Äthiopiens Militär rückt weiter vor in Tigray | Aktuell Afrika | DW | 19.11.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Ethnischer Konflikt

Äthiopiens Militär rückt weiter vor in Tigray

Äthiopiens Militär sieht sich auf dem Weg in die Provinzhauptstadt Mekelle. Die Armeeführung wirft WHO-Chef Tedros vor, der aus Tigray stammt, mit den dortigen Rebellen zu paktieren.

Still aus äthiopischem Staatsfernsehen | Äthiopisches Miltiär

Regierungssoldaten auf dem Weg in die Region Tigray

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus unterstütze die Rebellen in der abtrünnigen Provinz Tigray und versuche, sie mit Waffen zu versorgen, sagte Äthiopiens Armeechef General Birhanu Jula in einer Rede im Fernsehen. Beweise für seine Anschuldigungen lieferte der General nicht, bezeichnete den Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation aber als "Kriminellen" und forderte dessen Rücktritt.

Von der WHO gibt es bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Tedros, der seit 2017 an der Spitze der Organisation steht und zuvor in Äthiopien Gesundheits- und Außenminister war. Tedros selbst veröffentlichte bei Twitter ein Statement, in dem er bestreitet, in dem Konflikt in seinem Heimatland Partei für eine der kämpfenden Parteien zu ergreifen.

Die Regierung in Addis Abeba erklärte derweil, ihre Truppen hätten in der nördlichen Provinz Tigray eine Reihe von Orten eingenommen und würden bald die Provinzhauptstadt Mekelle erreichen. Rebellen-Chef Debretsion Gebremichael räumte Gebietsverluste ein und erklärte, Mekelle werde bombardiert.

Zugleich betonte er aber, der Widerstand sei ungebrochen und die Stadt Axum, rund 215 Kilometer nördlich von Mekelle, werde gehalten. Die Angaben beider Seiten können nicht unabhängig überprüft werden, da der Zugang nach Tigray sowie die Internet- und Telefonverbindungen dorthin eingeschränkt sind.

Konflikt in Äthiopien - Flüchtlinge im Sudan Tigray

Flüchtlinge aus Tigray haben sich im Sudan in Sicherheit gebracht

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Milizen der Tigray Volksbefreiungsfront (TPLF) halten bereits seit zwei Wochen an. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed, der 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, wirft der in Tigray regierenden TPLF vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. Die Partei dagegen hält Abiy vor, er verfolge sie und vertreibe ihre Politiker von Regierungs- und Sicherheitsposten.

Tigray hat fünf Millionen Einwohner und wird seit 2018 von der TPLF regiert. Die Tigrayer hatten über Jahrzehnte ganz Äthiopien kontrolliert. Regierungschef Abiy gehört dagegen der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an. Die Kämpfe haben Zweifel aufkommen lassen, ob der 44-Jährige das gespaltene Land einen kann.

Rund 30.000 Menschen sind aus dem Konfliktgebiet in den benachbarten Sudan geflohen. Abiy erklärte, seine Regierung wolle die Flüchtlinge zurückholen und die humanitäre Lage in Tigray sondieren.

Biden-Vertrauter mahnt Ende der Gewalt an

Der designierte US-Präsident Joe Biden mahnte über einen Vertrauten ein Ende der Kämpfe im Norden Äthiopiens und den Schutz der Zivilbevölkerung an. "Tief besorgt über die humanitäre Krise in Äthiopien, Berichte über gezielte ethnisch motivierte Gewalt und ein Risiko für regionalen Frieden und Sicherheit", erklärte der Außenpolitiker Antony Blinken auf Twitter. Die Konfliktparteien sollten die Kämpfe unmittelbar beilegen, den Zugang für humanitäre Hilfe ermöglichen und die Zivilbevölkerung schützen.

uh/qu (afp, rtr, epd)

Die Redaktion empfiehlt