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Sport

Kommentar: Keine gute Linie

Die WM-Schiedsrichter ziehen zu spät die Gelbe Karte und ahnden böse Fouls nicht konsequent. Das hat bittere Folgen für einen, der eigentlich noch zweimal spielen sollte, meint DW-Sportreporter Andreas Sten-Ziemons.

Die Weltmeisterschaft in Brasilien hätte das Turnier des Neymar da Silva Santos Junior werden sollen. Der 22-jährige Superstar der Selecao war bereit, seine Mannschaft zum WM-Titel im eigenen Land zu führen, der ersehnten sechsten Weltmeisterschaft für Brasilien. Schon vor einem Jahr beim Confed-Cup hatte Neymar Brasilien fast im Alleingang zum Titel geschossen - nun ruhten alle Hoffnungen auf ihm. Doch der Traum vom WM-Titel ist kurz vor dem Ende des Viertelfinals der Brasilianer gegen Kolumbien im wahrsten Sinne des Wortes zerbrochen zumindest für Neymar. Mit einer Lendenwirbelfraktur fällt die Nummer 10 aus. Die WM ist für Neymar zu Ende.

Unmittelbare Schuld an der Verletzung trägt der Kolumbianer Juan Zuniga, der Neymar in der 87. Minute mit dem Knie voraus in den Rücken sprang. Mittelbar hat aber auch der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo Schuld, der während der gesamten Partie sehr viel laufen ließ und auch Fouls der härteren Art nicht mit einer Gelben Karte ahndete. Eine Einladung, die die Spieler gerne annahmen: Es wurde ein hartes Spiel mit vielen an und über der Grenze geführten Zweikämpfen. Erst nach mehr als einer Stunde zückte Velasco zum ersten Mal den gelben Karton, allerdings nicht wegen eines Fouls, sondern weil Thiago Silva den gegnerischen Schlussmann beim Abschlag behinderte.

Andreas Sten-Ziemons (Foto: DW)

Andreas Sten-Ziemons

Man kann dem Spanier seine schlechte Schiedsrichterleistung persönlich vorwerfen. Gleichzeitig muss man aber auch den Weltverband FIFA mit in die Kritik nehmen, der seinen Unparteiischen für das WM-Turnier offenbar eine Linie vorgegeben hat, bei der möglichst lange auf Gelbe Karten verzichtet werden soll. Zum Vergleich: 2010 in Südafrika gab es in 64 Spielen insgesamt 245 Gelbe Karten (3,83 pro Spiel). In Brasilien sind es nach 58 Partien gerade einmal 159 Verwarnungen (2,74 pro Spiel). Das ist der tiefste Wert seit der WM 1986 und ein deutlicher Rückgang, der wohl nicht nur darin begründet sein kann, dass ein oder zwei Schiedsrichter anders pfeifen als bisher. Oder damit, dass es durch den Einsatz des Freistoßsprays zu weniger Diskussionen beim Bilden der Mauer kommt.

Nun ist der weltweite Aufschrei groß. Und wie immer, wenn der weltweite Aufschrei groß ist, (siehe Katar, um nur ein Beispiel zu nennen) reagiert sogar die FIFA. Die Aktion Zunigas soll nun offiziell untersucht werden. Der Weltverband möchte ermitteln, ob es sich lediglich um ein Foul oder ein absichtliches Verletzen Neymars handelte.

Wie umständlich, das im Nachhinein zu tun! Hätte es nicht gereicht, dem Schiedsrichter vorher zu sagen: Wenn ein Spieler dem anderen mit dem Knie voraus in den Rücken springt, dann ist das mit einer Gelben Karte zu ahnden? Nein? Offenbar nicht, denn eine Gelbe Karte hat Zuniga für sein Foul gar nicht bekommen. Es wäre die 160. dieser WM gewesen - und er hätte sie mehr als verdient gehabt.

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