichen Agenten.

PK Sebastian Kurz Spionage (picture-alliance/dpa/H. Fohringer)

Österreichs Kanzler Kurz (links) mit Verteidigungsminister Kunasek

Ein Spionageverdacht im österreichischen Bundesheer überschattet die Beziehungen zwischen Wien und Moskau. Russland bestellte den österreichischen Botschafter ins Außenministerium ein. Zuvor hatten Kanzler Sebastian Kurz und Verteidigungsminister Mario Kunasek in Wien mitgeteilt, der Oberst habe während seiner aktiven Zeit im Heer rund 20 Jahre für Russland spioniert.

Außenministerin Karin Kneissl hatte ihrerseits den russischen Geschäftsträger einbestellt und eine geplante Reise nach Moskau abgesagt. Kunasek sagte, der Hinweis auf den Verdächtigen sei von einem befreundeten Geheimdienst gekommen. Der Offizier soll in den 1990er Jahren die Zusammenarbeit mit russischen Agenten aufgenommen und bis 2018 aufrecht erhalten haben. Kanzler Kurz erklärte, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde dies "das Verhältnis zwischen Russland und der Europäischen Union nicht verbessern".

"Unangenehm überrascht"

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte in einer ersten Reaktion: "Ich war von diesen Informationen unangenehm überrascht." Entsprechend den diplomatischen Gepflogenheiten hätte Wien allerdings die Vorwürfe direkt an Russland richten sollen, anstatt an die Öffentlichketi zu gehen, kritisierte Lawrow.

Rekruten der österreichischen Streitkräfte (picture-alliance/chromorange/F. Perc)

Soldaten des österreichischen Bundesheers (Symbolbild)

Anders als viele weitere EU-Staaten hatte Österreich nach dem Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal im März noch diplomatische Maßnahmen gegen Moskau abgelehnt, weil die Regierung in Wien nach eigenen Angaben Gesprächskanäle offen halten wollte.

Im August hatte die Anwesenheit von Russlands Präsident Wladimir Putin bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl für Aufsehen gesorgt. Kritiker bemängelten damals, die mögliche Verquickung politischer und privater Angelegenheiten könnte die Vermittlerrolle Österreichs zwischen Moskau und der EU gefährden.

jj/stu (dpa, afp)

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