Ägypten eröffnet riesige Kopten-Kathedrale | Aktuell Nahost | DW | 06.01.2019
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Religion

Ägypten eröffnet riesige Kopten-Kathedrale

Sie soll die größte Kirche im Nahen Osten und Symbol religiöser Toleranz sein. Bei der Eröffnung vor dem koptischen Weihnachtsfest sprach Ägyptens Präsident Al-Sisi. Papst Franziskus und Donald Trump sandten Grüße.

Ägypten | neue koptische Kathedrale eröffnet (Getty Images/AFP/M. El-Shahed)

Ägyptens Präsident Al-Sisi (r.) spricht an der Seite von Kopten-Papst Tawadros II. bei der Eröffnungszeremonie

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat eine neue riesige Kathedrale für die christliche Minderheit der Kopten in Ägypten eröffnet. Am Vorabend des koptischen Weihnachtsfestes nahm Al-Sisi östlich von Kairo in der im Bau befindlichen neuen Hauptstadt mit zahlreichen geladenen Gästen an einem Gottesdienst teil. Unter anderem waren der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, vor Ort. Auch der Kopten-Papst Tawadros II. nahm an der Veranstaltung teil. Er nannte die Eröffnung "in der Geschichte beispiellos". 

Nach Abschluss der letzten Bauarbeiten sollen in dem der Geburt Christi geweihten Gotteshaus mehr als 8000 Gläubige Platz finden. Damit soll es die größte Kirche im Nahen Osten sein. Al-Sisi will damit ein Zeichen der religiösen Toleranz Ägyptens setzen. "Wir sind eins, und werden das auch weiterhin sein", sagte er bei der Zeremonie. Der oberste muslimische Geistliche des Landes, Ahmed al-Tajeb, betonte, das islamische Recht verlange von Muslimen nicht nur, Moscheen zu beschützen, sondern auch Kirchen. Die Eröffnung fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei der Explosion eines Sprengsatzes nahe einer Kirche in Kairo war am Vortag ein Polizist getötet worden.

Anlässlich des Gottesdienstes veröffentlichte der Vatikan eine Video-Botschaft von Papst Franziskus. Von der neuen Kathedrale möge ein Friedenssegen für alle Menschen ausgehen, sagte das Katholiken-Oberhaupt. Tawadros II. und dessen Kirche dankte er für ihr Glaubenszeugnis auch in besonders schwierigen Momenten. Auch Al-Sisi grüßte Franziskus in seiner Botschaft. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er freue sich über die Eröffnung: "Präsident Al-Sisi bewegt sein Land in eine inklusivere Zukunft".

Aktivisten: Kopten nach wie vor diskriminiert

Die christliche Minderheit der Kopten, die am Montag Weihnachten feiert, ist in Ägypten immer wieder Ziel von Angriffen. Al-Sisi präsentiert sich gerne als Beschützer der ägyptischen Christen. Beobachter und Aktivisten werfen der Regierung jedoch vor, die Kopten nach wie vor zu diskriminieren und nicht ausreichend gegen Islamisten zu verteidigen. Etwa zehn Prozent der knapp 100 Millionen Ägypter sind Kopten. 

Die Sicherheitslage in Ägypten ist seit den arabischen Aufständen 2011 fragil. Auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren gebessert hat, kommt es immer wieder zu Anschlägen. Häufig waren Sicherheitskräfte oder Kopten das Ziel von extremistischen Attacken. Al-Sisi, selbst Muslim, hatte den Bau der Kathedrale 2016 verkündet. Kurz davor waren bei einem schweren Anschlag auf die Kirche St. Peter und Paul bei der Kairoer Kathedrale 27 Christen getötet worden. Als Ort wurde die neue Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich Kairos bestimmt.

Die neue Hauptstadt ist momentan noch eine riesige Baustelle, soll aber in den kommenden Jahren zum Regierungssitz und zur Heimat von Millionen Menschen werden. Das Megaprojekt wurde angesichts der Überbevölkerung und der infrastrukturellen Überforderung der Hauptstadt gestartet. In Kairo leben Schätzungen zufolge mehr als 20 Millionen Menschen. 

ie/wa (dpa, kna, afp)

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