Ärger für Kramp-Karrenbauer nach Fastnachtswitz | Aktuell Deutschland | DW | 04.03.2019
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Karneval

Ärger für Kramp-Karrenbauer nach Fastnachtswitz

Sie wollte vermutlich lustig sein, doch ihre Äußerung über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen bringt der CDU-Chefin massive Kritik ein. Auch Lesben und Schwule in der Union fordern eine Entschuldigung.

Erst Applaus, dann Shitstorm - so hatte sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer die Reaktion auf ihre Fasnachtsrede wohl eher nicht vorgestellt. In einer Büttenrede vor dem Narrengericht im baden-württembergischen Stockach am Bodensee hatte Kramp-Karrenbauer sich über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen lustig gemacht.

"Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen", sagte Kramp-Karrenbauer bei ihrem Auftritt. "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette."

Hashtag AKKgate

Der Verband der Lesben und Schwulen in der Union verlangt nun eine offizielle Entschuldigung der CDU-Chefin. "Natürlich ist eine Entschuldigung fällig, das erwarten wir", sagte der Verbandsvorsitzende Alexander Vogt dem Sender "SWR Aktuell". Auch im Karneval gebe es Grenzen. Man mache ja auch über andere Minderheiten keine Witze mehr. Dass Kramp-Karrenbauer wohl nicht aus böser Absicht handelte, mache die Sache nicht besser. "Wenn das unüberlegt passiert, ist es ja auch ein Zeichen dafür, wie es landläufig verbreitet ist, dieses Denken." Er erwarte nun, dass es ein klärendes Gespräch mit der CDU-Chefin gebe, sagte Vogt. 

BdT AKK (picture-alliance/dpa/B. Roessler)

Annegret Kramp-Karrenbauer als "Putzfrau Gretel" bei der Saarländischen Narrenschau

Kramp-Karrenbauers Äußerungen hatten in der Karnevalssitzung selbst noch für Lacher gesorgt, dann aber vor allem im Nachgang durch einen Artikel des Portals queer.de öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Auch die Satiresendung Extra3 verbreitete einen Videoausschnitt auf Twitter weiter. Unter dem Hashtag AKKgate machten dort viele Nutzer ihrer Empörung Luft.

"Trauerspiel auf Stammtischniveau"

"Wieder so ein Tag zum Fremdschämen... Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen?", twitterte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg, Fraktionssprecher für die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI). Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach von einem "Trauerspiel" auf "Stammtischniveau".

Kritik kam auch vom Koalitionspartner. "Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt, welcher erzkonservative Wind jetzt wieder in der Union weht. Solche Äußerungen - auch an Karneval - sind absolut respektlos", twitterte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger nahm die Parteichefin hingegen in Schutz. "Ey Leute, das ist ne Fasnachts-Nummer. Mir geht diese Empörungskultur so was auf den Keks. Es nervt!", twitterte er.

Seit Januar: Männlich, weiblich, divers

Schon 2015 hatte Kramp-Karrenbauer - damals noch als saarländische Ministerpräsidentin - mit Aussagen zur Homo-Ehe für Aufregung gesorgt. Es gebe in Deutschland bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, sagte sie damals der "Saarbrücker Zeitung". "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen".

Leipzig Plakat für eine dritte Option Intersexuelle (picture-alliance/dpa/J. Woitas)

Ein Plakat wirbt für eine dritte Option bei der Geschlechtsangabe

Seit Januar ist neben "männlich" und "weiblich" im Geburtenregister auch der Eintrag der Option "divers" möglich. Der Bundestag hatte die Einführung einer dritten Geschlechtsoption Mitte Dezember beschlossen. Damit setzte das Parlament eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem vergangenen Jahr um. Die bisherige Pflicht, einen Menschen dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen, wurde darin als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot gewertet. Einige Grundschulen in Bayern planen inzwischen Toiletten für das dritte Geschlecht.

cw/stu (dpa, afp)