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Sport

WM-Spektakel am Zuckerhut

Der deutsche Sieg im Finale gegen Argentinien ist das i-Tüpfelchen einer Weltmeisterschaft mit vielen Toren, Dramen und Sensationen. Die Fußball-WM in Brasilien zeigt schöne, fragwürdige und überraschende Seiten.

Deutschland bezwingt Argentinien im

WM-Finale 2014,

sichert sich nach 1954, 1974 und 1990 zum vierten Mal den Weltmeistertitel und darf damit sein Nationaltrikot mit dem vierten Stern schmücken. Der 1:0-Finalsieg gegen Lionel Messi und Co. im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro war einer erneut überragenden Mannschaftsleistung zu verdanken und mehr als verdient. Doch das aus deutscher Sicht begeisternde Ende des Turniers war bei weitem nicht alles, was die vier Fußball-Wochen am Zuckerhut zu bieten hatten.

Halbfinale-furioso

So wird der

7:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft

im Halbfinale gegen den Gastgeber die ansonsten durchaus spektakuläre WM auch weiterhin überstrahlen. Das Spiel in Belo Horizonte war ein Fußball-Rausch für die Geschichtsbücher und ließ die schweren Tage nach dem deutschen 2:1-Zittersieg im Achtelfinale gegen Algerien vergessen.

Für seinen üblichen Jubel-Salto fehlte

Miroslav Klose

nach seinem Rekordtreffer die Kraft. Ausgerechnet gegen Brasilien erzielte der Nationalstürmer sein 16. WM-Tor und der damit entthronte Ronaldo musste das Ganze für das brasilianische Fernsehen auch noch kommentieren.

WM-Stars die begeistern

Eine ganze Reihe von Akteuren ließen die Herzen der Fußball-Fans auf der ganzen Welt hören schlagen. Mit fünf Treffern lag

Thomas Müller

im Kampf um die Torjäger-Krone des Turniers mit James Rodriguez eine Zeit lang recht aussichtsreich im Rennen. Doch an die sechs Tore des mit Kolumbien bereits im Viertelfinale gescheiterten Stürmers kam er dann doch nicht ganz heran. Noch bei der Europameisterschaft 2012 blieb

Toni Kroos

nur die Rolle des deprimierten Reservisten, in Brasilien gehörte er zu den besten WM-Akteuren. Seinen ohnehin schon hohen Marktwert dürfte der Noch-Münchner damit noch gesteigert haben. Die Auszeichnung zum Spieler der WM wurde Lionel Messi zuteil. Allerdings wirkte sie lediglich wie ein Trostpflaster, denn der Argentinier spielte kein gutes Turnier.

Torjubel von Kolumbiens James Rodriguez (l.) im Spiel gegen Uruguay (Foto: REUTERS/Sergio Moraes)

James Rodriguez (l.) schießt Kolumbien mit zwei Traumtoren gegen Uruguay ins WM-Viertelfinale

Seinen Ruf als bester Torwart der Welt, untermauerte

Manuel Neuer

nachdrücklich. Der Bayern-Schlussmann spielte ein unglaublich starkes Turnier und wurde als

bester Keeper der WM

ausgezeichnet. Unvergessen sind seine "kilometerweiten" Ausflüge aus seinem Tor im

Achtelfinale gegen Algerien.

In lupenreiner Libero-Manier bügelte er einen um den anderen Fehler seiner Vorderleute aus. Auch die WM-Keeper Keylor Navas aus Costa Rica, der Mexikaner Guillermo Ochoa, Claudio Bravo aus Chile und der US-Amerikaner Tim Howard zeigten überragende Leistungen und ließen mit ihren Glanzparaden die Fußballfans mit der Zunge schnalzen.

Gutes und Schlechtes

Auch Costa Rica ließ aufhorchen: Die Lateinamerikaner hatten mit Italien, England und Uruguay drei Ex-Weltmeister in der Vorrunden-Gruppe und schafften dennoch überraschend den

Gruppensieg.

Die "Ticos" mussten erst nach dem

Elfmeter-Krimi im Viertelfinale gegen die Niederlande

die Heimreise antreten. In der Partie sorgte "Oranje"-Coach Louis van Gaal für Aufsehen, als er nur für die Entscheidung vom Punkt Stamm-Keeper Jasper Cillesen gegen Ersatzmann Tim Krul austauschte. Der hielt zwar zwei Elfer, nervte, irritierte und provozierte dabei aber die gegnerischen Schützen, ohne vom Schiedsrichter daran gehindert zu werden.

