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Übernahme mit Potenzial

Nicolas Martin7. April 2015

Der US-Logistikonzern FedEx will seinen niederländischen Rivalen TNT Express schlucken. In Asien und Europa könnte FedEx so auch der Deutschen Post verstärkt Konkurrenz machen.

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TNT Express Hauptsitz in Hoofddorp (Foto: Reuters)
Bild: Reuters/United Photos/T. Kluiters

Ein Paket schnell und zuverlässig und möglichst innerhalb weniger Stunden an den Adressaten zu bringen - dafür zahlen Kunden weltweit sehr viel Geld. Das ist ein attraktives Geschäftsfeld für die internationalen Logistikkonzerne. Allein in Europa beträgt der Umsatz im Expressversand rund sechs Milliarden Euro. Das US-Unternehmen FedEx möchte hier weiter wachsen und setzt deshalb auf die Übernahme des niederländischen Zustelldienstes TNT Express. Dafür will FedEx rund 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch legen, wie beide Unternehmen jetzt mitteilten.

Bei einer Übernahme könnte FedEx zum zweitgrößten Anbieter von Express-Dienstleistungen in Europa aufsteigen. "Für FedEx ist das eine gute Möglichkeit, seine Marktanteile zu vergrößern und seine Netze in Europa zu vervollständigen", sagt Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg. Die beiden Unternehmen ergänzten sich auf dem europäischen Markt sehr gut: "Gerade auf dem Landweg fehlt FedEx ein breites Netz", während es aber über ein sehr gutes Frachtsystem in der Luft verfüge.

Ein FedEx-Flugzeug in der Luft (Foto: Reuters)
FedEx besitzt mehr als 600 eigene FlugzeugeBild: Reuters/M. Anzuoni

Gute Chancen bei Kartellamt

Schon vor drei Jahren hatte UPS versucht, das niederländische Unternehmen zu übernehmen. Der US-Logistikkonzern wollte damals sogar 5,2 Milliarden Euro für TNT bezahlen. Doch die Europäische Kommission verhinderte die Übernahme, weil sie in etlichen EU-Mitgliedsländern den Wettbewerb verzerrt sah.

TNT ging geschwächt aus der gescheiterten Übernahme hervor, musste Stellen streichen und konzentriert sich seitdem verstärkt auf das Europageschäft. Heute hat das Unternehmen knapp 60.000 Mitarbeiter. FedEx hingegen beschäftigt 320.000 Menschen und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 43 Milliarden Euro. Da die Marktanteile von FedEx in Europa aber deutlich unter denen von UPS liegen, gehen beide Unternehmen davon aus, dass die europäischen Wettbewerbshüter grünes Licht geben werden. "Das sieht tatsächlich um einiges besser aus", meint auch Logistikexperte Kille. "FedEx würde in Europa zusammen mit TNT in etwa zu UPS aufschließen. Das sind ganz andere Rahmenbedingungen als beim geplanten Zusammenschluss von UPS und TNT."

Infografik Marktanteile von Express-Diensten in Europa, USA und Asien (DW)

Abgestimmte Lieferwege, genaue Zustelltermine - gerade das Expressgeschäft basiert auf sehr komplexen Systemen. Dort sieht Christian Kille auch die Probleme einer solchen Übernahme: "Das dauert mitunter Jahre." Die Zusammenlegung der IT und die Zusammenführung der Liefernetze seien die größten Herausforderungen: "Noch heute bestehen Lücken in der Zusammenführung der Netze von Deutsche Post und DHL", so Kille. Die Deutsche Post hatte das US-Unternehmen DHL im Jahr 2002 übernommen. "In Europa können FedEx und TNT sehr komplementär zusammenarbeiten. In Asien aber treten sich die beiden Unternehmen schon etwas mehr auf die Füße." Dort müssten sie sich in einzelnen Märkten entscheiden, ob sie auf das FedEx-Netzwerk oder auf das von TNT zugreifen sollten.

Deutsche Post bleibt gelassen

Die Konzentration auf ein gemeinsames Netz böte aber auch Chancen: "Wenn die Aktivitäten tatsächlich gebündelt werden, wird auch die Auslastung erhöht, und dann können die Preise sinken", so Kille. Generell sieht der Logistikexperte in Asien das größte Wachstumspotenzial des Expressgeschäfts: "Dieser Markt hat sehr viel Dynamik." Zwar habe TNT nur einen Anteil von vier Prozent am asiatischen Volumen, sei aber historisch in der Region tief verwurzelt. "Gerade auf Wachstumsmärkten bedeutet der Wegfall eines Konkurrenten langfristig auch ein deutlich größeres Stück vom Kuchen." Gemeinsam mit TNT könnte FedEx in Asien fast ein Viertel des Marktvolumens abdecken und enger an DHL, den größten Anbieter im Express-Geschäft auf diesem Markt, aufrücken. In den USA würde sich durch die Übernahme von TNT durch FedEx kaum etwas verändern.

Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg (Foto: Privat)
Christian Kille von der Hochschule WürzburgBild: Privat

Die Konkurrenz aus Deutschland, die Deutsche Post DHL, reagiert entspannt: "Wir schauen uns das gelassen an", hieß es aus der Unternehmenszentrale. Die Integration solcher Zukäufe mit unterschiedlichen Kulturen laufe nicht immer glatt. Das führe bei Mitarbeitern, Kunden und Partnerunternehmen zu Unruhe. Gerade im Expressversand sehe man durch die Übernahme auch Geschäftschancen, weil sich die Kunden umorientieren könnten, so ein Postsprecher.

Handelslogistikprofessor Kille von der Hochschule Würzburg muss bei dieser Reaktion schmunzeln. Diese Argumentation sei ein Ergebnis der eigenen Erfahrungen: "Bei der Übernahme von DHL kam es auch erst mal zu Reibungsverlusten. Einige Kunden haben dem Unternehmen den Rücken gekehrt." Trotzdem sieht Kille für die Deutsche Post in Europa keine große Gefahr für das Geschäft mit den schnellen und termingerechten Paketen und Briefen: "Hier hat die Post schon einen guten Stand." Anstrengen müsse sie sich aber in Asien - dort werde der Wettbewerb in den kommenden Jahren deutlich an Härte gewinnen.