Ökonomen sehen langsames Ende des deutschen Booms | Wirtschaft | DW | 06.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Konjunktur

Ökonomen sehen langsames Ende des deutschen Booms

Die Wirtschaftsinstitute in Deutschland korrigieren ihre Wachstumsprognosen. Alle eint die Einsicht, dass das Land in die Spätphase eines langen Booms eingetreten ist.

Privater Konsum und ein starker Arbeitsmarkt sorgen weiter für ein konstantes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Das Münchner Ifo-Institut erhöhte deshalb seine Konjunkturprognose für 2018 und 2019 um einen Zehntelpunkt auf jeweils 1,9 Prozent. Kräftige Einkommenszuwächse begünstigten die Kauflust, sagte der Leiter der ifo-Konjunkturforschung, Timo Wollmershäuser am Donnerstag.

Das Berliner DIW-Institut senkt dagegen seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft leicht. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,8 Prozent zulegen, sagte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag voraus. Bislang war es von 1,9 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr werden wie bisher 1,7 Prozent erwartet, für 2020 dann wieder 1,8 Prozent. "Von einem Einbruch kann keine Rede sein", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Personalengpass bremst Ausweitung der Produktion

Auch andere große Institute wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnen bis 2020 mit stabilen Wachstumsraten von bis zu zwei Prozent. "Insgesamt mehren sich die Zeichen, dass die deutsche Wirtschaft in die Spätphase des Aufschwungs eintritt, da deutlich angespannte Kapazitäten, die sich etwa in Engpässen bei Personal sowie Vorleistungs- und Ausrüstungsgütern bemerkbar machen, einer kräftigeren Ausweitung der Produktion im Wege stehen", sagte IfW-Experte Stefan Kooths. Besonders ausgeprägt zeige sich dies in der Bauwirtschaft, die zuletzt den höchsten Preisanstieg seit 25 Jahren verzeichnet habe.

Ebenso werden die Impulse von der Weltkonjunktur nachlassen, darin sind sich die Experten einig. "Die Unternehmen investieren vorerst nur zögerlich - unter anderem, weil ihre Absatzerwartungen auch angesichts der handelspolitischen Konflikte getrübt sind", sagte Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut. Zudem sei bei allen Prognosen unterstellt, dass der Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen der EU und der USA halte und sich der Brexit geordnet vollziehe, so Wollmershäuser weiter.

Weniger Arbeitslose erwartet

Nach Prognosen des Ifo dürfte die Zahl der Beschäftigten in Deutschland im kommenden Jahr um 500.000 Menschen auf 45,4 Millionen steigen. 2020 könnten es 45,8 Millionen Beschäftigte sein. Gleichzeitig werde die Arbeitslosenquote binnen zweier Jahre um 0,5 Prozent auf 4,7 Prozent fallen, hieß es.

Auch das DIW erwartet für 2020 einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 430.000 auf 2,1 Millionen. Von der guten Konjunktur profitieren auch die öffentlichen Haushalte. Für dieses Jahr wird ein Rekordüberschuss von 60 Milliarden Euro erwartet, der in den kommenden Jahren nur etwas kleiner ausfallen soll. "Das sollte jedoch nicht vergeudet, sondern bedacht in die Zukunft investiert werden", forderte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Bei Forschung und Bildung, der Verkehrsinfrastruktur und Digitalisierung gibt es nach wie vor Handlungsbedarf."

zdh/hb (rtr, dpa)