Kolumbiens Camilo Zuniga (r.) springt Brasiliens Neymar (2.v.l.) in den Rücken (Foto: REUTERS/Marcelo Del Pozo)

Camilo Zuniga (r.) springt Neymar (2.v.l.) in den Rücken

Der Gastgeber-Kontinent hatte unterdessen mehr zu bieten als seine Fußball-Großmächte Brasilien und Argentinien. Mit Leidenschaft und Teamgeist überzeugten neben den Kolumbianern vor allem die

Chilenen.

Als es drauf ankam, eliminierten sich die südamerikanischen Teams allerdings gegenseitig. Indes geht auch der negative Höhepunkt des Turniers auf das Konto eines Kolumbianers: Das Foul des kolumbianischen Verteidigers Juan Zuniga gegen

Neymar

im

Viertelfinale,

bei der sich Brasiliens Stürmerstar einen Lendenwirbel brach und die

WM beenden

musste, bleibt haften.

Das gleiche gilt für die

Beißattacke von Luis Suarez.

Uruguays Torjäger hatte in der Vorrunde beim 1:0-Erfolg über Italien für einen Eklat gesorgt, als er unmittelbar vor dem Siegtreffer durch Diego Godin seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini seine Zähne in die Schulter gerammt hatte. Die Beißattacke war bereits die dritte in der Karriere des 27-Jährigen. ZDF-Experte Oliver Kahn meinte dazu: "Das ist ein Verhalten, das man sonst nur von Tieren kennt."

Überraschungen und Erkenntnisse

Drei Fußball-Großmächte aus Europa erlebten in Brasilien ein Desaster in der Gruppenphase.

Weltmeister Spanien

wurde gedemütigt,

Ex-Weltmeister Italien

flog ebenso raus wie

Möchtegern-Weltmeister England.

Auch die afrikanischen Mannschaften enttäuschten:

Algerien und Nigeria

kamen ins Achtelfinale, mehr aber auch nicht. Ansonsten wurden alle Negativklischees bestätigt: Prämienstreit und Korruptionsverdacht gehörten wieder einmal zum Afrika-Repertoire. Der Verlierer-Kontinent der WM 2014 ist allerdings Asien. Dessen Vertreter holten keinen Sieg und brachten kein Team in die K.o.-Runde. Japan, Südkorea und Co. fehlte es deutlich an Robustheit und Cleverness.

Spaniens Torhüter Iker Casillas (r.) kniet geschlagen am Boden, zwei niederländische Spieler jubeln (Foto: REUTERS/Tony Gentile)

Torhüter Iker Casillas (r.) kann es nicht fassen: Titelverteidiger Spanien geht gegen die Niederlande mit 1:5 unter

Leider wurden auch die

Schiedsrichter

zum Thema des Turniers. Die Leistungen vieler

FIFA-Referees

waren schlichtweg WM-unwürdig. Los ging es schon beim

Eröffnungsspiel

mit dem Japaner Yuichi Nishimura, der Brasilien einen Elfmeter regelrecht schenkte. Doch nicht gänzlich alle

Unparteiischen

waren schlecht. Deutschlands Felix Brych zum Beispiel pfiff ordentlich, der Engländer Howard Webb im Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile sogar überragend. Im Lichte der vielen krassen Fehlentscheidungen ging das jedoch unter. Ein Problem war wohl, dass seit 1986 nicht mehr so wenige Gelbe Karten gezeigt wurden. Ob das nun FIFA-Anordnung war oder nicht, mehr Verwarnungen hätten die Spielern stärker diszipliniert. Man hätte weniger Ellbogenchecks, rüde Fouls und Schwalben gesehen, die von den Referees oft nicht geahndet wurden.

Unterdessen hat die

Torlinientechnik

den Härtetest bestanden. Das

Frankreich-Tor gegen Honduras

wurde mit dem System analysiert und für korrekt befunden. Das neue Freistoßspray überzeugte auch, es ist eine visuelle Hilfe für Schiedsrichter und Fans. Die Zuschauer sorgten für beste Stimmung und Fußball-Freude pur. Die Fans aus Südamerika machten diese WM zu einem Fest in vollen Stadien und auf den Prachtstraßen von Rio de Janeiro bis Manaus und Porto Alegre bis Fortaleza. Es ging stimmgewaltig, farbenfroh und

fast ausnahmslos

friedlich zu, da zogen auch die Gäste aus Europa mit.

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